Saison 2011/12

Ganz oben, von der Bildfläche verschwunden und eindrucksvoll zurückgekehrt - die Geschichte des DHfK-Handballs verlief vielfältig wie in kaum einem anderen Verein. Wir erinnern in dieser Serie an den Weg der Grün-Weißen, der lange Zeit zu Ende schien, bis 2007 der Neustart erfolgte und bis in die Bundesliga führte. Heute: wie die Leipziger schon in ihrem ersten Zweitligajahr die 2. Bundesliga aufmischten.

Starker Neuling in einer historischen Saison

Die DHfK-Handballer werden 2011/12 Fünfter in der zweiten Bundesliga und sorgen in Leipzig für einen Zuschauerrekord

Es war eine historische Saison, als der SC DHfK am 2. September 2011 mit einer denkbar knappen 26:27-Niederlage in Essen seinen Einstand in der zweiten Bundesliga gab. Gut zwei Jahre vorher hatte das DHB-Präsidium deren Eingleisigkeit zu diesem Zeitpunkt beschlossen. 20 Mannschaften ermittelten nun drei Aufsteiger ins Oberhaus, zuvor waren dies die beiden Sieger der Staffeln Nord und Süd mit je 18 Teams.

Dieser Beschluss löste nicht überall und bei allen Experten große Freude aus. Martin Heuberger, der damalige Bundestrainer, zeigte sich jedenfalls nicht sonderlich begeistert. Viele lukrative Derbys würden nun wegfallen und den Talenten zwangsläufig weniger Mannschaften zur Verfügung stehen, in denen sie sich unterhalb der Bundesliga entwickeln könnten, monierte der Nachfolger von Heiner Brand.

Er sei auch zweigeteilt gewesen, erinnert sich Uwe Jungandreas. Einerseits versprach es eine sehr interessante Konstellation, andererseits seien einige Vereine noch nicht darauf vorbereitet gewesen. „Es war eine Saison mit vielen unterschiedlichen Mannschaften“, so der ehemalige DHfK-Cheftrainer. „Einige gingen das Ganze unter sehr professionell an, andere wiederum trainierten vielleicht viermal pro Woche.“ 

In Leipzig sei durchaus bereits unter gewissen Profibedingungen gearbeitet worden, oft wurde zweimal täglich trainiert. Das konnte auch organisiert werden, weil einige Spieler Studenten waren. Diejenigen, die einen festen Job hatten, konnten das nicht, Thomas Oehlrich zum Beispiel. Nicht immer gelang es, die Dienste des Kapitäns bei der Bereitschaftspolizei - dort war er angestellt - mit den Übungseinheiten in der Halle zu koordinieren

Wie auch immer, mischten die Sachsen in der neu formierten Liga als Aufsteiger kräftig mit. Die Grube-Halle war stets gut besucht, und meistens gingen die Besucher zufrieden nach Hause. Denn mit dem Abstiegskampf, der für einen Neuling nicht ungewöhnlich gewesen wäre, hatten die Männer von Jungandreas nie etwas zu tun. 

Im Gegenteil. Im letzten Drittel der Saison lagen sie sogar so aussichtsreich im Rennen, dass der Sprung auf Rang drei in Reichweite war, als der Rückstand teilweise nur drei Punkte betrug. Am Ende wurden die Leipziger respektabler Fünfter, vier Zähler lagen sie hinter dem Dritten TV Neuhausen, der nun neben Minden und Essen das Oberhaus in Angriff nahm. In der folgenden Spielzeit schaffte übrigens nur GWD Minden den Klassenerhalt in der Eliteorganisationen des deutschen Handballs. Womit einmal mehr deutlich wird, wie schwer es für die Aufsteiger stets ist, sich in diesem Feld zu behaupten.

Immerhin konnte der SC DHfK für sich in Anspruch nehmen, sich recht achtbar gegen die späteren Aufsteiger geschlagen zu haben - bis auf Minden. Die 31:41-Heimpleite gegen den GWD am 6. Spieltag war schon eine Ernüchterung, auswärts wurde ebenfalls klar mit verloren (21:30). Gegen Neuhausen wurde aber immerhin zweimal gepunktet (28:28 auswärts und 26:26 zu Hause), und Essen wurde in der Grube-Halle geschlagen (29:26).

„Ja, die Saison lief besser als erwartet“, sagt DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther rückblickend. „Wir hatten vor allem durch die ehemalige Delitzscher ein gutes Zweitliga-Team. Aber der Aufstieg wäre zu diesem Zeitpunkt ganz bestimmt zu früh gekommen. Es war abzusehen, dass es für uns dann sehr schwer werden würde.“ Der Etat lag damals etwas unter einer Million Euro, womit offensichtlich war, welche Anstrengungen es vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht noch kurzfristig bedurft hätte, um für die erste Liga gewappnet zu sein. 

Einen Vorgeschmack auf die Bundesliga gab es in dieser Saison allerdings auch, als die DHfK-Handballer erstmals in die große Arena Leipzig (inzwischen QUARTERBACK-Immobilien Arena) umzogen. Das Spiel gegen Schwerin am 16. März sollte vor möglichst großer Kulisse stattfinden und ein Höhepunkt werden. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass der SC DHfK für die kommende Saison seine bisherige Spielstätte verlassen und in der großen Halle am Waldplatz sein Quartier aufschlagen wollten. 

Auf ungeteilte Zustimmung stieß das Vorhaben nicht. Einige Fans meldeten Bedenken an, wollten lieber in der engen Halle der Sportfakultät bleiben. Auch Jungandreas gesteht, dass ihn damals durchaus Zweifel beschlichen. „Für das eine oder andere Spiel hätte ich mir das natürlich auch vorstellen können. Aber für immer die Grube-Halle zu verlassen, da hatte ich so meine Zweifel“, gesteht Jungandreas.

Die Partie gegen die Mecklenburger, die das Hinspiel gewonnen hatten, diente also als ein Test, der das gewünschte Ergebnis brachte. Nicht nur sportlich - es wurde 26:22 gewonnen -, sondern auch des erhofften Zuschauerzuspruchs wegen. Die Erwartungen hatten sich erfüllt. 6302 Fans saßen auf den Rängen, so viele wie noch nie bei einem Auftritt einer Leipziger Männer-Mannschaft. „Ein Highlight“, sagt Jungandreas.

Der Zuspruch konnte nur als Bekenntnis der Leipziger gewertet werden, dass sie sich neben den Frauen des HCL auch hochklassigen Männerhandball in ihrer Stadt wünschten. Die Stimmung an diesem Freitagabend war jedenfalls hervorragend, die Verantwortlichen fühlten sich mit ihren Plänen bestätigt.  „Wir wurden auch hervorragend unterstützt“, sagt Günther und verweist auf die Sponsoren, Radio PSR und die Leipziger Volkszeitung. 

Das Spiel selbst begann aus Sicht des Gastgebers zäh, erst im zweiten Durchgang konnte er sich vor der für ihn ungewohnten Kulisse durchsetzen. Vor allem dank der Paraden von Torhüter Michael Galia, der die Weichen Richtung Heimsieg stellte und natürlich entsprechend lautstark gefeiert wurde.

„Wir konnten nur in den ersten 35 Minuten mithalten“, lautete das Urteil des Schweriner Trainers, der speziell an dieser Spielstätte nur wenige Jahre später so von sich reden machen sollte. Sein Name: Christian Prokop. Seine heutige Funktion: Bundestrainer.

Übrigens, zur zweiten Liga gehörten bis zur Saison 2018/19 weiterhin 20 Teams, erst danach wurde sie auf 18 reduziert. „Wir haben uns damals als Aufsteiger schon sehr gut präsentiert“, so Jungandreas. Die Konkurrenz geizte nicht mit Lob und ahnte, dass die Sachsen noch von sich reden machen würden.                                                                                           

Autor: Winfried Wächter