"Wir funktionieren nur als Kollektiv“

Die Männer des SC DHfK Leipzig scheinen in der Fremde kein Bundesligaspiel mehr gewinnen zu können. Der letzte Auswärtssieg datierte vom Mai 2018, als Absteiger TuS Nettelstedt mit 22:17 Toren bezwungen worden war. Ansonsten gelangen im immer noch laufenden Kalenderjahr zwei Unentschieden in Göppingen und Mannheim (bei den Rhein Neckar Löwen). Nicht mehr. Auch dieses Mal fuhren die körperkulturellen Handballer ohne Punkte in die Messestadt zurück. Sie unterlagen der gastgebenden HSG Wetzlar mit 22:23 (10:12) Wirkungstreffern knapp.

Erneut mussten die DHfK-Männer die Heimfahrt mit leeren Händen antreten. Foto: Rainer Justen

Allerdings waren die Hoffnungen auf Seiten der Sachsen, die negative Serie zu beenden, groß. Sie konnten in Wetzlar ja immer überzeugen und mit dem zuletzt angeschlagenen Maximilian Janke einen weiteren spielstarken Mittelmann aufbieten. Sie lagen in der Mitte der ersten Halbzeit – dank Lukas Binder, Alen Milosevic oder Patrick Wiesmach – permanent in Führung. Die Zwischenstände lauteten 3:2, 6:4, 7:5 oder 10:9 aus Leipziger Sicht. Doch dann scheiterten Philipp Weber mit einem Siebenmeter und der erfahrene Andreas Rojewski mit einem Hüftwurf gegnerischen Block, unterlief Franz Semper ein folgenschwerer Abspielfehler, sodass die Gastgeber mit einer Zwei-Tore-Führung in die Halbzeitpause gingen und danach die Begegnung „von vorn“ bestritten.

Später bauten Maximilian Holst mit einem verwandelten Siebenmeter und Emil Frend Ofors per Tempogegenstoß den Vorsprung der Hausherren auf 14:10 Tore beziehungsweise 20:16 Tore aus. Die Mittelhessen, die wie die Leipziger mit der laufenden Saison nicht zufrieden sein können, marschierten dem fünften Heimsieg entgegen. Lenny Rubin und Stephan Cavor, zwei Nationalspieler aus der Schweiz beziehungsweise aus Montenegro, steuerten insgesamt neun Treffer aus dem Rückraum bei.

Im Gegensatz zu den vielen Auswahlspielern im Rückraum der Leipziger. Franz Semper, Philipp Weber und Kollegen scheiterten gleich mehrere Male hintereinander am jungen Till Klimke im Wetzlarer Tor. Es wurden zu viele Aktionen zu zeitig abgeschlossen, zu viele Chancen vergeben, zu wenig die Außenpositionen einbezogen. „Wir haben – vom Namen her – einige ganz gute Spieler im Team, die leider nicht immer die richtige Entscheidung getroffen hatten. Wenn Spieler denken, sie können die Begegnung im Alleingang drehen und einfach mal nach zehn Sekunden einen Wurf nehmen, dann ist das mehr als fahrlässig. Wir funktionieren nur als Kollektiv und können nur gemeinsam die Punkte holen, da müssen wir schleunigst wieder hin“, schätzte Geschäftsführer Karsten Günther das Gesehene ein.

Tatsächlich waren die Leipziger in der hektischen Schlussphase (trotz einiger ganz kurioser Pfiffe) nochmals auf 19:21 beziehungsweise 20:22 herangekommen, als René Villadsen zwei Siebenmeter parierte. Doch die Sachsen konnten das Momentum nicht nutzen. Erst scheiterte der in den letzten Spielen so sichere Franz Semper, dann der wieder genesene Max Janke aus dem Rückraum. Schließlich traf Aivis Jurdzs zwölf Sekunden vor dem Schlusspfiff zum abschließenden 22:23. Die Hessen waren clever genug, den kostbaren Vorsprung über die Zeit zu retten.

   

André Haber (Trainer SC DHfK Leipzig):

„Ich bin heute schwer enttäuscht. Wir sind gut in die Partie gestartet und haben vieles von dem gemacht, was wir uns vorgenommen hatten. In der Deckung haben wir ein paar zu einfache Chancen zugelassen, aber wir hatten uns eine gute Taktik zurechtgelegt und diese auch gelebt. Wir hatten heute eine sehr gute Torhüterleistung und ich bin mit dem Abwehr-Torhüter-Verbund sehr zufrieden. Was wir nicht geschafft haben, war über das Tempospiel noch mehr Ertrag daraus zu schlagen. Vor allem haben wir aber im Angriff eine Quote gespielt, die zu wenig war, um hier für zwei Punkte in Frage zu kommen. Einen Punkt hätten wir aber mitnehmen können, denn wir haben nie aufgesteckt und waren immer auf Tuchfühlung. Darum fahren wir heute enttäuscht und mit einem schlechten Gefühl nach Hause. Wir freuen uns auf unser Heimspiel am 27.12. gegen Magdeburg vor einer unglaublichen Kulisse, aber das ist heute noch weit weg.“

 

Kai Wandschneider (Trainer HSG Wetzlar):

„Ich bin sehr froh, dass wir gewonnen haben. Es waren zwei ganz wichtige Punkte und unser dritter Heimsieg in Folge. Mir war klar, dass es heute nichts für schwache Nerven wird. Die Spiele gegen Leipzig sind immer etwas ganz Besonderes, da ist ein Krimi vorprogrammiert. Leipzig ist besser aus den Startlöchern gekommen, aber wir hatten einige Phasen, wo wir gut gekontert haben. Till Klimpke hat im Tor einen klasse Job gemacht. Wir sind gut in die zweite Halbzeit gestartet, aber die rote Karte für Maximilian Holst hatte Auswirkungen auf das Spiel. Wir konnten den Sack nie zumachen und Leipzig hat die Gelegenheit genutzt, um nochmal herangekommen. René Villadsen hat uns dann noch einige Bälle weggenommen und es kam zu einem absoluten Herzschlagfinale. Der Wille unserer Mannschaft war heute großartig.“

 

HSG Wetzlar gegen SC DHfK Leipzig 23:22 (12:10)

Wetzlar: Klimpke, Marinovic; Hermann, Björnsen, Ferraz, Mirkulovski (1), Schreiber, Torbrügge (1), Frend Öfors (3), Holst (4/4), Waldgenbach, Forsell Schefvert (1), Rubin (5), Lux (1), Lindskog (3), Cavor (4).

Leipzig: Villadsen, Putera; Semper (2), Wiesmach (6/1), Rojewski, Jurdzs (2), Krzikalla, Binder (3), Janke (2), Pieczkowski, Roscheck, Weber (2/1), Remke (1), Gebala, Milosevic (3), Santos.

Schiedsrichter: Thiyagarajah/ Thiyagarajah (Gummersbach)

Zuschauer: 4421 Handballfans in der Rittal-Arena (ausverkauft)

Zeitstrafen: Wetzlar 8 Min, Leipzig 8 Min

Rote Karte: Holst (Wetzlar/ 34. Min)

Siebenmeter: Wetzlar 7/4, Leipzig 4/3