Saison 2008/09

Vorspann: Ganz oben, von der Bildfläche verschwunden und eindrucksvoll zurückgekehrt - die Geschichte des DHfK-Handballs verlief vielfältig wie in kaum einem anderen Verein. Wir erinnern in dieser Serie an den Weg der Grün-Weißen, der lange Zeit zu Ende schien, bis 2007 der Neustart erfolgte und bis in die Bundesliga führte. Heute: Auch drei Cheftrainer konnten in der Saison 2008/09 den Abstieg aus der Regionalliga nicht verhindern.

Den Herausforderungen (noch) nicht gewachsen

2008/09 bescherte den DHfK-Handballern einen Rückschlag

Ein Durchmarsch in die zweite Liga sollte es nicht gleich werden. Dafür wusste der SC DHfK zu gut, was auf ihn als Aufsteiger zukommen würde. In der Regionalliga Süd warteten in der Saison 2008/09 starke Kontrahenten, gepaart mit langen Auswärtsfahrten. Fast 700 Kilometer betrug die Entfernung nach Konstanz, womit von vornherein neben den großen sportlichen auch anspruchsvolle organisatorische Herausforderungen zu bestehen waren. Hinzu kam, dass sich die Mannschaft sehr verändert hatte, zehn neue Spieler mussten integriert werden. Unter anderem waren neu dabei Jan Resimius, Jan Jungandreas (beide aus Bernburg), Marko Bergelt (Delitzsch), der Holländer Maciel Schepers (Cottbus) und René Wagner (Aurich).

„Es hat sich gezeigt, dass diese Aufgabe für uns etwas zu früh kam", bilanziert Karsten Günther, „wir waren noch nicht so weit." Günther war maßgeblicher Ideengeber des kühnen Plans, den SC DHfK in absehbarer Zeit in die Bundesliga zu führen. 2007 wurde das Projekt bekanntlich gestartet - als der SC Magdeburg gerade den EHF-Cup gewonnen hatte.

Günther trug wie in der vorigen erfolgreichen Saison auf der Bank erneut die Verantwortung. Als jedoch der Start nicht ganz so verlief wie geplant (drei Niederlagen, zwei Siege), setzten sich die Verantwortlichen zusammen und überzeugten ihn, dieses Amt abzugeben. „Das war richtig", sagt Günther. „Ich sollte mich auf unsere wirtschaftliche Entwicklung konzentrieren, außerdem musste ich mein Sportstudium mit der Diplomarbeit abschließen."

Richtig schien auch der Nachfolger. Er hieß Wolfgang Pötzsch, stand einst beim ASK Vorwärts Frankfurt/Oder zwischen den Pfosten und galt als einer der besten DDR-Torhüter, was auch seine 35 Länderspiele belegen. Darüber hinaus brachte er vor allem große Erfahrung als Trainer mit. Die ASK-Frauen wurden unter seiner Amtszeit fünfmal DDR-Meister und zweimal Europapokalsieger. Nach der deutschen Wiedervereinigung arbeitete er auch mit Männermannschaften, so beim Zweitliga-Team in Dessau.

Eine perfekte Lösung also, glaubten alle. Auch Pötzsch natürlich. Doch die gewünschten Ergebnisse blieben aus, so dass er nach der Heimniederlage gegen Hemsbach am 17. Januar 2009 entlassen wurde. Sven Strübin, bis dahin Co-Trainer, übernahm. Uwe Kirchhoff assistierte ihm. Manager Maik Gottas hatte Strübin die Offerte unterbreitet, und der sagte nach einer Nacht Bedenkzeit zu. So hatte der SC DHfK schließlich seinen dritten Cheftrainer in der Saison, die schließlich doch nicht im erhofften Klassenerhalt endete.

Dabei hatte Strübin fünf von seine ersten sieben Spielen gewonnen, so dass wieder Hoffnung aufgekommen war. Auch das Interesse stieg erneut,  denn nach mehreren Heimpleiten im Herbst war die Euphorie verflogen, die Zuschauerzahlen gingen zurück. Sie nahmen aber wieder zu, und nach dem 27:27 am vorletzten Spieltag beim TSV Neuhausen/Filder - zehn Sekunden vor Schluss hatten DHfK-Spielmacher Masayuki Ishiguro den Ball verloren und dem Gastgeber den Ausgleich ermöglicht - öffnete sich die Tür zum Klassenerhalt tatsächlich um einen kleinen Spalt. Vorausgesetzt, die letzte Heimpartie gegen TV Neuhausen würde gewonnen werden und Friedberg gleichzeitig zu Hause gegen Lok Pirna verlieren. Beides ging nicht auf. Die Leipziger unterlagen dem souveränen Spitzenreiter vor fast 600 Fans in der Grube-Halle 22:29, Friedberg feierte beim 41:32 ein Schützenfest.

Der Anerkennung für Strübins Arbeit tat der Abstieg keinen Abbruch. Der junge Mann, nach der Rückkehr in die Oberliga immer noch erst 21 Jahre alt, wurde allseits geschätzt. Während der Spielzeit hatte er sogar noch einmal auf dem Feld ausgeholfen. Bei der knappen 27:29-Niederlage gegen Konstanz konnten sich die 450 Zuschauer davon überzeugen, welches Potenzial im siebenfachen Torschützen steckte. Er hatte im mittleren Rückraum agiert, auf seiner angestammten Position. Dort hatte er schon Jahre zuvor auf sich aufmerksam gemacht und war allen aufgefallen. Handball bestimmte zu Hause in Emmendingen in der Nähe von Freiburg sein Leben. Als Zwölfjähriger (!) wechselte er zum SC Magdeburg, wahrlich nicht der nächste Weg aus dem Badischen in die Börde. „Doch ich konnte ja nirgendwo anders hingehen, weil es solche Strukturen mit den entsprechenden Schulprofilen damals nur in den neuen Ländern gab. Also blieb nur Magdeburg", lautet seine Erklärung.

Eigentlich sollte er die weite Reise gemeinsam mit seinem fünf Jahre älteren Bruder antreten. Doch der verletzte sich kurz vorher, so dass sich Sven Strübin allein von seinen Eltern und vier Geschwistern verabschiedete. Er durchlief beim SCM die Jugendmannschaften und galt als großes Talent. 35 Einsätze in der Jugend-Nationalmannschaft unterstreichen seine Qualitäten. Uwe Gensheimer, Martin Strobel und Steffen Weinhold - allseits bestens bekannte und erfolgreiche Nationalspieler - gehörten damals unter den Trainern Martin Heuberger und Wolfgang Sommerfeld zu seinen Weggefährten.

Strübins Verletzungspech verhinderte eine ähnliche Entwicklung wie die des prominenten Trios. Als der inzwischen Siebzehnjährige nach Bernburg in die zweite Liga wechselte, um Spielpraxis zu sammeln, riss ihm im ersten Training das Kreuzband. Mit dieser „Verletzung im Gepäck" kam er 2006 nach Delitzsch, kämpfte sich durch und bestritt zwei Spiele für die Concordia in der zweiten Liga, bis ihm im Januar 2008 erneut ein Kreuzbandriss außer Gefecht setzte. Der Traum von der großen Handball-Karriere war endgültig geplatzt. Da er nebenher die Delitzscher C-Jugend trainierte  und das nach Meinung der DHfK-Verantwortlichen sehr gut machte, holten sie ihn 2008 als Co-Trainer nach Leipzig und stellte ihn zunächst Günther, dann Pötzsch zur Seite. Wenn im Training Not am Mann war, sprang er ein und einmal eben auch in einem Punktspiel. Doch sein Körper sendete eindeutige Signale, es gab keine Wiederholung. Zum Aufgebot gehörte damals übrigens auch schon Lukas Binder, wenn er als Sechzehnjähriger allerdings noch kein Spiel bestritt.

Der Abstieg traf Strübin hart. Natürlich wusste er, dass dieser Rückfall so gar nicht zu den Ambitionen des Vereins passte. Doch niemand machte ihm einen Vorwurf. Deshalb saß er auch in der nächsten Saison auf der Bank - zunächst.     

 

Autor: Winfried Wächter