Forschungsprojekt RESTART 2.0 beim Heimspiel gegen Flensburg
Foto: Klaus Trotter

Zusammenfassung des Forschungsprojektes RESTART 2.0:

RESTART 2.0 ist ein wissenschaftliches Forschungsprojekt des Universitätsklinikums Halle (Saale), der Technischen Universität (TU) Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin, in dem ein Bewertungssystem entwickelt werden soll mit dem die Raumlufttechnik von Veranstaltungsstätten rasch und effektiv hinsichtlich des Ansteckungsrisikos mit SARS-CoV-2 eingestuft werden kann. Dafür sollen zehn verschiedene Veranstaltungsorte in Halle (Saale), Leipzig und Berlin durch experimentelle Messungen und Computersimulationen auf die Ausbreitung und Verteilung von Aerosolen detailliert untersucht werden. Das Projekt wird vom Land Sachsen-Anhalt, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Exzellenzinitiative der Berlin University Alliance (BUA) sowie aus Eigenmitteln der Universitätsmedizin Halle (Saale) finanziert.

Im Rahmen des Forschungsprojektes sollen insgesamt zehn Veranstaltungsorte hinsichtlich der Aerosolverteilung und –ausbreitung untersucht werden. In der Vergangenheit wurden mit dem Messsystem bereits erste Veranstaltungsorte, wie das Steintor Varieté, das Puppentheater und das Neue Theater in Halle (Saale) sowie das Maxim-Gorki-Theater und die Volksbühne in Berlin vermessen.

Beim Bundesligaspiel zwischen dem SC DHfK Leipzig und der SG Flensburg-Handewitt wird am Sonntag, den 06.03.2022 in der QUARTERBACK Immobilien ARENA erstmals eine Vermessung bei einer Sport-Großveranstaltung durchgeführt. Es ist zudem die erste Untersuchung im Rahmen dieses Projektes, bei der mehr als 1.000 Zuschauerinnen und Zuschauer anwesend sind.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das Forschungsprojekt RESTART 2.0 ist ein Folgeprojekt von Restart-19, bei dem die von Hallen-Großveranstaltungen ausgehende Gefahr hinsichtlich der Ausbreitung von COVID-19 untersucht wurde. Dabei stellte sich heraus, dass die Belüftungstechnik bzw. das Vorhandensein einer Raumlufttechnischen (RLT) Anlage für das Ansteckungsrisiko und das sichere Durchführen von Veranstaltungen von zentraler Bedeutung ist, da sich diese auf die Strömungsverhältnisse und damit auf die Ausbreitung potentiell infektiöser Aerosole auswirkt. Da die Belüftungstechnik in den verschiedenen Veranstaltungsstätten einer großen Heterogenität unterliegt, müsste jede einzeln auf ihre Tauglichkeit und Effektivität geprüft werden. Dafür fehlt es derzeit an einem einheitlichen Bewertungssystem, das eine objektive, reproduzierbare und schnelle Beurteilung der verschiedenen Belüftungskonzepte ermöglicht. Für die Etablierung eines solchen Bewertungssystems ist die Messung der Aerosolverteilung in verschiedenen Veranstaltungsräumen essentiell, da diese wesentlich von den lokalen Strömungsverhältnissen abhängen. Ein solches Messsystem wurde von Frühjahr bis Sommer 2020 in einer Kooperation zwischen dem Labor für Biofluidmechanik der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Hermann-Föttinger-Institut der TU Berlin entwickelt.

Beschreibung des Messsystems

Das Messsystem besteht aus einem Emitter, der das Aerosol in die Raumluft abgibt und eine an (SARS-CoV-2) erkrankte Person simuliert, und den Absorbern, die die Raumluft „einatmen“ und an verschiedenen definierten Messpositionen im Raum platziert werden. Bei dem emittierten Aerosol handelt es sich um Wasser, das mit Kochsalz versetzt ist, das als Marker und Virussurrogat fungiert. Innerhalb der Absorber wird dieser Marker aus der eingeatmeten Luft abgeschieden und durch eine Leitfähigkeitsmessung detektiert. Das System ermöglicht daher eine präzise Bestimmung der vom Emitter zum Absorber übertragenen Aerosolmenge in einem spezifischen Raum an den unterschiedlichen Positionen.

Ähnlich wie aerogen übertragene Erreger, verbleibt der Marker nach Verdunstung der Flüssigkeit in der Raumluft und folgt dem Luftstrom. Somit kann das Messsystem konkret zeigen, ob es in einer bestimmten Umgebung zu einer Ansammlung von Viren in der Raumluft kommt oder diese durch eine effiziente Raumlüftung entfernt werden.

Warum messen wir mit Publikum?

Der durch die menschliche Körperwärme erzeugte thermische Auftrieb hat einen wesentlichen Einfluss auf die Raumströmung. In einem leeren Veranstaltungsraum würden sich Aerosole anders verteilen und bewegen als in einem Raum, der mit Zuschauern besetzt ist. Für die Beurteilung der Aerosolausbreitung und –verteilung während einer realen Veranstaltungssituation, ist es daher essentiell Messungen mit Zuschauern durchzuführen.

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