Das Tagebuch: Der DHfK-Nachwuchs in Israel
Die Jahrgänge 2001 und 2002 der SC DHfK Handball-Akademie zu Gast im Nahen Osten. Diese Maßnahme wurde gefördert aus KJP-Mitteln über das BMFSFJ und ConAct

1. Tag | Freitag, 22.06.2018

Heute war unser Anreisetag in Israel. Um 3:00 morgens ging es für die Spieler der B-Jugend mit dem Bus los von Leipzig zum Flughafen nach Berlin. Von dort aus ging es weiter mit dem Flugzeug nach Tel-Aviv. Dort wurden wir von den israelischen Freunden in Empfang genommen und wir wurden in unser Hostel begleitet. Dort wartete gleich ein erstes israelisches Essen auf uns, was wir sichtlich genossen. Im Anschluss durften wir unseren Zimmer beziehen und eroberten in ersten Zügen gemeinsam das Gelände, bevor wir eine offizielle in den Programmablauf der Woche erhielten, um dann schon von den israelischen Gastfamilien abgeholt zu werden. Den Abend verbrachten wir jeweils zu zweit in Gastfamilien, wo wir sehr herzlich und familiär willkommen geheißen wurden. Es wurden Unmengen an israelischen Köstlichkeiten aufgetischt und wir verbrachten einen schönen Abend bei Gesang, sportlichen Aktivitäten und gemeinsamen Gesprächen. Somit konnte jeder von uns einen tollen Einblick in die israelische Gastfreundschaft und Kultur bekommen. In den kommenden Tagen warten dann noch viele weitere gemeinsame Aktivitäten.

2. Tag | Samstag, 23.06.2018

Nach unserem ausreichenden Frühstück saßen wir gemeinsam mit den Jungs zusammen und haben uns über landestypische Feste ausgetauscht. Somit konnten wir einiges über die kulturellen Gegebenheiten und Festen kennenlernen (siehe Bericht 1). Im Anschluss haben wir dann ein gemeinsames, interkulturelles Training mit der Mannschaft aus Herzliya durchgeführt, dabei konnten wir ein paar unserer Trainingsinhalte den Jungs von Bnei Herzliya näherbringen – die Trainer aus Deutschland mixten die Teams und führten unzählige Trainingsteile durch, in den wir uns in verschiedenen Sprachen verständigten und so auch immer näher rückten. Nach dem Training ging es zu einem landestypischen Picknick in den Park, wo uns die einheimischen Familien mit selbstgemachten Falafel verwöhnten. Zugleich wurde die Zeit genutzt, um gemeinsam Fußball und Football zu spielen. Anschließend hatten wir eine kleine Mittagspause in unserem Hostel. Von dort aus ging es zum Leistungsvergleich gegen die U17 Nationalmannschaft von Israel. Nach umkämpften 60 Minuten konnten wir dieses Spiel mit 31:27 gewinnen. Gut gelaunt ging es anschließend in einen nahegelegenen Burgerplace, um gemeinsam das Deutschlandspiel der Fußball-Weltmeisterschaft zu schauen. Bei Fastfood und kalten Getränken konnte dort der Sieg, mit großartigem Tor von Toni Kroos in der Nachspielzeit bejubelt werden. Darüber hinaus hatten wir Gelegenheit, uns über das jüdische Sportleben in Leipzig auszutauschen. Somit ging der zweite sehr erlebnisreiche Tag in Israel zu Ende.

3. Tag | Sonntag, 24.06.2018

Der Tag begann heute wieder mit einem leckeren und reichhaltigen Frühstück in unserer Unterkunft. Anschließend sind wir mit einem Bus zum weitläufigen und fast menschenleeren Strand von Herzliya gefahren und haben dort die Zeit bis zum Nachmittag verbracht. Gestartet sind wir mit einem Beachhandballturnier, wo wir in gemischten Teams ein Turnier gespielt haben. Zwischendurch gab es immer wieder Abkühlungen in Form von Melone, Eis und kalten Getränken. Nach der sportlichen Aktivität wurde die restliche Zeit ausgiebig genutzt, um sich in die teilweise recht hohen Wellen des Mittelmeers zu stürzen. Danach ging es hungrig zum Sporttech Herzliya, wo es wieder reichhaltiges, israelisches Essen gab. Daraufhin ging es in das angrenzende Schwimmbad, wo wir die Sonne im Pool und auf Liegen genossen haben. Interessierte konnte sich das Länderspiel des U21-Teams gegen die Slowakei anschauen, bevor es dann Abendessen gab. Im Anschluss haben wir in gemixten Teams einige lustige Gruppenspiele gemacht, wo wir mit unseren israelischen Freunden einen geselligen und gemütlichen Abend verbracht haben.

4. Tag | Montag, 25.06.2018

An einem sonnigen Montagmorgen starteten wir den Tag um 8.30 Uhr mit dem leckeren Frühstück. Anschließend beschäftigten wir uns gemeinsam vorbereitend auf den Ausflug ins Holocaust- Museum und wurden sensibilisiert auf das, was dort auf uns zukommen wird (siehe Bericht 2). Danach hatten wir ein wenig Freizeit, um auch in uns gehen zu können und diese schwere Thematik zu verarbeiten. Anschließend ging es zum Mittagessen, bevor wir von der Unterkunft  abgeholt und an den Hafen von Herzliya gefahren wurden. Aufgeteilt auf große Segelboote ging es zu einer zweistündigen Tour auf das Mittelmeer. Der leichte Wellengang bereitete einigen Spielern heftige Übelkeit. Auf hoher See wurde Halt gemacht und die Zeit wurde zum Baden genutzt. Nach dem wir wieder im Hafen angelegt haben, ging es gleich in das angeschlossene Wassersportzentrum. Dort wurden wir mit Schwimmwesten ausgestattet und es ging mit Zwei- und Einerkajaks wieder auf das Mittelmeer. Nach einer einstündigen Tour bei einigem Wellengang und viel Sonne hatten wir noch eine Stunde zur freien Verfügung in Herzliya am Hafen. Danach ging es zum landestypischen Abendessen und es blieb noch etwas Zeit für eine entspannte Runde an den Pool. Dort haben wir interkulturelle Wasserspiele gemacht, bevor der lange Abend dann langsam ausklang.

5.Tag | Dienstag, 26. Juni 2018

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg in das kulturelle Epizentrum des Landes, Jerusalem. Aufgrund des Besuchs von Prinz William konnten wir leider erst später als geplant in das Museum. Eine mehrstündige Führung durch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ermöglichte allen Beteiligten interessante und tiefgründige Einblicke in diese sensible Thematik aus einer ungewohnten Perspektive. Voll mit dem aufgesaugten Wissen ging es für unsere Reisegruppe auf den Rückweg nach Herzliya, wo wir uns das israelische Pendant zum Döner, dem sogenannten Shawarma im Hostel schmecken ließen. Im Anschluss ging es zum zweiten Freundschaftsspiel gegen die israelische Jugendnationalmannschaft des Jahrgangs 2001, welches wir mit 33:30 für uns entscheiden. Nach dem Spiel hielt Daniel einen Vortrag über das Leben einen jungen Leistungssportlers in der Armee (siehe Bericht 3). Zum Abschluss verbrachten wir mit unseren israelischen Freunden einen lustigen und gemütlichen Abend. Am nächsten Morgen wartete dann noch ein Ausflug zum Toten Meer auf uns, was sicher auch noch einmal ein spannendes Erlebnis werden sollte.

6. Tag | Mittwoch, 27. Juni 2018

An unserem letzten Tag in Israel reisten wir bereits in den frühen Morgenstunden an den tiefsten begehbaren Ort der Erde: dem Toten Meer! 8:30 Uhr starteten wir mit dem Bus und nach ca. 1,5 Stunden fuhren wir in der Nähe von Jordanien durch das beeindruckende Gebirge weiter bis wir das Tote Meer auf 450 Meter unter dem Meeresspiegel erreichten. Am Wasser angekommen sprangen alle in das nicht all zu kühle Nass. Durch den extrem hohen Salzgehalt im Wasser konnte man nicht untergehen, sich einfach ganz bequem auf der Wasseroberfläche treiben lassen und die Sonne genießen. Außerdem konnte man sich mit dem dort vorhandenen Matsch eincremen, welcher gut für die Haut ist. Danach fuhren wir am Toten Meer weiter vorbei an hohen Felswänden und erreichten nun ein landestypisches Lokal wo man traditionell auf dem Boden saß. Zur landestypischen Atmosphäre gab es nun auch traditionelle Gerichte wie Falafel mit Pitabrot und verschiedenen Salaten sowie gegrilltes Fleisch an langen Spießen. Diese Mahlzeit gab uns noch einmal einen hervorragenden Einblick in die kulinarischen Köstlichkeiten des Landes. Frisch gestärkt ging es auf die zweistündige Rückfahrt in Richtung Unterkunft. Dort haben wir das bittere Ausscheiden der Deutschen Nationalmannschaft auf einer Großbildleinwand verfolgen müssen. Am Abend stand dann die abschließende Poolparty mit unseren israelischen Freunden auf dem Programm. Wir nutzten sogleich die Möglichkeit, um uns mit kleinen Präsenten von ihnen zu verabschieden. Somit gingen leider sechs sehr ereignisreiche Tage in  einem tollen Land zu Ende, in denen wir unheimliche viele Erfahrungen sammeln konnten und Israel mit sämtlichen Facetten kennenlernen durften. Aber auch viele Freunde kennengelernt haben.

7. Tag | Mittwoch, 27.06.2018

Am Abreisetag stand das letzte Frühstück 8:30 Uhr an. Im Anschluss haben sich alle Jungs nochmal verabschiedet und  wurden mit dem Bus zum Flughafen gebracht. Nach einer kurzen Befragung könnten wir auch in unser Flugzeug einsteigen. Mit etwas Verspätung erreichten wir gegen 22:30 Uhr Leipzig und es gingen sieben tolle Tage zu Ende und wir freuen uns, dass unsere Freunde im August in Leipzig begrüßen zu dürfen.

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Bericht 1: Typische Feste in Israel

In gemeinschaftlicher Runde saßen wir mit den Israelis zusammen und haben uns gegenseitig über die typischen Festlichkeiten des jeweiligen Landes ausgetauscht. Das ermöglichte viele interessante Einblicke in die jeweilige Kultur. Hauptaugenmerk legten die Israelis vor allem auf drei Feste, die für sie eine sehr große Bedeutung im Jahresverlauf haben. Das sind zum einen Chanukka, Pessach und Rosch ha-Schana.

Das Jahr beginnt in Israel mit dem Rosch ha-Schana Fest, welches mit Silvester bei uns gleichzusetzen ist. Übersetzt bedeutet es das Haupt des Jahres. Laut einer religiösen Überlieferung wird dieses Fest als Neujahrstag festgelegt und legt den Zeitpunkt für die Berechnung der Kalenderjahre fest.

Als zweites wichtiges Fest wurde uns Chanukka näher gebracht. Chanukka bedeutet auch Weihung oder Einweihung. Uns wurde als jüdisches Lichterfest beschrieben, welches jährlich über acht Tage gefeiert wird. Diese Festlichkeit wird zu Ehren der Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem gefeiert. Chanukka startet immer am 25. Tag des Monats Kislew.

Das dritte Fest ist Pessach. Dieses gehört zu den wichtigsten Festen des Judentums. Pessach erinnert an die Befreiung aus der Sklaverei, als die Israelis aus Ägypten ausgewandert sind. Das Fest wird von den Juden zwischen dem 15. und 22. Nisan gefeiert und stellt ein großes Familienfest dar. Dabei wird eine Woche lang ungesäuertes Brot gegessen. Des Weiteren gibt es noch viele weitere Feste die in Israel gefeiert werden. Zugleich nutzten wir auch die Möglichkeit den Israelis einiges über unsere Feste zu erzählen. Beispielsweise wie wir Weihnachten feiern, wie der Jahreswechsel (Silvester) von statten geht und wie bei uns das Fest Ostern begangen wird. Für alle war sehr interessant wie unterschiedlich in den Ländern gefeiert wird. Diese Veranstaltung gab in lockerer Runde einen tollen Einblick in die unterschiedlichen Kulturen.

 

Bericht 2: Das Holocaust Museum Yad Vashem

Die lange und sehr interessante Tour des Holocaust Museum (Yad Vashem) begann an der Allee der Gerechten. An diesem Weg wurden Menschen die das Risiko eingegangen sind Juden während der NS-Zeit zu helfen, ohne dabei Vorteile zu erhalten geehrt. Nach Anerkennung als Gerechter (derzeit gibt es ca. 20.000) wird man in Form eines Baumes an diesem Weg in Yad Vashem geehrt, versehen mit einer Tafel. Anschließend begann eines der spannendsten, wenn nicht sogar das spannendste Ereignis der Woche, und zwar die Führung durch das Museum. Das Museum ist unterirdisch als langer Gang mit verschiedenen Nebenräumen aufgebaut, so dass man permanent das Ende vor Augen hat. Zu Beginn der Führung wurde das Leben der Juden vor der NS-Zeit anhand von Bildern und Videos dargestellt, damit man einen Eindruck bekommt wie integriert die Juden in die Gesellschaft in Europa waren. Es zeigte sich gleich zu Beginn, dass die Ausstellung einen chronologischen Verlauf nehmen wird. Nach und nach wurde anhand von originalen Bildmaterialien und Gegenständen die Geschichte erzählt, wie die Juden nach der Machtergreifung von Hitler anfänglich erst diskriminiert und schikaniert wurden und im weiteren Verlauf immer weiter aus dem Gesellschaftsleben entfernt wurden. Ihnen wurde beispielsweise die Berufserlaubnis entzogen oder Untersagt in Sportvereinen Mitglied zu sein. In den Städten wurden sie immer weiter separiert. Nach dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs begann man dann vermehrt mit der Deportation von Juden und der Errichtung von sogenannten Ghettos. Zuerst wurde dieses Vorgehen in den östlichen Großstädten wie Warschau benutzt, da dort sich der größte Teil der Juden befanden. Diese Ghettos wurden nach einer Zeit auch in westlichen Großstädten errichtet, aber dennoch waren die Methoden der Isolation in den westlichen Großstädten im Vergleich zu den östlichen deutlich humaner und weniger radikal. Vor allem in den osteuropäischen Städten herrschten in den Ghettos katastrophale Zustände mit großer Hungersnot. Nach einiger Zeit wurden die Juden aus den Ghettos in Konzentrationslager deportiert, diese Konzentrationslager waren zuerst aber noch klein und provisorisch angelegt.

Nach zahlreichen Aufständen und Ausbrüchen beschloss das NS-Regime diese Lager zu schließen und eröffnete neue größere Arbeitslager wie zum Bespiel das sehr bekannte Arbeitslager Auschwitz. In diesen Konzentrationslagern wurden unzählige Menschen auf grausame Art und Weise vergast. Zum Ende des zweiten Weltkrieges wurden diese Lager von der roten Armee befreit, die mit den dort vorherrschenden Umständen vollkommen überfordert waren.

Den Abschluss der Führung bildet dann die „Hall of names“. Dies war der emotionalste Punkt der unglaublich interessanten und aufregenden Tour durch das Museum. In einer Kuppel waren viele kleine Bilder von den getöteten Juden angebracht. Außerdem befanden sich unzählige Aktenordner in der Halle, mit den Informationen und Namen der getöteten Juden während der NS-Zeit. Wie schon gesagt war diese Tour durch das Museum sehr spannend, da sie diesen Teil der Geschichte sehr anschaulich und emotional aus Sicht der Opfer widerspiegelt.

 

Bericht 3: Alltag eines Nationalspielers von Israel

Unser dritter Workshop beinhaltete ein Treffen mit einem Handballspieler aus dem Jahrgang 1999, welcher allerdings gleichzeitig in der Israelischen Armee dient. Er brachte uns seinen Alltag nahe, dieser startet frühs mit Training, nach diesem geht er zur Arbeit in die Armee, in der er eher Büroarbeiten zu erledigen hat, weil er in eine besondere Gruppe von Soldaten integriert ist, am Abend steht bei ihm dann wiederum Training auf dem Plan. Er erzählte uns neben seinem Alltag, auch seine Geschichte wie er zu dem wunderbaren Sport Handball gekommen ist. Es war eine sehr interessante Begegnung da dies nicht üblich in Deutschland ist, dass man zur Armee muss. Es waren sehr viele interessante Einblicke in das Leben eines aufstrebenden jungen Handballspieler, welcher seine Liebe zum Handball mit seiner Pflicht zur Armee zu gehen in einem Tag vereint, um somit in seiner Zukunft weiterhin Handball auf einem guten Niveau spielen kann!