Handball-Werbung mit dem Quickstep

Die DHfK-Kolumne vor dem Heimspiel gegen den BHC

Foto: Facebookseite von Pascal Hens (TVNOW/ Stefan Gregorowius)

Vor einigen Wochen, es war ein Freitagabend, wollte meine Frau von mir wissen, was ich Pascal Hens denn so zutrauen würde. Sie sieht oft die RTL-Sendung Let's Dance, während ich dann daneben sitzend Zeitung lese oder irgendetwas im Internet suche. Als ob ich mich in diesem Metier auskennen würde. Durch die Frage bekam ich erst mal mit, dass Hens bei diesem Wettbewerb überhaupt antritt, schaute kurz auf und prognostizierte, er habe hier keine Chance, um mich wieder in die Zeitung zu vertiefen. Wieso das denn?, wollte sie natürlich näher erklärt haben, und ich setzte ihr fachmännisch auseinander, dass Hens natürlich ein hervorragender Handballer gewesen wäre, seine Stärken aber vor allem im Angriff gelegen hätten, während er in der Abwehr meistens vorsichtshalber auf die Bank beordert wurde. Ich fasste kurz zusammen: „Gute Abwehrspieler sind vor allem sehr schnell auf den Beinen, und weil er kein guter Abwehrspieler war, kann er auch kein guter Tänzer sein."


So oder so ähnlich hatte ich es vor ewiger Zeit mal gehört und ging davon aus, dass diese These noch immer stimmen und ich daher mit meiner Vorhersage richtig liegen und bei meiner Frau Punkte sammeln würde.


Bekanntlich ist das Gegenteil eingetreten. Der 2,03 m große Modellathlet räumt mit seiner Partnerin Ekaterina Leonova regelmäßig ab, koordiniert seine Bewegung perfekt und erhält Höchstoten von Motsi Mabuse und Jorge González. Selbst der sonst so strenge Joachim Llambi ist aus dem Häuschen und zückt die Höchstnote 10. Und ganz nebenbei betreibt Hens Werbung für den Handball. Gerade beim Quickstep kamen Erinnerungen an ganz erfolgreiche Zeiten auf, als das Paar im Trikot der Nationalmannschaft nach dem Höhner-Song „Wenn nicht jetzt, wann dann?" die langen Beine eindrucksvoll schwang, sogar Handball-Elemente einbaute und eine Stimmung wie 2007 erzeugte, als in Köln mit „Pommes" im linken Rückraum der WM-Titel geholt wurde. Viel Besseres kann diesem Sport jedenfalls nicht passieren, als dass einer seiner Protagonisten auf diese Art und Weise für Furore sorgt und ein Publikum erreicht, das sich dadurch mehr und mehr für ihn und damit vielleicht für Handball und das aktuelle Geschehen in der Bundesliga interessiert. Schlecht wäre das nicht, nachdem der deutsche Handball erneut einen (freilich nicht ganz unerwarteten) Dämpfer erhalten hat, da durch das Aus der Flensburger im Viertelfinale der Champions League zum dritten Mal in Folge keine DHB-Mannschaft im Finale Four der Königsklasse in Köln vertreten ist.


Ansonsten gibt es durchaus gute Gründe, das Handball-Geschehen zu verfolgen. Die  Meisterschaft ist noch nicht entschieden, die Absteiger stehen noch nicht fest. Auch das Rennen um die internationalen Startplätze, wofür bleibt spannend - vor allem dank des Bergischen HC, der am Samstagabend in Leipzig antritt.


Es kommt ein Team, das die Etablierten regelmäßig geärgert, das seiner letzten sieben Spiele gewonnen und somit sogar den Start im EHF-Cup vor Augen hat. Nur der THW Kiel hatte sich als zu stark erwiesen, was bekanntlich keine Sensation ist. Sensationell ist eher, dass der Aufsteiger (!) bis in die Endphase der Saison im Vorderfeld mitmischt. Der BHC ist für mich, kurz gesagt, die momentan interessanteste Mannschaft der Bundesliga und wird in der Arena natürlich versuchen, seiner eindrucksvollen Bilanz ein weiteres Kapitel hinzuzufügen.


Wie sie das machen? In erster Linie mit einem kämpferischen Einsatz, der über jeden Zweifel erhaben ist. Und mit einer Geschwindigkeit nach vorne, die begeistert. Es sei einfach großartig, was der Bergische HC aus seinen Möglichkeiten mache, lobte zuletzt Heiner Brand bei Sky. Der Club käme in einem Spiel zwar auch an seine Grenze, finde aber immer wieder Lösungen und gebe nie auf. Wer soll das besser wissen als Brand, der als Spieler und Trainer Weltmeister wurde?
Ach ja, ob Brand auch ein guter Tänzer ist, weiß ich nicht und werde nach meiner fatalen Hens-Prognose lieber nicht spekulieren. Auch wenn klar ist, dass Brand einer der besten Abwehrspieler der Welt war.

Erstellt von Winfried Wächter