Spielberichte


„Alternativer Spielbetrieb“ - Handball einmal anders!Seit Dezember vergangenen Jahres treffen sich die E-Jugendmannschaften der DHFK Leipzig, der SG LVB Leipzig, Concordia Delitzsch, des HV Böhlen und Borna einmal im Monat zum sportlichen Stelldichein - miteinander und gegeneinander. Aber was? Jedenfalls sieht es nicht nach richtigem Handball aus. Turmball, Aufsetzerball und Geschicklichkeitsübungen stehen auf dem Spielplan. Was soll das, mag sich der eingefleischte Handballfan und Trainer fragen. Der Grund: In der Handballnachwuchsarbeit der Jüngsten stehen sich im Großraum Leipzig, und nicht nur hier, zurzeit zwei ziemlich konträre Meinungen gegenüber. Die einen möchten dass alles so bleibt wie es ist, das heißt Punktspiele ab dem 7. Lebensjahr in einer Staffel jedes Wochenende. Und auf der anderen Seite, Spielfeste mit einer breiten Förderung der Grundkompetenzen für das spätere richtige Handballspiel. Die fünf wegweisenden Mannschaften wollten das neue, können sich aber dem alten System nicht ganz entziehen. Also trifft man sich jetzt einmal im Monat um das Neue auszuprobieren. Ob sich das in Zukunft im sächsischen Handball durchsetzten wird weiß noch niemand. Erste Schritte in diese neue Richtung lassen die Initiatoren positiv stimmen. Das Konzept eines „alternativen Spielbetriebes“ für die F-Jugend wurde bereits dem Spielbezirk Leipzig, um den Vorsitzenden Siegmar Krausch, für die Saison 2010/2011 vorgestellt und zeigte großes Interesse auf Seiten der Offiziellen.
Die Trainer der beteiligten Mannschaften, unter anderem auch Regionaltrainer Jens Pardun, sehen es als notwendig an, eine moderne, den veränderten Bedingungen angepasste Kinderhandballkonzeption vorzulegen.
Um vielfältige motorische, koordinative und spielerische Fähigkeiten zu entwickeln, muss der Leistungsaufbau langfristig, entwicklungsorientiert und altersgerecht sein, weil nur auf einer solchen Grundausbildung Kinder später ihre handballspezifischen Spielfähigkeit optimal entwickeln können. Wenn für eine Vielseitigkeit im Training plädiert wird, muss diese Vielseitigkeit auch Eingang in den Wettkampf finden. Denn nur das, was im Wettkampf verlangt wird, wird in den meisten Fällen auch im Training geübt.
Trainingsinhalte, Wettspiele und Spielregeln im Kinderhandball sind nicht mit denselben Maßstäben zu messen wie z.B. in den älteren Jugendspielklassen oder im Erwachsenenbereich. Für die Altersstufe der 6- bis 10jährigen Kinder haben sich deshalb im Vereinshandball in den letzten Jahren besonders Spielfeste bewährt. Wenn Handball gespielt werden soll, dann aber ein Handballspiel, zu dem die Kinder die motorischen, technischen, taktischen und koordinativen Voraussetzungen haben.
Fakt ist jedenfalls das diese Form des Handballerlernens in den alten Bundesländern seit einigen Jahren erfolgreich praktiziert wird. Fakt ist auch, dass im Leistungsvergleich der Bundesländer die neuen Bundesländer den alten seit einigen Jahren um einiges hinterher hinken. In dem zu frühen Einstieg in sture Punktspiele und einer zu frühen Spezialisierung der Kinder, könnte eine Ursache liegen. Alle teilnehmenden Mannschaften werden sich jedenfalls weiter an diesen Spielfesten aktiv beteiligen. Auch und vor allen dingen weil es allen Kindern viel Spaß macht, getreu dem Motto: Erlebnisorientiert statt Ergebnisorientiert!


Quelle: Handballpost - Ausgabe 1/2010
Autor: Daniel Andrä

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