Silvio Heinevetter bezwingt SC DHfK

Die meisten Handballfans waren am Sonntag ohne Illusionen in die Fahrzeuge gen Berlin gestiegen. Denn die Männer des SC DHfK Leipzig galten gegen die Füchse aus dem Stadtteil Reinickendorf als krasser Außenseiter. Sie hatten einerseits in der imposanten Max-Schmeling-Halle und andererseits in der laufenden Saison in den Auswärtsspielen noch nicht gewonnen. Auch das aktuelle Bundesligaspiel wurde 23:26 (12:13) verloren. Die Handballfans könnten keck sagen, ohne Punkte in die deutsche Hauptstadt gefahren und ohne Punkte in die sächsische Metropole zurückgekommen zu sein, also nichts liegen gelassen zu haben. Doch die körperkulturellen Handballer hatten Chancen auf den ersten Auswärtssieg in dieser Saison...

Philipp Weber beim Wurf gegen seinen Nationalmannschafts-Kollegen Silvio Heinevetter. Foto: Rainer Justen
Mit 5 Treffern bei 5 Versuchen zeigte Lucas Krzikalla in Berlin eine starke Vorstellung. Foto: Rainer Justen
Mit 14 teils spektakulären Paraden war Silvio Heinevetter der Mann der Spiels. Foto: Rainer Justen

Zugegeben, die Füchse besaßen den besseren Start, sie nutzten mehrere Fehlwürfe und technische Fehler der Leipziger gnadenlos aus, sie lagen nach zehn Minuten mit 7:2 Treffern vorn. Doch dieser größere Rückstand der Grün-Weißen war lediglich eine Momentaufnahme. Trainer André Haber, der einige Experten mit Lukas Binder, Lucas Krzikalla und René Villadsen in der Startformation überrascht hatte, brachte mit Andreas Rojewski einen routinierten Spieler in den Rückraum, von dessen Erfahrungen der ganze Angriff der Sachsen profitierte. Franz Semper markierte das 7:4, Lucas Krzikalla das 9:8, Niclas Pieczkowski das 11:10. Die Leipziger hatten bis zum Seitenwechsel den Anschluss hergestellt. Der Pausenstand lautete 13:12 aus Berliner Sicht.

Unmittelbar nach der Pause schafften Lukas Binder und Philipp Weber den Ausgleich. 13:13, 14:14. In dieser Phase hätte die Begegnung erstmals kippen können. Die Sachsen bauten vor dem eigenen Kasten ein regelrechtes Bollwerk für die deutschen Nationalspieler Paul Drux und Fabian Wiede und den dänischen Wirbelwind Jacob Tandrup Holm auf. Torwart René Villadsen parierte einige Chancen und avancierte zu einem sicheren Rückhalt seines Teams. Sie besaßen genügend Chancen, die Führung zu übernehmen. Doch Lukas Binder ließ einem Konter liegen und Patrick Wiesmach zwei Siebenmeter. Auch Franz Semper scheiterte mit mehreren Rückraumwürfen. Besser: Die Leipziger scheiterten vor allem an einem saustarken Silvio Heinevetter im Berliner Tor. Der Absolvent des Leipziger Sportgymnasiums schien unüberwindbar.

Schließlich hatte Lucas Krzikalla mit dem vierten seiner sechs Treffer den Berliner Keeper zum 18:18 überwunden. In diesem Augenblick musste noch eine Viertelstunde absolviert werden, eine weitere Gelegenheit, die Begegnung zugunsten der Grün-Weißen zu drehen. Allerdings schafften die Gäste in den folgenden zehn Minuten kein weiteres Tor. Sie scheiterten an Silvio Heinevetter oder fanden den eigenen Mitspieler nicht. So wurde zwischen der 45. und 55. Minute der erste Auswärtssieg in der laufenden Saison verpasst.

Auf der Gegenseite kurbelte Fabian Wiede in Zusammenarbeit mit den jungen Frederik Simak und Tim Matthes den Berliner Schlussspurt an. 22:18, 23:20, 25:21. Die favorisierten Gastgeber mit Matchwinner Silvio Heinevetter im Kasten gewannen letztendlich mit 26:23 Toren.

André Haber (Trainer SC DHfK Leipzig): „Ein Bundesliga-Spiel mit 20 unterschiedlichen Torschützen habe ich lange nicht gesehen. Beide Teams waren breit aufgestellt in der Offensive und haben über alle Positionen gute Lösungen gefunden. Wir sind sehr schwer ins Spiel gekommen und ich rechne meiner Mannschaft hoch an, dass wir das sehr schnell repariert haben. Letztlich haben wir gegen Silvio Heinevetter zu viele Bälle liegengelassen und waren in der Cruchtime nicht clever genug. Es war jetzt das 13. Bundesligaspiel in Folge, was bis zur 50 Minute noch offen war und wir Chancen auf Punkte hatten. Daraus haben wir nur 8 Punkte mitgenommen, das ist von der Ausbeute zu wenig und daran müssen wir arbeiten.“

Velimir Petkovic (Trainer Füchse Berlin): „Ich wusste, dass Leipzig mit jedem Gegner mithalten kann.  Trotz der kleinen Krise haben sie eine gute Mannschaft mit viel Qualität. Wir hatten in den letzten Monaten viele Probleme und haben diese gut gemeistert. Mit Drux, Wiede, Zachrisson und Reißky sind einige Spieler zwar zurück, aber nach zwei Monaten Pause sind sie längst nicht sofort in einer guten Form. Dennoch müssen sie spielen, um diese Form zu finden. Das war heute von uns eine phänomenale Leistung in den letzten zehn Minuten. Bis dahin war es ein offenes Spiel. Aber auch solche Spiele musst du gewinnen und das haben wir geschafft. Ich bin froh, dass wir die richtige Einstellung und Moral gezeigt haben.“

Statistik:

Füchse Berlin – SC DHfK Leipzig 26:23 (13:12)

Füchse: Heinevetter, Genz; Wiede 4, Elisson, Matzken, Holm 4, Gojun, Lindberg 4/3, Zachrisson 1, Simak 3/2, Schmidt, Matthes 3, Reißky 2, Koch 1, Marsenic 2, Drux 2

SC DHfK: Putera, Viladsen; Binder 5, Weber 4/1, Pieczkowski 3, Jurdzs, Semper 1, Roscheck,
Wiesmach 2/2, Milosevic 1, Roscheck, Remke 1, Gebala, Krzikalla 5, Rojewski 1, Santos

Zuschauer: 9000 Handballfans in der Max-Schmeling-Halle (ausverkauft)

Siebenmeter: Füchse 7/5, Leipzig 5/3 

Strafen: Füchse 8 Min, Leipzig 4 Min