SC DHfK erkämpft sich Punkt gegen Lemgo, lässt aber den Sieg liegen
Finn Leun zeigte ein bärenstarkes Bundesliga-Debüt. Foto: Karsten Mann

Die Handballer des SC DHfK Leipzig haben im ersten Geisterspiel ihrer dreizehnjährigen Vereinsgeschichte einen Punkt gegen den TBV Lemgo Lippe eingefahren. Dabei sah es in der leeren QUARTERBACK Immobilien ARENA am Anfang überhaupt nicht so aus, als kämen die Grün-Weißen nach den vielen ungünstigen Umständen in der Spielvorbereitung für einen Punktgewinn in Frage. Doch die ersatzgeschwächte Mannschaft zeigte Moral und hatte kurz vor Schluss den Sieg vor Augen. In doppelter Unterzahl kassierten die DHfK-Männer am Ende allerdings noch den Ausgleichstreffer zum 32:32 (15:17).

In den ersten 20 Minuten der Begegnung war den Leipzigern deutlich anzumerken, dass sie aufgrund ihrer Quarantäne-Situation dreieinhalb Wochen kein Bundesligaspiel bestritten hatten. In Abwesenheit von Kapitän Alen Milosevic, Kristian Saeveras, Martin Larsen und Marc Esche (noch keine ärztliche Freigabe nach Corona-Infektion) sowie den verletzten Maximilian Janke, Luca Witzke, Julius Meyer-Siebert und Akos Szeles leisteten sich die DHfK-Männer eine Vielzahl von Fehlern. Über die Stationen 0:2 und 4:8 lagen die Leipziger folgerichtig nach 20 Minuten mit 8:14 im Hintertreffen. Zu diesem Zeitpunkt hatten selbst die kühnsten Optimisten auf der virtuellen DKB Fantribüne in der ARENA ihre Zweifel, dass sich das Blatt noch einmal wenden könnte.

Doch dann kam der Hexxer! Eigentlich hatte Milos Putera schon vor 1,5 Jahren seine Torhüter-Karriere beendet und die Co-Trainer Position im Verein übernommen. Doch unmittelbar nach seiner Einwechslung präsentierte er sich fast, als sei er nie weg gewesen und verhalf der Leipziger Abwehr mit all seiner Ruhe und Routine, allmählich zu gewohnter Stabilität zurückzufinden. So kassierte der SC DHfK bis zum Seitenwechsel nur noch drei weitere Gegentore und konnte auf 15:17 verkürzen. „Nach der Niederlage in Stuttgart, für die ich als Cheftrainer verantwortlich war, musste ich heute etwas zurückgeben“, begründete Putera nach dem Spiel seine starke Leistung.

Und es ging vielversprechend weiter. Direkt nach Wiederanpfiff gelang Marko Mamic das Anschlusstor, in der 38. Spielminute vollendete schließlich Philipp Weber einen 3:0-Lauf der Leipziger zum 20:20-Ausgleich. Zwei Treffer vom sehr stark aufspielenden Patrick Wiesmach leiteten einen weiteren 3:0-Lauf der Grün-Weißen ein – und plötzlich waren die DHfK-Männer mit 23:21 in Führung. Insgesamt brachte es Wiesmach als bester Torschütze der Begegnung auf acht Treffer. Sinnbildlich für den großen Fight der ersatzgeschwächten DHfK-Truppe war aber besonders ein Nachwuchssportler. Der 17-jährige Finn-Lukas Leun „rockte“ regelrecht das erste Bundesligaspiel seiner Karriere. Der mutig aufspielende Linkshänder aus der SC DHfK Handball Akademie traf zum 25:23, 27:24 und 29:26. Um ein Haar wäre das märchenhafte Debüt des A-Jugend-Spielers mit zwei Punkten für den SC DHfK belohnt worden, denn die Sachsen gingen mit einer 32:29-Führung in die letzten vier Minuten der Begegnung.

Bei allem Kampf konnten die Leipziger den Vorsprung in doppelter Unterzahl jedoch nicht über die Zeit bringen. Alexander Reimann traf für den TBV zum 32:32-Ausgleich und ein finaler Freiwurf von Philipp Weber landete leider nur am Pfosten. Lange nachtrauern können die Leipziger der verpassten Sieg-Chance jedoch nicht. Bereits am Donnerstag wird das verlegte Auswärtsspiel beim HBW Balingen-Weilstetten nachgeholt.

Florian Kehrmann (Trainer TBV Lemgo Lippe):

„Für uns war es heute ein Punkt fürs Gefühl. Es ist ein verdienter Punkt, denn wir haben von Anfang an mit der 6:0 gut verteidigt und in der ersten Halbzeit kaum etwas zugelassen. Während der ersten Hälfte haben wir aber leider ein paar Bälle im Tempospiel weggeschmissen, wo wir Leipzig hätten mehr bestrafen müssen. So lassen wir Leipzig im Spiel. Zusätzlich taten wir uns gegen die 5:1 Abwehr schwer und Leipzig hat unsere Fehler über die schnelle Mitte oder Tempogegenstöße bestraft. In der 50. Minute lagen wir mit drei Toren hinten und dann haben die letzten Maßnahmen, wie die Manndeckung gegen Weber, geholfen, um das Ding ordentlich zu Ende zu spielen. Insgesamt ist es ein verdienter Punkt, aber wir wissen auch, dass wir mit der ersten Halbzeit das Spiel hätten gewinnen können.“

André Haber (Trainer SC DHfK Leipzig):

„Meine Gefühlslage ist gemischt. Es war sehr schade ohne Zuschauer antreten zu müssen. Fakt ist, dass das Spiel für uns eine Ungewissheit hatte, da wir nach drei Wochen ohne Punktspiel nicht wussten, wie wir reinkommen. Dann sind wir auch nicht so gut gestartet, wie wir uns das eigentlich vorgenommen hatten. Nach den ersten 20 Minuten kann das Spiel schon für uns weg sein, so ehrlich müssen wir sein. Wir haben uns aber zurück gekämpft und zur Halbzeit mit nur zwei Toren zurückgelegen. In der zweiten Halbzeit haben wir dann ein anderes Gesicht gezeigt und verdeutlicht, dass wir wieder auf dem Bundesliga-Level sind. Die Partie hatte in der zweiten Halbzeit ein richtiges Bundesliga-Feeling auf der Platte. Es gab viel Kampf und viele emotionale Aktionen, das war schön zu sehen, trotz des Geisterspiels. Aber ich möchte den Leipziger Fans sagen, dass wir sie vermissen und wir hätten gerne vor ihnen in der Halle gespielt. Zum Schluss ist zu sagen, dass wir die meiste Zeit in der zweiten Halbzeit geführt haben, aber das Ende sehr ärgerlich war. Trotzdem bin ich alles andere als unzufrieden mit dem Punkt. Das die Jungs in der Kabine sitzen und enttäuscht sind zeigt, welchen Anspruch sie an sich selbst haben.“

SC DHfK Leipzig gegen TBV Lemgo Lippe 32:32 (15:17)

Tore SC DHfK Leipzig: Wiesmach 8, Weber 5, Binder 4, Gebala 4, Leun 3, Pieczkowski 3, Remke 2, Mamic 2, Krzikalla 1

Tore TBV Lemgo Lippe: Guardiola G. 6, Elisson 5, Suton 5, Guardiola I. 4, Cederholm 4, Kogut 3, Timm 1, Hangstein 1, Reimann 1, Zerbe 1, Schagen 1

Siebenmeter: Leipzig 1/1, Lemgo 3/3

Zeitstrafen: Leipzig 8 Min, Lemgo 8 Min

Rote Karte: Suton (Lemgo/ 50. Min)

Zuschauer: keine

Schiedsrichter: Tönnies, Tobias / Schulze, Robert

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