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Martin Müller greift wieder an

27-01-2012 15:16

Rückraumspieler kämpft nach Kieferbruch um mehr Einsatzzeiten in der Mannschaft des SC DHfK.

Martin Müller gehört noch nicht zu den Helden des SC DHfK, die in den Zweitliga- Heimspielen die Grube-Halle zum Kochen bringen. Die Einsatzzeiten des Zugangs aus Wolfen hielten sich bisher in Grenzen. Doch wenn ihn Trainer Uwe Jungandreas auf die Platte schickte, ließ der Rückraumspieler mehrfach beachtliches Können aufblitzen.

Am 11. November, Müller war auf gutem Weg zu mehr Spielanteilen, stoppte ihn beim 27:26-Sieg in Korschenbroich jedoch eine schwere Verletzung. Als der gebürtige Leipziger sich Mann gegen Mann im Angriff behaupten wollte, zog er sich nach dem Zusammenprall mit der Schulter eines Korschenbroichers einen Kieferbruch zu. Es folgten 40 Tage Pause, verbunden mit Schmerzen, und zehn Kilogramm Gewichtsverlust, weil er nur flüssige Nahrung zu sich nehmen durfte. Dahin war auch die Chance, für den knöchelverletzten Eric Jacob einzuspringen, um zu zeigen, was der Rückraumakteur Müller drauf hat, wenn er länger spielen darf. Wie gut der Zusammenhalt im Team ist, zeigt sein Lob für Ole Dietzmann und René Wagner, die Jacob während dessen langer Pause ersetzten: „Sie haben das gut gemacht.“

Dennoch keine Spur von Resignation bei Müller, der einst bei Turbine Leipzig mit dem Handball begann. „Die Verletzung habe ich abgehakt. Ich bin wieder fit, kann die neue Vorbereitung voll durchziehen und will mich über gute Trainingsleistungen anbieten und meine Chance nutzen, wenn ich eingewechselt werde. Ich möchte einfach längere Einsatzzeiten erreichen. Uwe Jungandreas hat mir klar gesagt, was er sehen will.“ Der DHfK-Coach schätzt Müller als einsatzstarken Spieler. Diese Tugend fordert er vom 21-Jährigen in jeder Partie ab. „Er soll nicht versuchen, Handball zu zelebrieren. Martin muss in der Offensive geradliniger agieren, in die Lücken stoßen, auch mehr aus der Bewegung heraus spielen.“ Bei der Abwehrarbeit fordert Jungandreas von Müller kontrollierteres Agieren. „Er sollte mehr mit dem Kopf arbeiten.“ Angst hat Müller nach seinem Kieferbruch nicht. „Wenn das so wäre, könnte ich gleich aufhören. So etwas passiert nun mal beim Handball.“ Deswegen gibt es auch keine Schuldzuweisungen an den Gegner, der am Malheur beteiligt war: „Es war ein unglücklicher Zusammenprall.“ Wie die meisten seiner Kollegen lässt sich Müller nicht von dem derzeit guten Platz sechs der Leipziger blenden. Er schaut noch immer in Richtung Abstiegszone. „Es wäre schön, wenn wir am Ende da bleiben, wo wir jetzt stehen. Um das zu erreichen, müssen wir in jedem Spiel an unsere Leistungsgrenze gehen. Aber wir brauchen erst mal 30 Punkte, um ganz sicher zu sein.“ Es gebe schließlich genügend Mannschaften, die personell besser besetzt sind als der SC DHfK. Müller hat in Delitzsch bereits Erfahrungen in Liga zwei gesammelt. „Aber die Fans in Leipzig sind eine Nummer größer. Es ist geil, hier in einer vollen Halle spielen zu dürfen. Mehr Druck habe ich dadurch nicht, im Gegenteil: So was spornt mich an.“

Der junge Bursche konzentriert sich nicht nur auf den Handball. Er studiert im 3. Semester Jura. „Es ist manchmal schwer, beides miteinander zu verknüpfen. Dennoch sehe ich das Studium sogar als eine Art Ausgleich zum Handball. Ich brauche einfach was, um meinen Kopf zu beanspruchen.“ Zudem könne er nicht ewig professionell spielen. „Ich baue mir ein zweites Standbein auf.“ Dass er fürs Studium länger braucht, sei klar, „weil ich dabei auch mal zu Gunsten des Sports was auslassen muss.“

Sicher ist sich Müller, dass die Liga zwei seine Perspektive ist. „Den Sprung ins Oberhaus werde ich zu 99 Prozent nicht mehr schaffen, auch wenn ich noch jung bin“, sagt er lachend. Zugang Philipp Weber macht ihn nicht sprachlos. „Wir Rückraumspieler sind doch nicht auf eine Position festgelegt.“

Norbert Töpfer

Leipziger Volkszeitung (Freitag, der 27.01.2012, Seite 25)

Foto: Elmar Keil

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