Eine gute Hälfte reicht nicht gegen den EHF-Final4-Teilnehmer aus Melsungen

Die Luft wird dünner und dünner. Die Handballer des SC DHfK Leipzig haben das vorletzte Heimspiel der Saison gegen die MT Melsungen mit 27:33 (12:13) verloren. In einem wahren „Alles-oder-Nichts-Spiel“ schafften es die Leipziger nur in der ersten Halbzeit, eine breite Brust und die volle Überzeugung auf die Platte zu bringen. Nach einem miserablen Start in den zweiten Abschnitt blieb nur noch Kampf – aber das genügte nicht gegen einen Gegner, der in der stärksten Liga der Welt um die Europapokalplätze kämpft.
Dabei legte Leipzig los wie die Feuerwehr. Klíma, Semper und Rogan knipsten zur schnellen 3:1-Führung. Nach zehn Minuten traf erneut Kreisläufer Luka Rogan zum 5:3. Der SC DHfK musste nach Zeitstrafen gegen Klíma und Semper in doppelter Unterzahl antreten – und prompt kassierten die Sachsen den 5:5-Ausgleich. Aber kaum waren die Grün-Weißen wieder vollzählig, ging es weiter mit Vollgas-Handball. Bombač, Semper und Klíma brachten den SC DHfK erstmals mit drei Toren in Führung. Die ARENA kochte und der Glaube an den so wichtigen Heimsieg lebte.
In der 20. Spielminute machte sich Lukas Binder auf den Weg zum möglichen 11:8 – allerdings scheiterte der Kapitän völlig frei an MT-Torhüter Nebojša Simić und handelte sich zudem noch eine Zweiminutenstrafe wegen eines Gesichtstreffers ein. Daraus resultierte zunächst der 10:10-Ausgleich, in der 25. Spielminute gingen die Gäste dann durch Aaron Mensing erstmals in diesem Match in Führung. Ab diesem Zeitpunkt kippte die Angelegenheit allmählich. Nebojša Simić packte gegen William Bogojevic eine spektakuläre Doppelparade aus. Und auch kurz vor der Pausensirene wurde der montenegrinische Schlussmann für den SC DHfK zum Spielverderber, denn er vereitelte den Ausgleichstreffer durch Dean Bombač. So ging Leipzig mit einem Tor Rückstand in die Pause, obwohl die Grün-Weißen aufgrund der vielen hochkarätigen Möglichkeiten eigentlich eine Halbzeitführung verdient hatten.
Die zweite Hälfte versprach weiterhin Hochspannung. Doch das änderte sich schlagartig, denn die DHfK-Männer verschliefen den Beginn des zweiten Abschnitts komplett. In den ersten dreieinhalb Minuten nach Wiederanpfiff fingen sich die Sachsen vier Gegentore ein, ohne einen eigenen Treffer zu erzielen. Es waren noch nicht mal alle Zuschauer auf ihre Plätze zurückgekehrt, da konnten einige Fans beim Blick auf die Anzeigetafel ihren Augen kaum trauen. In diesem so engen und umkämpften Match leuchtete plötzlich ein 12:17 auf der Anzeigetafel.
Doch der SC DHfK Leipzig berappelte sich. Staffan Peter verkürzte auf 14:18. Den nächsten Treffer zum 15:18 erzielte erneut Staffan Peter. Und – da aller guten Dinge drei sind – hieß der nächste Torschütze abermals Staffan Peter. Nach einem Kempa-Anspiel durch Lukas Binder gelang dem Rechtsaußen sein drittes Tor innerhalb von 90 Sekunden zum 16:18. Jetzt waren die DHfK-Männer wieder auf Tuchfühlung.
Allerdings war das Aufbäumen nicht von langer Dauer. Fünf Minuten später betrug der Rückstand schon wieder fünf Tore. Trotz der grandiosen Unterstützung der 4.495 Fans kamen die DHfK-Handballer nicht noch ein weiteres Mal zurück. Beim Zwischenstand von 19:26 war der Widerstand in der 50. Spielminute endgültig gebrochen. Der Endstand lautete schließlich 27:33.
Die Enttäuschung war allen Grün-Weißen ins Gesicht geschrieben – doch es ist noch nicht vorbei! Die Handballfamilie des SC DHfK Leipzig wird den Abstieg nicht akzeptieren und weiter an die Chance auf den Klassenerhalt in der stärksten Liga der Welt glauben – solange es rechnerisch möglich ist.
Roberto García Parrondo (Trainer MT Melsungen):
„Heute sind wir natürlich sehr glücklich über den Sieg. Wir hatten uns vorgenommen, zu gewinnen. Aber wir wussten, dass wir ein starkes Spiel machen müssen, weil Leipzig eine Mannschaft mit viel Intensität ist. Sie brauchen die Punkte und dann haben sie diese Extra-Stimmung heute in der Halle. Leipzig ist gut gestartet, besonders in den ersten 15 Minuten im Angriff. Da hatten wir Probleme in der Abwehr. Aber später haben wir kleine Wechsel gemacht und dann hat alles besser funktioniert für uns. Darüber bin ich sehr zufrieden. Ich bin sehr froh, weil wir heute mit viel, viel Intensität gespielt haben. Und das war’s.“
Frank Carstens (Trainer SC DHfK Leipzig):
„Warum wir nur eine Halbzeit mithalten konnten? Weil Melsungen direkt nach der Pause zwei, drei sehr gute Entscheidungen trifft und wir genau das nicht machen. In der Defensive kriegen wir keinen Druck mehr auf das Spiel gegen sechs, da hat uns die Intensität gefehlt, die wir in der ersten Halbzeit noch hatten. Vor allem Darmoul hat uns mit seinen schnellen Würfen Probleme gemacht. Mit anderen Punkten sind wir eigentlich gut klargekommen, aber diese Aktionen waren einfach zu viel. Im Angriff erspielen wir uns weiterhin gute Chancen, nutzen sie aber nicht mehr konsequent. Dadurch bekommt Melsungen die nötige Lockerheit, während wir immer verkrampfter werden. Wir haben zwar weitergekämpft und sind gelaufen, aber als Mannschaft haben wir es ab der 35. Minute nicht mehr geschafft, uns wirklich dagegenzustemmen. Erst im 7-gegen-6 haben wir wieder bessere Lösungen gefunden, aber da hatten wir defensiv und im Tor schon den Flow verloren.“
SC DHfK Leipzig vs. MT Melsungen 27:33 (12:13)
Tore SC DHfK Leipzig: Krzikalla 1, Klíma 5, Khairi 2, Peter 7, Semper 6, Rogan 3, Hinriksson 1, Bombač 2
MT Melsungen: Mandic 3, Krištopāns 4, Ignatow 2, Drosten 3, Stefansson 3, Arnarsson 7, Mensing 6, Darmoul 5
Paraden: Leipzig 8, Melsungen 12
Siebenmeter: Leipzig 5/6, Melsungen 2/2
Zeitstrafen: Leipzig 12 Min., Melsungen 10 Min.
Technische Fehler: Leipzig 10, Melsungen 9
Offizielle Zuschauerzahl: 4.495 Handballfans in der QUARTERBACK Immobilien ARENA