„Her mit der Halle!"

Die DHfK-Kolumne vor dem Heimspiel gegen Lemgo

Natürlich habe ich nicht die ganze Halle befragt, also bei weitem nicht jeden der 3927 Zuschauer, die jüngst beim Spiel gegen Hannover in der Arena waren. Lediglich sechs, sieben dürften es ehrlich gesagt gewesen sein. Womit das einhellige Ergebnis meiner Befragung natürlich alles andere als repräsentativen Charakter aufweist. Also bitte das Ganze im weiteren Verlauf mit der entsprechenden Vorsicht bewerten.

Ich hatte wissen wollen, was denn so über die neuen Leipziger Hallenpläne gedacht wird - und auch eine gewisse Portion Skepsis erwartet. Weil, die jetzige Spielstätte ist ja nicht so schlecht, die Zuschauerkapazität in eigentlich jedem Falle ausreichend und die Atmosphäre doch großartig. So ungefähr lauteten meine Bedenken, als ich vom Vorhaben der Stadt erfahren hatte, eine neue Halle für 10000 Zuschauer zu bauen. Und was das alles kostet! Nicht nur der Neubau, der mit 70 Millionen Euro veranschlagt ist und von der Kommune, Land und Bund aufgebracht werden soll. Sondern auch die Unterhaltung. Ob da wirklich regelmäßig so viele Fans kommen, damit das neue Domizil eine richtige Festung wird?

Ich hatte mich getäuscht. Selbstverständlich müsse die Chance genutzt werden, wenn sich die Möglichkeit für den Bau einer solchen Halle biete, so der allgemeine Tenor. Wo denn während der WM im Januar gespielt würde, wurde ich gleich gefragt. In Leipzig doch wohl nicht. Aber für die EM 2024, für die Deutschland den Zuschlag erhalten hat, wäre dann eine Voraussetzung gegeben, sollte die neue Halle bis dahin stehen. Und das soll sie, wenn es mit dem Bau wie geplant zügig losgeht. Fünf Jahre sind dafür vorgesehen, es könnte also reichen, und die EM wäre als Eröffnung eine lohnenswerteres Ziel. Dann würde sich Leipzig zu München, Berlin, Hamburg, Köln, Hannover und Mannheim gesellen, die mit ihren großen Tempeln bisher als Spielorte vorgesehen sind und mit denen die Sachsen bislang nicht konkurrieren können.

Meine Gesprächspartner kannten die meisten der angeführten Hallen, unter anderem hatten sie im April 2017 die DHfK-Handballer beim Finale Four in Hamburg angefeuert und waren im März mit dem Sonderzug nach Mannheim gefahren, als in der SAP-Arena das Pokal-Viertelfinale gegen die Rhein-Neckar Löwen verloren wurde. „Wir haben mit großen Augen dagestanden und gestaunt, was das für Dimensionen sind", sagte Hans-Peter Zugehör, einst ein sehr passabler Linksaußen im SCL-Nachwuchs mit mehreren Junioren-Länderspielen und später bei den LVB-Handballern eine wichtige Stütze, und fügte rhetorisch hinzu: „Warum soll es so etwas in Leipzig nicht geben?" Lothar Doering, Olympiasieger von 1980, und Dietmar Niemann, einst Oberliga-Spieler beim SC Leipzig und in Dessau, sahen das ebenso und sagten unisono: „Her mit der Halle!" Für den Handball in der Stadt könne das nur gut sein.

Gegen die jetzige Arena haben sie nichts, abgesehen davon, dass ihnen die lange Pause von Dezember bis März zu lange dauert, wenn die Halle den Leichtathleten vorbehalten ist. Und dass es langsam peinlich wird, wenn bei starkem Regen immer wieder Wasser durch das Dach auf das Spielfeld tropft und den Wischern Höchsteinsatz abverlangt wird. Klar, die Stimmung sei großartig. Was auch die Gäste stets betonen, wenn sie nach dem Abpfiff zu ihren Eindrücken befragt werden. Es kann kein Zufall sein, dass die Grün-Weißen acht ihrer neun Pluspunkte in der aktuellen Spielzeit zu Hause holten.

Zuletzt trugen auch die Fans der IceFighters dazu bei, die gewissermaßen ein Gastspiel bei den Handballern gaben - und überzeugten. Hier könnte sich eine Symbiose ergeben. Auch durch die neue Halle, in der gleichfalls Eishockey gespielt werden soll. Wenn die Pläne also aufgehen, wäre Leipzig demnächst auch in dieser Sportart erstklassig, wenn sich Eishockey mit Handball die lukrative Spielstätte teilt. Stimmt, alles Zukunftsmusik. Aber mit einem schönen Klang.

Erstellt von Winfried Wächter