Saison 2013/14

Ganz oben, von der Bildfläche verschwunden und eindrucksvoll zurückgekehrt - die Geschichte des DHfK-Handballs verlief vielfältig wie in kaum einem anderen Verein. Wir erinnern in dieser Serie an den Weg der Grün-Weißen, der lange Zeit zu Ende schien, bis 2007 der Neustart erfolgte und bis in die Bundesliga führte. Heute: Christian Prokops Einstand und die Deutsche Meisterschaft der B-Jugend

Der unvergessene Einstieg von Christian Prokop

In der Saison 2013/14 schaffte der SC DHfK fast den Aufstieg und feierte mit der B-Jugend den ersten großen Triumph der Vereinsgeschichte 

Es sollte ein sehr warmer Sonnabend Mitte Juli 2013 in Leipzig werden. Schon am Vormittag stieg das Thermometer über 20 Grad. Wer konnte, würde ganz bestimmt den Weg ans Wasser oder in den Schatten suchen.

Die DHfK-Handballer konnten das nicht, als sie sich zum ersten Training vor der neuen Saison einfanden. Christian Prokop, ihr neuer Trainer, hatte sie auf das Testfeld der Sportfakultät an der Jahnallee bestellt, dessen 400-m-Laufbahn in der prallen Sonne lag. Da gab es kein Entrinnen, nur kurze Pausen unter den Bäumen am Weg zum Haupteingang.

Prokop, damals 34 Jahre alt, war aus Essen gekommen und hatte seine neue Mannschaft zu einer Laufeinheit bestellt. Dass der Neue ein namhafter Trainer war, kann man nicht unbedingt sagen. Aber er galt in der Branche als sehr ehrgeizig. Das hatte ihn schon als Spieler ausgezeichnet, als er in der Bundesliga für Wuppertal und Minden in der Bundesliga im linken Rückraum agierte. Der ehemalige Köthener schaffte sogar den Sprung in die B-Nationalmannschaft. In einem Spiel gegen Ägypten riss er sich 1999 das Kreuzband. Das linke Knie und damit sein Sprungbein waren damit nicht mehr so belastbar wie erforderlich. War tat Prokop? Er schulte um, versuchte es als Linkshänder, weil in diesem Fall der Schwerpunkt auf dem rechten Bein liegt. Doch für die erste Liga reichte es trotz durchaus beachtlicher Fortschritte bei der Umstellung nicht. 

Prokop wurde Trainer, begann in Hildesheim mit Nachwuchsteams, arbeitete in Braunschweig in der Regionalliga und ab 2006 beim ATV Hannover Anderten. Unter seiner Amtszeit schafften die Niedersachsen den Aufstieg in die zweite Liga. Aus seiner Zeit in Magdeburg (2009 - 2011), wo er die zweite Mannschaft trainierte, kannte - und schätzte - ihn Stefan Kretzschmar. „Christian kämpfte immer für seine Mannschaft“, lautete das Urteil des damaligen SCM-Sportdirektors und nunmehrige DHfK-Aufsichtsrat. „Wir kannten Christian schon eine ganze Weile“, erinnert sich der frühere DHfK-Manager Maik Gottas. „Wie haben seinen Weg immer aufmerksam verfolgt. Er stammt aus der Region, wir kannten vor allem auch seinen Vater in Köthen und haben uns für Christian entschieden, weil er nach unserer Meinung hervorragend zu uns passen würde.“ 

Die DHfK-Verantwortlichen hatten sich bekanntlich nicht getäuscht, wenngleich die Spieler an jenem heißen Juli-Tag bei der ersten Trainingseinheit nicht gerade vor Freude in die Luft sprangen, als sie erfuhren, was bei dieser Premiere auf sie zukommen würde. 8x1000 m galt es zu absolvieren. „Das", sagt Philipp Weber, „vergisst du dein Leben nicht."

Auch er war neu aus Magdeburg gekommen, wo die Konkurrenz für den jungen Mann in der ersten Mannschaft sehr groß war. Verpflichtet wurden ebenfalls Bastian Roscheck, Maximilian Jonsson und Torhüter Henrik Ruud Tovas. Kurze Zeit später stieß noch Alen Milosevic dazu. Der Kader schien stark genug, um nach der vorherigen Zittersaison eine gute Rolle in der zweiten Bundesliga spielen zu können. Doch der sofortige Aufstieg wurde von Prokop und seinem Co-Trainer André Haber nicht verlangt. Es sollte nichts überstürzt werden.

Die Spielzeit begann durchaus vielversprechend, und eine Weile sah es auch so aus, als ob Prokop schon in seinem ersten Jahr in Leipzig der Aufstieg gelangen könnte. Die Mannschaft hatte sich zusammengefunden - und auch einen Aufreger gut überstanden. Anfang Dezember trennte sich der Verein von Philipp Seitle, ihm wurden Disziplinlosigkeiten vorgeworfen. Alen Milosevic und Philipp Weber waren mit einer Verwarnung davongekommen. Dieser Schritt war den Verantwortlichen nicht leicht gefallen. Denn Seitle war nicht nur sportlich wertvoll, in den wichtigen Partien am Ende der vorherigen Saison hatte er wesentlich zum Klassenerhalt beigetragen. Auch stand er beim Publikum hoch im Kurs, viele Fans trugen das Trikot mit seinem Namen auf dem Rücken. Unter anderem Timo Röttger, seinerseits Publikumsliebling bei den damals noch drittklassigen RB-Fußballern. Röttger saß so oft es ging auf der Tribüne, stets im DHfK-Outfit.Die Grün-Weißen lagen in der Endphase im engen Vorderfeld zeitweise auf einem Abstiegsplatz.  Insbesondere der 28:27-Sieg am 25. Spieltag in Bad Schwartau ließ Hoffnungen aufkommen. Prokop sprach anschließend von der besten Saisonleistung. Die Träume platzten erst in der vorletzten Partie in Aue, als 24:25 verloren wurde. Am Ende landete der SC DHfK auf Rang fünf, mit nur zwei Punkten Rückstand auf den dritten Rang und damit auf einen Aufstiegsplatz. „Wir brauchen noch zwei, drei Jahre“, sagte Prokop nach der Niederlage in Aue - und sollte sich bekanntlich irren.

Grund zur Freude hatte er Anfang Februar, als seine Mannschaft im Rahmen des Allstar Games in Leipzig die B-Nationalmannschaft 33:31 bezwang. Dieses Ergebnis ist insofern bemerkenswert, als auf der Gegenseite viele Spieler standen, die heute im deutschen Handball eine überaus wichtige Rolle spielen.

Einen großen Erfolg, streng genommen seinen ersten ganz großen, feierte der SC DHfK zum Ende der Saison. Am 1. Juni  2014 gewann die B-Jugend des Vereins die Deutsche Meisterschaft. Bei der Endrunde in Großenhain schlug das Team von Trainer Matthias Albrecht im Finale die Füchse Berlin 25:21. Tags zuvor war im Halbfinale der VfL Gummersbach 25:23 nach Verlängerung bezwungen worden. „Der absolute Höhepunkt unserer jungen Vereinsgeschichte“, applaudierte Geschäftsführer Karsten Günther. Wie alle seine Mitstreiter hatte er von Anfang an großen Wert auf die Arbeit mit dem Nachwuchs gelegt und konnte sich nun erstmals (aber nicht letztmals) bestätigt fühlen.

Autor: Winfried Wächter