SC DHfK kämpft zähen Aufsteiger nieder! Haber-Auszeit fruchtet und sorgt in der 2. Halbzeit für den entscheidenden 6:o-Lauf
Foto: Karsten Mann

Die Handballer des SC DHfK Leipzig haben ihr erstes Heimspiel im Kalenderjahr 2021 gewonnen. Der Erfolg gegen den Aufsteiger TUSEM Essen war allerdings alles andere als ein Selbstläufer. Die Gäste, die laut ihrem Coach Jamal Naji über weite Strecken der Partie „über ihrem Niveau spielten“ und ein ausgezeichnetes Rückzugsverhalten an den Tag legten, hielten die Partie bis fünf Minuten vor dem Ende vollkommen offen.  Die entscheidende Phase in diesem Match spielte sich allerdings zwischen der 38. und 44. Minute ab. Nach einer Auszeit von Leipzigs Trainer André Haber legten seine Männer mit einem 6:0-Lauf das Fundament für den 26:23 (14:14) Heimsieg.

Zu Beginn der Partie konnten die DHfK-Handballer ihre Favoritenstellung noch nicht unterstreichen. Zwar führten die Körperkulturellen mit 1:0 bzw. 2:1, dann schlichen sich jedoch einige Fehlpässe ein. Zudem wurde ein Stürmerfoul gegen Kapitän Alen Milosevic gepfiffen, sodass die Gäste aus dem Ruhrpott das Heft in die Hand nehmen konnten. Nach zehn Spielminuten führte der Außenseiter überraschend mit 4:7.

Die Leipziger brauchten eine Weile, um die Kontrolle über dieses Spiel zu erlangen. Immerhin gelang Maciej Gebala nach 20 Minuten wieder der Ausgleich und kurz darauf traf Martin Larsen zur 12:11-Führung. Dennoch gingen die Leipziger mit zwei Toren Rückstand in die letzten beiden Spielminuten der ersten Halbzeit. Ein schöner Durchbruch von Gregor Remke sorgte schließlich für den Pausenstand von 14:14.

Der zweite Abschnitt begann für die Leipziger eigentlich vielversprechend. Martin Larsen, mit sechs Treffern bester Leipziger Torschütze an diesem Abend, traf zum 15:14 und nach einem Ballgewinn der Leipziger Abwehr hatte Lukas Binder die große Chance, seine Mannschaft zum ersten Mal mit zwei Treffern in Führung zu bringen. „Bindi“ scheiterte jedoch bei einem freien Konterlauf – eigentlich seine Spezialdisziplin – an Sebastian Bliß im Essener Kasten. Dem Linksaußen, der kürzlich seinen Vertrag bis 2025 verlängert hatte und das gesamte Spiel auf der Platte stand, sollte in diesem Match kein einziger Treffer gelingen.

So wurde die Begegnung zunehmend zur Zitterpartie. Nach knapp 38 Minuten lagen die Grün-Weißen mit 15:17 zurück und Cheftrainer André Haber musste in seiner Auszeit dringend die richtigen Worte finden. Das gelang dem 34-Jährigen mit Bravour, denn jetzt folgte die beste Spielphase der DHfK-Männer. Mamic und Remke beschafften den Ausgleich, Lucas Krzikalla verwandelte zwei Siebenmeter sehr sicher und auch Patrick Wiesmach traf zweimal. Nach einem 6:0-Lauf führten die Leipziger plötzlich 21:17 und schienen die Begegnung jetzt im Griff zu haben.

Doch TUSEM Essen ließ sich noch immer nicht abschütteln. Der Tabellen-Vorletzte kam zunächst wieder auf 22:21 heran und hatte fünf Minuten vor dem Ende bei eigenem Ballbesitz sogar die Möglichkeit zum 23:23-Ausgleich. Der SC DHfK wusste dies allerdings zu verhindern und brachte den Vorsprung durch die Tore von Wiesmach, Witzke und Larsen über die Ziellinie. Nach einem kräftezehrenden Spiel heißt es nun schnell wieder Energie tanken, denn bereits in drei Tagen (Sonntag, 16 Uhr) steht gegen den TVB Stuttgart das nächste Heimspiel auf dem Programm.

Jamal Naji (Trainer TUSEM Essen):

„Erstmal muss ich sagen, dass ich enorm stolz auf die Mannschaft bin. Wir können hier in der 58. Minute in Leipzig das Spiel noch gewinnen. Das ist für uns erstmal ein herausragendes Ergebnis. Natürlich ist es ärgerlich, dass wir es nicht gewinnen, aber wir haben Leipzig geärgert und wir konnten unser Tempospiel aufziehen. Ich bin ein wenig überrascht, dass dieses Spiel mit 26:23 ausgeht. Wenn ich vor dem Spiel gefragt worden wäre, dann hätte ich auf deutlich mehr Tore getippt, denn wir sind zwei Mannschaften, die sehr viel Wert auf Tempo legen. Dann bekommen wir in der 45. Minute einen 0:6 Lauf nach der Auszeit von André. Diese Auszeit hat also mal so richtig gefruchtet. Ich wollte diesen Lauf unterbrechen, aber es war problematisch, da wir in der Zeit mehrere 2-Minuten-Strafen bekommen haben. Für eine so junge Mannschaft, wie wir das sind, nach einem 0:6 Lauf nochmal auf ein Tor ranzukommen und sogar die Möglichkeit zum Ausgleich zubekommen, das spricht für uns. Am Ende des Tages bin ich stolz auf unsere Leistung und dennoch traurig, dass wir hier nichts mitgenommen haben. Wir kommen dem aber immer näher und ich glaube, dass uns das in solchen Spielen bald gelingen wird.“

André Haber (Trainer SC DHfK Leipzig):

„Es war heute ein ganz hartes Stück Arbeit. Ich habe das aber auch erwartet. Ich weiß, dass viele erstmal nur auf die Tabelle schauen. Aber ich analysiere mit meinem Co-Trainer Milos Putera und unseren Video-Analysten die Gegner und glaube, dass Essen in der Tabelle nicht so steht, wie es ihre Spielstärke eigentlich zeigt. Das Tempospiel in den ersten 20 Minuten gegen uns war von Essen phänomenal. Das machen wir nicht gut, obwohl wir uns das genau angeschaut haben. Den Positionsangriff von Essen hatten wir dagegen ganz gut im Griff. Ich fand Essen außerdem emotional besser als uns. Das darf uns nicht passieren, schon gar nicht zu Hause. Das mussten wir schnell korrigieren und ich hatte selten eine Auszeit, die so gut funktioniert hat. Ich glaube auch, dass Essen dem Tempospiel ab der 45. Minute ein bisschen Tribut zollen musste. Wir hatten heute einfach die stärkere Bank und konnten mehr tauschen und unsere Kräfte verteilen. So sind wir etwas frischer in die letzten 20 Minuten gegangen, was am Ende vielleicht den Ausschlag gegeben hat. Es macht großen Spaß, Spiele von Essen zu sehen, denn ich habe großen Respekt, mit wie viel Freude und Unerschrockenheit sie spielen.“

SC DHfK Leipzig gegen TUSEM Essen 26:23 (14:14)

Tore SC DHfK Leipzig: Larsen 6, Krzikalla 3, Witzke 3, Wiesmach 3, Remke 3, Gebala 2, Mamic 2, Weber 2, Milosevic 1, Pieczkowski 1, Roscheck, Esche, Binder

Tore TUSEM Essen: Beyer 12, Klingler 2, Müller 2, Zechel 2, Morante Maldonaldo 2, Firnhaber 2, Ignatow 1, Seidel, Rozman, Ingenpaß, Becher, Durmaz, Szczesny

Siebenmeter: Leipzig 3/4 , Essen 6/8

Zeitstrafen: Leipzig 8 Min, Essen 8 Min

Schiedsrichter: Krag, Mirko / Hurst, Marcus

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