Wir trauern um Paul Tiedemann

Der legendäre DHfK-Spieler und DDR-Nationaltrainer verstarb am Sonntag im Alter von 79 Jahren

Paul Tiedemann im Europapokalspiel gegen Dukla Prag. Archiv-Fotos: SC DHfK Leipzig
Paul Tiedemann holte als Spieler und Trainer viele Titel.

Paul Tiedemann ist tot. Der legendäre Trainer der DDR-Olympiasiegermannschaft von 1980 verstarb am Sonntag nach langer und schwerer Krankheit im österreichischen Linz. Paul Tiedemann wurde 79 Jahre alt. Der SC DHfK Leipzig und der deutsche Handball trauern um den früheren Nationalspieler, der mit den DHfK-Handballern 1966 in Paris den Europapokal der Landesmeister gewann.

Als Nationalspieler war er mit der gemeinsamen deutschen Mannschaft 1958 WM-Dritter geworden, holte fünf Jahre später mit der DDR den Titel im Feldhandball. Paul Tiedemann galt als einer der überragenden Handballer seiner Zeit. Er war der erste deutsche Nationalspieler, der 100 Länderspiele bestritt. In diesen erzielte er 303 Tore.

„Der deutsche Handball verneigt sich vor dem Lebenswerk dieses herausragenden Spielers und Trainers, der unseren Sport über Generationen hinweg geprägt hat. Er war eine große Persönlichkeit“, sagte DHB-Präsident Bernhard Bauer. „Paul Tiedemann war ein Mann der leisen Töne, freundlich und bescheiden – mit einem festen sportlichen Wertekanon. Von Beschimpfungen und Krawall hielt er nichts“, sagt ARD-Handball-Reporter Thorsten vom Wege, der den legendären Trainer gut kannte, zu ihm und seinen Auswahlschützlingen einen engen Draht pflegte. „Für viele der Nationalspieler war Paul Tiedemann das sportliche Vorbild schlechthin.“

In die deutsche Handball-Geschichte ging der am 29. Juni 1935 im ostpreußischen Sudnicken geborene Paul Tiedemann im Sommer 1980 ein, als die von ihm betreute Auswahl der DDR im olympischen Finale von Moskau die vermeintlich übermächtige UdSSR mit 23:22 nach Verlängerung bezwang. „Paul war ein unnachahmlicher Taktikfuchs“ sagte sein damalige Co-Trainer, früherer DHfK-Mitspieler und langjähriger Weggefährte Klaus Langhoff.

Lothar Fährmann, ebenfalls ehemaliger Mitspieler: „Wir trauern um einen Großen des Handballs und um einen Freund. Paul war zu unserer Zeit der überragende Handballer in der DDR. Als Kapitän und Regisseur lenkte und leitete er mit viel Spielwitz und war gleichzeitig torgefährlich. Er war immer zielstrebig, ehrgeizig, einsatzstark und damit stets Vorbild und Antreiber. Diese Stärken hat er auch als Trainer umgesetzt.“

Von 1989 bis 1992 betreute er die ägyptische Nationalmannschaft und etablierte das nordafrikanische Land auf der Weltkarte des Handballs.

Erst vor wenigen Tagen war die Halle des TSV 1862 Radeburg im Beisein von Paul Tiedemanns Lebensgefährtin und seiner beiden Kinder in Paul-Tiedemann-Halle umbenannt worden. Paul Tiedemann hatte in der sächsischen Stadt seine Schulzeit verbracht, ehe er zum Studium an die DHfK nach Leipzig wechselte.                  

Am vergangenen Samstag war die erfolgreiche DHfK-Mannschaft beim Festakt zum 60. Geburtstag des SC DHfK in Leipzig geehrt worden. Den Bericht dazu aus der Sendung Sport im Osten finden Sie in der MDR-Mediathek (ca. ab Minute 29:45).

Erstellt von SC DHfK Leipzig, DHB