Sensation! Sachsen schlagen Gallier von der Alb

Die Männer des SC DHfK Leipzig stehen nach einem völlig verdienten 28:24 (16:12) gegen HBW Balingen-Weilstetten im Viertelfinale des Pokalwettbewerbs.

Alen Milosevic setzt sich am Kreis durch. Foto: Rainer Justen

Markus Gaugisch, der Trainer der erstklassigen Handballer aus Balingen und Weilstetten, ahnte, dass die Gastgeber eine hohe Hürde darstellen: „Was Leipzig im Gegenstoß spielt, zählt zu dem Besten, was ich in den letzten Wochen und Monaten gesehen habe.“ Am Anfang schienen seine Männer die Warnung zu beherzigen. Sie begannen sehr konzentriert und nutzten die Lücken in der sächsischen Verteidigung durch Alexandros Vasilakis gnadenlos aus. Der Koloss von Korfu erzielte in dieser Phase fünf Tore und sorgte beinahe im Alleingang für die Führung des Favoriten. 6:7, 7:8, 8:9, 9:10. Sie hatten auch Chancen, mehr Treffer zu werfen.

Doch die Sachsen, die in dieser Saison in der Arena noch nie verloren hatten, reagierten. Sie stellten Henrik Ruud Tovås in den Kasten und Thomas Oehlrich in den Mittelblock. Sie konnten mit den neuen Leuten die Abwehr stabilisieren und mehrere Zuspiele des Gegners abfangen. Prompt klappte der schnelle Gegenstoß, den Markus Gaugisch so fürchtete, klappten die Durchbrüche von Philipp Pöter und Alen Milosevic zum Kreis, netzte der Rückraum ein. Die Sachsen drehten das Geschehen. Philipp Weber erzielte unmittelbar vor dem Seitenwechsel das 16:12.

Die Gallier von der Alb stemmten sich dieser Spielweise wie die Gallier bei René Goscinny und Albert Uderzo (den Vätern von Asterix und Obelix) entgegen: Zack! Paff! Ping! Rummms! Erst mussten Philipp Pöter und Franz Semper auf der Platte behandelt, dann Philipp Weber mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht werden.

Der Spitzenreiter der zweiten Bundesliga kompensierte den Ausfall seines besten Torschützen in der zweiten Halbzeit durch eine geschlossene Mannschaftsleistung. Der junge Marc Pechstein (22) und der jüngere Franz Semper (17) drückten aus dem Rückraum. Der ebenfalls noch junge Lukas Binder (22) markierte insgesamt neun Tore. So kamen die Gäste aus der ersten Bundesliga auf maximal zwei Treffer heran. Im Gegenzug bauten die Sachsen den Vorsprung schon wieder aus.

Die Zuschauer in der Arena waren begeistert. 19:15, 21:16, 23:20, 26:22. Sie standen schon Minuten vor dem Schlusspfiff auf, um den Einzug der einheimischen Handballer ins Viertelfinale zu feiern. 28:24. Sie können sich auf einen weiteren attraktiven Gegner zuhause freuen.

Text: Lutz Walter

 

SC DHfK Leipzig gegen HBW Balingen-Weilstetten 28:24 (16:12)

Stationen: 0:1, 2:1, 5:3, 6:7, 9:10, 12:10, 16:12, 17:15, 21:16, 23:20, 27:22

SC DHfK Leipzig: Storbeck, Tovås; Semper 3, Krzikalla 1, Pöter 3, Oehlrich, Binder 9, Roscheck, Weber 7/4, Milosevic 3, Pechstein 2

HBW Balingen-Weilstetten: Ristanovic, Asanin; Böhm 3, König, Foth, Frietsch, Hausmann, Vasilakis 10/1, Wolfgang Strobel 1, Martin Strobel 5, Djozic 2/2, Ilitsch, Ruß 1, Vrazalic

Zuschauer: 2449 Handballfans in der ARENA Leipzig

Schiedsrichter: Matthias Brauer (Hamburg), Kay Holm (Hagen)

Siebenmeter: Leipzig 4/5, Balingen 3/3

Zeitstrafen: Leipzig 6 min, Balingen 14 min

Disqualifikation: Ilitsch 29:29 min, Ruß 44:50 min (beide HBW Balingen-Weilstetten)

 

Trainer Markus Gaugisch (HBW Balingen-Weilstetten): Ich gratuliere Leipzig zum verdienten Sieg. Es ist beeindruckend, was mein Kollege Christian Prokop hier aufgebaut hat. Es macht Spaß zu sehen, wie die jungen Leute mit Mut zur Sache gehen. Das trägt seine Handschrift und zeigt, dass Leipzig zurecht in der zweiten Liga ganz oben steht. Wir haben in der Deckung heute keinen Zugriff gekriegt und zu viele Fehler gemacht. Ich bin enttäuscht über einige Leistungen in meiner Mannschaft. Das war nicht, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich wünsche Leipzig in der nächsten Runde einen Gegner, den sie schlagen können. Dann wäre die Mannschaft beim Final Four in Hamburg ein neuer Farbtupfer.

Trainer Christian Prokop (SC DHfK Leipzig): Es ist eine kleine Sensation, zu den letzten acht Mannschaften im Pokal zu gehören. So viel Präsenz in ganz Deutschland wird der SC DHfK Leipzig vielleicht so schnell nicht wieder bekommen. Viele Kleinigkeiten haben das Spiel entschieden. Wir konnten anfangs nicht auf unsere Abwehrstärke bauen. Mit der Einwechslung von Thomas Oehlrich bekam die Deckung aber mehr Kompaktheit. Etwa ab der 15. Minute bis zum Ende war die Abwehr somit der Erfolgsgarant. Das hatte viel mit Wille und Einsatz zu tun. In der zweiten Halbzeit hatten wir ohne Philipp Weber zu knabbern, konnten aber den Vorsprung halten und verdient gewinnen. Bei Philipp Weber sieht es nicht gut aus. Er konnte sich nach dem Foul an nichts erinnern und hat wahrscheinlich ein Schädeltrauma.