Das Festival der kleinen Fehler. SC DHfK verliert beim HC Erlangen

Sowohl die Handballer als auch Anhänger des SC DHfK Leipzig waren voller Optimismus zum Auswärtsspiel gegen den befreundeten HC Erlangen gefahren. Sie wollten den Schwung aus den letzten, siegreichen Heimspielen mitnehmen und schließlich den ersten Auswärtssieg in der laufenden Saison erreichen. Doch dann wurde das Bundesligaspiel in der großen Eishockeyhalle auf der Nürnberger Messe mit 23:24 (13:15) Toren knapp verloren. Die erneute Niederlage der körperkulturellen Handballer in der Fremde war letztendlich auf etliche Kleinigkeiten zurückzuführen...

"Uns fehlt definitiv die Konstanz", haderte der 4-fache Torschütze Philipp Weber nach der Partie. Foto: Rainer Justen
Enttäuschte Gesichter nach der nächsten Auswärtspleite. Foto: Rainer Justen

Zwar waren die Sachsen mit dem allerersten Angriff durch Philipp Weber in Führung gegangen, doch das zwischenzeitliche 1:0 sollte die einzige grün-weiße Führung im gesamten Spiel bleiben. Denn danach scheiterten Franz Semper gleich mehrere Male aus dem Rückraum und Philipp Weber mit einem Siebenmeter an Nikolas Katsigiannis im Erlanger Tor. Obendrein unterliefen den Gästen der eine oder andere Abspielfehler im Vorwärtsgang.

Dagegen wirkten die Gastgeber, die in der aktuellen Saison auch hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, viel munterer. Neben dem katzengewandten Torwart auch Regisseur Nico Büdel. Das Kraftpaket auf der mittleren Rückraumposition markierte das wichtige 1:1, 7:5, 9:6. Erlangen marschierte prompt vorneweg. Außerdem netzten Christopher Bissel und Nikolai Link regelmäßig ein. Die Franken hinterließen einen sehr sicheren und lockeren Eindruck. Die weiteren Zwischenstände lauteten 13:10 beziehungsweise 14:11. Allerdings ließen sie einige Kontergelegenheiten durch ungenaue Zuspiele liegen.

So hätten die Leipziger durch einen energischen Zwischenspurt mit einem Gleichstand in die Pause gehen können. Sie lagen gerade 13:14 zurück, als ihnen ein weiterer Abspielfehler unterlief, den der deutsche Nationalspieler Johannes Sellin mit dem 13:15-Halbzeitstand (aus sächsischer Sicht) bestrafte.

Die Szene sollte symptomatisch für den ganzen Spielverlauf sein. Denn die Erlanger lagen nach dem Seitenwechsel weiterhin vorn, dank Christoph Steinert und Nikolai Link, die aus dem Rückraum gefährlich blieben. Das zwischenzeitliche 20:16 wirkte viel deutlicher. Die Franken schienen dem dritten Heimsieg in der bisher so sorgenvollen Saison entgegenzugehen.

Doch die grün-weißen Gäste kamen in der letzten Viertelstunde der Auseinandersetzung noch mal zurück. Patrick Wiesmach und Franz Semper ließen die Leipziger auf 19:21 Tore aufschließen. Genau in diesem Moment kassierte das Trainerteam eine Verwarnung, weil André Haber bei einer gelungenen Abwehraktion seiner Männer einige Zentimeter auf die Spielfläche gerutscht sein soll, was wiederum Angriffsrecht für Erlangen bedeutete.

Doch die körperkulturellen Handballer kämpften, sie zwangen die Gastgeber durch eine enorme Steigerung in der Deckung ebenfalls zu einfachen Fehlern. Obendrein hielt René Villadsen den einen oder anderen Ball. Tatsächlich hatte Alen Milosevic drei Minuten vor dem Ende den Ausgleich geworfen, den allerdings die Erlanger mit der erneuten Führung konterten. Es folgte ein Stürmerfoul von Andreas Rojewski und eine weitere Parade von René Villadsen gegen Nico Büdel, es blieben sechs Sekunden, und Lukas Binder hatte den schnellen Gegenzug zum vermeintlichen 24:24 verwertet.

Denn André Haber hatte nur Sekundenbruchteile nach der Parade seines Torwarts seine letzte Auszeit genommen, um seine Männer für die restlichen sechs Sekunden einzuschwören. Man könnte es Künstlerpech nennen. Letztendlich scheiterte Philipp Weber mit seinem direkten Freiwurf (nach dem Schlusspfiff) am Erlanger Block. Der Endstand lautete 23:24. Eine knappe doch logische Niederlage für die Sachsen bei den Franken.

                                                                                                      
André Haber (Trainer SC DHfK Leipzig): „
Wir haben ein Spiel gesehen, in dem beide Abwehrreihen in der zweiten Halbzeit sehr dominant waren. Mit der ersten Hälfte sind wir absolut nicht zufrieden, da haben wir sehr viele Treffer über Erlangens Tempospiel kassiert und die 15 Gegentore waren auch insgesamt zu viele. In der zweiten Halbzeit haben wir sowohl durch personelle Wechsel als auch Systemwechsel sehr viele Sachen probiert und uns zurück ins Spiel gekämpft. Natürlich hätten wir noch mehr Lösungen finden müssen, um schon eher auf Unentschieden zu stellen, aber das ist uns nicht gelungen. Trotzdem haben wir heute bis ganz zum Schluss um einen Punkt gekämpft und hätten diesen auch fast errungen. Es tut mir leid für meine Jungs, dass die letzte Auszeit genau dann kommt, als wir mit einem langen Pass über das ganze Feld doch noch unseren Außen finden und ihm auch noch das Tor gelingt, was dann nicht zählen darf. Das ist für uns sehr bitter.“

Aðalsteinn Eyjólfsson (Trainer HC Erlangen): „Wir hatten in der ersten Halbzeit viele Ballgewinne und ein gutes Konterspiel. Daraus hätten wir noch mehr machen können. Mit dem 7. Feldspieler hatten wir sehr zu kämpfen, denn das macht Leipzig sehr gut. Wir haben zwar Leipzigs Rückraumspieler gut in den Griff bekommen, aber dennoch zu viele Fehler gemacht. Trotzdem bin ich sehr zufrieden, dass wir die Big Points gemacht und uns belohnt haben. Wir haben heute die Nerven behalten und ich möchte meine Mannschaft für ihre Einstellung und ihren Willen loben.“

Statistik:

HC Erlangen – SC DHfK Leipzig 24:23 (15:13)

HC Erlangen: Katsigiannis, Skof; Sellin (5), Overby(1), Haaß, Büdel(3), Bissel(5), Mappes(1), Murawski, Schäffer(1), Link(5), von Gruchalla, Steinert(3), Thümmler, Schröder, Kellner

SC DHfK Leipzig: Putera, Villadsen; Semper(4), Wiesmach(6), Rojewski, Jurdzs, Krzikalla, Binder(3), Janke, Pieczkowski(2), Roscheck, Weber(4), Remke, Gebala, Milosevic(4), Santos 

Strafen: Erlangen 4 Min, Leipzig 12 Min

Siebenmeter: Leipzig 1/2, Hannover 1/2

Zuschauer: 3872 Handballfans in der Arena Nürnberger Versicherung

Erstellt von Spielbericht: Leutzscher Welle