Saison 2014/15

Ganz oben, von der Bildfläche verschwunden und eindrucksvoll zurückgekehrt - die Geschichte des DHfK-Handballs verlief vielfältig wie in kaum einem anderen Verein. Wir erinnern in dieser Serie an den Weg der Grün-Weißen, der lange Zeit zu Ende schien, bis 2007 der Neustart erfolgte und bis in die Bundesliga führte. Heute: Der Aufstieg in die erste Liga und die Deutsche Meisterschaft der A-Jugend

Leipzig wird erstklassig

Die Spielzeit 2014/15 endet mit dem souveränen Aufstieg des SC DHfK in die Bundesliga 

 Die Saison 2014/15, die in einem großen Freudentaumel endete, begann mit einem Novum. Innerhalb von drei Tagen traf der SC DHfK zweimal auf TV Bittenfeld. Die Stuttgarter waren den Sachsen in der ersten Runde des DHB-Pokals zugelost worden, danach mussten sie zum Auftakt der zweiten Liga am 23. August erneut in Leipzig antreten. Die Ansetzung versprach viel Spannung, denn in der Spielzeit zuvor hatten beide Teams den Aufstieg ins Oberhaus als Vierter (Bittenfeld) beziehungsweise Fünfter (DHfK) nur knapp verpasst.

Die erste Begegnung in der Grube-Halle der Sportfakultät verlief ausgeglichen, der Gastgeber konnte sich mit viel Mühe 27:25 durchsetzen und den Einzug im die zweite Pokal-Runde bejubeln. Die Zweitauflage in der Arena endete etwas deutlicher. Die Männer von Christian Prokop gewannen 23:19, setzten damit das erste Achtungszeichen gegen einen Mitfavoriten und zeigten, dass sie um die ersten drei Plätze mitspielen konnten. Der Aufstieg sei kein Muss, aber ein Kann, hatte Prokop vor dem Auftakt erklärt. 

Die Zurückhaltung des Cheftrainers war sicher auch der Tatsache geschuldet, dass sich das Team sehr verändert hatte. Torhüter Felix Storbeck, Michael Qvist, Philipp Pöter, Sebastian Greß und Marc Pechstein waren hinzugekommen, später noch der Magdeburger Max Janke. Prokop konnte also nicht unbedingt erwarten, dass die Leipziger die Liga angesichts der vielen personellen Veränderungen beherrschen würden. Zumal es auch Ausfälle zu verkraften galt. Qvist zum Beispiel fehlte nach seiner schweren Knieverletzung aus dem ersten Spiel fast neun Monate und kehrte am Ende der Saison vorzeitig in seine dänische Heimat zurück.

Ein weiterer Neuling tauchte am 6. Spieltag gegen Bad Schwartau auf, der SC DHfK hatte ab sofort ein Maskottchen. Genauer gesagt einen Schneeleopard, für den zunächst noch ein Name gesucht wurde und der schließlich BalLEo getauft wurde. Dieses Tier stünde für Dynamik, Schnelligkeit und Kraft, begründete Geschäftsführer Karsten Günther die Wahl eines Panthers. „Alles Eigenschaften, die auch gute Handballer auszeichnen.“ Der Neue feierte einen gelungenen Einstand, die Gäste wurden 33:27 bezwungen, und der Saisonstart der Leipziger wurde immer beeindruckender.

 

Doch auch nach acht Siegen in Folge winkte Prokop weiter ab, wenn er nach den Aufstiegszielen befragt wurde. Auch die anderen Verantwortlichen hielten sich mit entsprechenden Aussagen zurück. „Da war ein gewisses Understatement dabei, denn nach den guten Leistungen der Vorsaison mit Platz 5 hatten wir uns schon den Aufstieg vorgenommen, ohne ihn aber als das große Ziel zu formulieren“, sagt Günther im Rückblick. „Es konnte ja immer etwas Unvorhersehbares passieren.“

Das passierte auch, denn die Niederlage in Saarlouis kam völlig unerwartet. Günther war nicht mit vor Ort, sondern versuchte zur gleichen Zeit beim Leipziger Opernball neuen Sponsoren zu gewinnen, er war überrascht und enttäuscht. Dieses Spiel hatte bestätigt, dass viele Stolpersteine lauerten.

Prokop handelte, machte danach Lukas Binder anstelle von Thomas Oehlrich zum Kapitän. Nicht, dass sich Oehlrich etwas zu Schulden hätte kommen lassen. Doch als Bereitschaftspolizist konnte er nicht bei jedem Training dabei sein, auch sein Einsatz in Punktspielen war mitunter fraglich. „Das hat mich natürlich überrascht“, erinnert sich Binder, „denn ich war mit 22 Jahren ja noch sehr jung. Und da war entsprechend manchmal doch viel Respekt dabei, wenn es darum ging, mit den Verantwortlichen zu reden.“

Der Aufstieg des SC DHfK geriet jedenfalls nicht mehr in Gefahr, Niederlagen gab es nur nur noch in Eisenach, Hamm und Bittenfeld sowie zu Hause gegen Nordhorn. Am 8. Mai 2015 wurde mit dem 31:26-Sieg gegen Hildesheim sechs Spieltage vor dem  Abschluss der Sprung ins Oberhaus des deutschen Handballs gefeiert. „Auch wenn wir so lange an der Spitze lagen, haben wir uns enorm gefreut, als wir es endlich geschafft hatten“, sagt Binder und weiß noch gut, wie es anschließend im offenen Bus über den Innenstadtring bis zur „Vodkaria“ ging. „Damals haben sich viele gefragt, wer die denn sind, die da so laut singen und jubeln“, so Binder. „Uns kannten ja noch nicht viele.“ 

Die Vorhersagen der Konkurrenz hatten sich bewahrheitet. Von allen Gegnern war das Prokop-Team vor dem Auftakt als Aufstiegsfavorit genannt worden. Zu Recht, wie sich zeigte.  Nach der letzten Partie, dem 29:20-Sieg gegen Hüttenberg, hatte die Mannschaft ein Punktverhältnis von 62:14 und somit die beste Bilanz eines Tabellenersten der zweiten Liga seit der Einführung der Eingleisigkeit 2011/12.

 

Was demnächst auf sie zukommen würde, bekamen die Binder & Co im März zu spüren, als sie im Pokal-Viertelfinale die Füchse Berlin empfingen, nachdem zuvor noch Hüttenberg und Balingen ausgeschaltet worden waren. Mit einem weiteren Sieg wären sie ins Finale Four nach Hamburg gefahren. Dazu kam es nach der 19:29-Niederlage nicht, aber auch da verkaufte sich der Primus der zweiten Liga gut und ließ ahnen, dass er das Projekt Bundesliga sehr ehrgeizig und ambitioniert angehen würde.

Besonderen Grund zur Freude hatte am Ende der Saison Franz Semper. Da damals 17-Jährige war nicht nur wesentlich am ersten Tabellenplatz in der zweiten Liga und damit am Aufstieg beteiligt, sondern auch am deutschen Meistertitel der A-Jugend. Am Pfingstsonntag standen die Jungs des Trainergespanns André Haber/Matthias Albrecht vor der schwierigen Aufgabe, eine Sechs-Tore-Niederlage aus dem Finalhinspiel in Wetzlar (26:32) zu korrigieren. Und die 1500 Zuschauer in der Arena erlebten ein kleines Handball-Wunder, sorgten für eine großartige Kulisse und konnten am Ende den Titel bejubeln. Bester Werfer der Sachsen war ihr Kapitän Jonas Hönicke mit neun Treffern.

Karsten Günther hatte nie daran gezweifelt, dass seinen Talenten das Kunststück gelingen würde. Deshalb lagen nach dem Abpfiff auch schon die Meister-Trikots bereit.             

Autor: Winfried Wächter