60 Minuten mit angezogener Handbremse: Leipzig wird von Erlangen deklassiert
Foto: Klaus Trotter

31:22, 27:26, 24:23 und 25:22 – so lauteten die Ergebnisse aus Sicht der Heimmannschaft HC Erlangen bei ihren bisherigen vier Bundesliga-Heimspielen gegen den SC DHfK Leipzig. Dieser Niederlagenserie wollten die Leipziger am Samstagabend mit dem Rückenwind aus dem Derbysieg gegen Magdeburg unbedingt ein Ende setzen und erstmals etwas Zählbares aus der Arena Nürnberger Versicherung mitnehmen. Stattdessen aber hagelte es in Abwesenheit von Abwehrchef Bastian Roscheck, der aufgrund einer Knieverletzung kurzfristig ausgefallen war, eine 30:22-Klatsche.

Die erste und einzige Führung für Leipzig gab es gleich zu Beginn der Begegnung. Maciej Gebala hatte den SC DHfK mit 0:1 in Führung geworfen. In einer tempo- und torreichen Anfangsphase konnte Leipzig die Partie noch recht ausgeglichen gestalten – so stand es beispielsweise 5:4 nach 10 Minuten und 12:11 nach 20 Minuten – doch schon beim Seitenwechsel lag der HC Erlangen mit 16:12 klar auf der Siegerstraße. Bei Leipzig fehlten einfach die Ideen im Angriff, dazu gesellten sich technische Fehler sowie Nachlässigkeiten beim Passspiel und im Abschluss. Und wenn es Joel Birlehm gelang, hinten einen Ball abzuwehren, schnappten sich meist die Erlanger den Rebound.

Die Leipziger Fans zu Hause vor den TV-Geräten wollten in der zweiten Halbzeit sehen, dass der Knoten im Spiel der Grün-Weißen endlich platzt. Jedoch bekamen sie ab der 34. Minute überhaupt nichts mehr zu sehen. Aufgrund technischer Probleme musste die TV-Übertragung komplett abgebrochen werden – ein Novum in der Geschichte des SC DHfK Leipzig.

Zum Glück aller grün-weißen Anhänger gab es ja noch das Fanradio der Leutzscher Welle, wo die Liveübertragung tadellos bis zum Ende des Spiels funktionierte. Doch auch bei Reporter Lutz Walter gab es wenig Erfreuliches zu hören, denn Erlangen baute den Vorsprung immer weiter aus. 19:14 nach 35 Minuten, 22:14 in der 40. Spielminute und kurz nach der 50. Minute war der Tiefpunkt in dieser Begegnung erreicht. Mit 27:17 lagen die DHfK-Männer mit sage und schreibe zehn Treffern zurück und boten bis dahin eine der schwächsten Darbietungen ihrer Bundesliga-Historie. Einzig Torhüter Joel Birlehm erreichte mindestens Normalform. Ohne seine 15 Paraden wäre dieses Spiel für den SC DHfK wohl einem totalen Debakel gleichgekommen.

In den Schlussminuten dieser längst entschiedenen Partie nahmen auch die Erlanger ein wenig den Fuß vom Gas. So konnte Leipzig mit einem 4:0-Lauf noch ein bisschen Ergebniskosmetik betreiben. Zudem hatte DHfK-Coach André Haber die Gelegenheit, den jungen Spielern Finn-Lukas Leun (17), Julius Meyer-Siebert (20), Nicolas Neumann (20) und Christian Ole Simonsen (20) noch etwas Bundesliga-Spielpraxis zu verschaffen. Zusammen mit dem Comeback von Martin Larsen nach seiner auskurierten Corona-Infektion waren das wohl die einzigen positiven Geschehnisse, in einem Spiel, in dem sich der SC DHfK Leipzig über 60 Minuten mit angezogener Handbremse präsentierte.

André Haber (Trainer SC DHfK Leipzig): Erlangen hat heute eine sehr starke Leistung gezeigt und hochverdient gewonnen. Obwohl bei Erlangen drei wichtige Spieler gefehlt haben, sind andere in die Bresche gesprungen. Das hätte ich mir auch von meiner Mannschaft gewünscht. Wir haben es aber nicht geschafft, so einen Kampfgeist auf die Platte zu bringen. Wir müssen ganz ehrlich sagen, dass wir heute in vielen Punkten nicht konkurrenzfähig waren. Wir müssen jetzt schauen, wie wir die Kurve kriegen vor unserem nächsten Heimspiel gegen Wetzlar.“

Michael Haas (Trainer HC Erlangen): „Ich bin heute sehr stolz auf meine Mannschaft. Unter den Voraussetzungen, die wir hatten, war das heute wahnsinn, wie wir performt haben. Die Jungs haben gekämpft und sich reingeworfen. Selbst die Spieler, die man gar nicht auf dem Schirm hatte, haben plötzlich Verantwortung übernommen. Wir haben heute mit einer großartigen Teamleistung alles herausgeholt.“

HC Erlangen gegen SC DHfK Leipzig 30:22 (16:12)

Tore HC Erlangen: Olsson 5, von Gruchalla 5, Firnhaber 4, Kellner 3, Marschall 3, Fäth 3, Ivic 2, Bissel 2, Metzner 2, Overby 1

Tore SC DHfK Leipzig: Krzikalla 4, Wiesmach 3, Binder 3, Mamic 3, Weber 3, Pieczkowski 2, Gebala 2, Remke 1, Larsen 1

Siebenmeter: Erlangen 5/6, Leipzig 3/4

Zeitstrafen: Erlangen 8 Min, Leipzig 12 Min

Diesen Beitrag teilen per

Philipp Weber im DHB-Aufgebot für Olympia-Quali

Philipp Weber im DHB-Aufgebot für Olympia-Quali

Auch Marko Mamic und Kristian Saeveras kämpfen um das Olympiaticket. Insgesamt sind in der kommenden Woche fünf DHfK-Profis und zwei Talente mit der Nationalmannschaft unterwegs