Kampf & Emotionen, aber keine Punkte. SC DHfK bleibt im Tabellenkeller
Foto: Christian Modla

Der 10. Spieltag in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga schien ein Spieltag der Überraschungen zu sein. Lemgo gewinnt sensationell in Kiel, Minden schockt den Tabellenführer aus Berlin und auch der Tabellenzweite, die Rhein-Neckar Löwen, kommen in Hamburg unter die Räder. In Leipzig war eine derartige Überraschung am Sonntagnachmittag dagegen nicht zu erwarten. Beim Duell zwischen den beiden kriselnden Mannschaften aus Leipzig und Göppingen konnte man nämlich keinen Favoriten ausmachen und eine Spielprognose war im Vorfeld der Partie selbst für größte Handballfachleute nur sehr schwer möglich. Auch wenn der Endstand von 25:26 für die Gastmannschaft aus Göppingen diese Theorie bestätigte, so war der Spielverlauf dann doch ziemlich überraschend.

Der SC DHfK fand überhaupt nicht hinein in dieses Spiel. FRISCH AUF! Göppingen hingegen war von Beginn an hellwach und führte schnell mit 0:3. Obendrein knallte Viggó Kristjánsson einen Siebenmeter an den Pfosten, sodass Trainer Milos Putera bereits in der 6. Spielminute mit einer Auszeit eingriff. Die Darbietung seiner Mannschaft änderte sich anschließend aber keineswegs. Nach acht Minuten lautete der Spielstand 1:6, nach elf Minuten sogar 1:8. Schlechter hätte die Begegnung für den SC DHfK Leipzig kaum losgehen können. Als der Rückstand nach einer Viertelstunde noch weiter angewachsen war – inzwischen lagen die Grün-Weißen mit acht Toren zurück (4:12) – hatte Milos Putera genug und betätigte schon zum zweiten Mal den Auszeit-Buzzer.

Nach seiner Ansprache waren die Leipziger plötzlich wie ausgewechselt. Für den glücklosen Mohamed El-Tayar stand nun Kristian Saeveras im DHfK-Kasten und verhalf seinen Vorderleuten zu mehr Sicherheit. Ivic, Binder und Maric sorgten für drei Leipziger Tore nacheinander. Die Sachsen hatten zwar weiterhin Pech mit dem Aluminium, doch als Lukas Binder in der 27. Spielminute das 10:14 markierte, war der 8-Tore-Rückstand zumindest halbiert. Kurz vor der Pausensirene packte Oskar Sunnefeldt noch einen sehenswerten Hüftwurf aus, sodass die Seiten bei einem Halbzeitstand von 12:15 gewechselt wurden. Der SC DHfK war jetzt voll drin in dieser Partie und die grün-weißen Handballer hätten mit Sicherheit nichts dagegen gehabt, wenn die Halbzeitpause kurzfristig ausgefallen wäre.

Doch auch nach der 15-minütigen „Zwangspause“ machten die DHfK-Männer einfach genau dort weiter. Drei Minuten nach Wiederanpfiff sorgte Lukas Binder für den 14:15-Anschluss. Der ARENA wurde nun zum Hexenkessel. Die großartigen Leipziger Handballfans, die ihre Mannschaft selbst beim zwischenzeitlichen 1:8-Rückstand bedingungslos angefeuert hatten, legten jetzt nochmal eine Schippe drauf und wollten den SC DHfK zur Führung peitschen. Und genau das passierte: Marino Maric traf zunächst vom Kreis zum 18:18-Ausgleich. In der 40. Minute war es dann endlich soweit: Leipzig ging durch einen Rückraum-Hammer von Sime Ivic zum ersten mal in diesem Match mit 19:18 in Führung. Der SC DHfK Leipzig hatte den 8-Tore-Rückstand mit großer Moral und der Unterstützung von 3.520 Fans tatsächlich in einen Vorsprung umgemünzt. Wäre der Spielbericht an dieser Stelle zu Ende geschrieben, hätten sich mit Sicherheit an diesem Nachmittag alle Leipziger in den Armen gelegen. Leider hatte diese Partie aber noch 20 Minuten…

Denn kaum hatten die DHfK-Männer diese Aufholjagd erfolgreich abgeschlossen und die Führung erobert, ging der Turbo irgendwie wieder abhanden. Göppingen eroberte sich die Führung zurück, Patrick Wiesmach konnte dreimal in Folge den Ball nicht im gegnerischen Tor unterbringen und zudem sah Kapitän Simon Ernst in der 45. Minute die rote Karte. Als Göppingen mit 22:24 in Führung ging, erhob sich sechs Minuten vor dem Ende die gesamte Halle, um bei den DHfK-Handballern die letzten Kraftreserven zu mobilisieren.

Die Leipziger kämpften bis zur letzten Sekunde aufopferungsvoll, doch leider traf Sime Ivic bei seinem Siebenmeter erneut nur die Latte. Schon zuvor hatte Viggó Kristjánsson drei Siebenmeter in diesem Spiel vergeben, was bei einer derart engen Auseinandersetzung besonders schmerzt. Obwohl Kristian Saeveras seinen Kasten mit 18 Paraden dicht machte und es auf eine sensationelle Quote von 50 Prozent gehaltener Würfe brachte, konnte auch er den Treffer von Till Hermann zum 24:26 nicht verhindern. Da nur noch 15 Sekunden zu spielen waren, war diese Partie damit entschieden und der emotionale Kampf der SC DHfK Leipzig blieb ohne Happy End.

Hartmut Mayerhoffer (Trainer FRISCH AUF! Göppingen):

„In diesem Spiel lag natürlich bei beiden Mannschaften ziemlich viel Druck auf dem Kessel, da beide Teams nicht so gestartet sind, wie sie es sich gewünscht haben. Wir haben heute extrem gut ins Spiel gefunden. Das hat uns Selbstvertrauen gegeben. Dann haben wir es jedoch unnötigerweise abreißen lassen. Leipzig hat zurück ins Spiel gefunden und den Kampf gesucht. Dadurch wurde es in der zweiten Halbzeit ein ganz enges Spiel auf Messers Schneide. Wir haben viel verworfen, wodurch Leipzig in Führung gehen konnte. Zum Glück konnten wir dann aber den Schalter noch einmal umlegen.“

Milos Putera (Trainer SC DHfK Leipzig):

„Glückwunsch an Göppingen für diesen Sieg. Leider sind wir erst beim Stand von 4:12 richtig ins Spiel gekommen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir uns extrem viele technische Fehler erlaubt und hatten gleichzeitig einen sehr schlechten Rückzug. Hut ab, dass die Jungs nicht den Kopf in den Sand gesteckt haben. Wir haben es dann in der zweiten Halbzeit sogar geschafft, in Führung zu gehen. Doch durch eins, zwei übermotivierte Fehler in der Deckung und zu viele verworfene Bälle haben wir dieses Spiel letztendlich doch verloren. Ich möchte mich auch noch bei unseren Zuschauern bedanken. Es war Wahnsinn, dass die Fans auch beim 1:8 so hinter uns standen und gemeinsam mit der Mannschaft hier so einen Hexenkessel generiert haben. So eine unglaubliche Atmosphäre wünsche ich mir auch bei den nächsten Heimspielen.“

Statistik:

SC DHfK Leipzig gegen FRISCH AUF! Göppingen 25:26 (12:15)

Tore SC DHfK Leipzig: Ivic (6), Witzke (4), Binder (3), Sunnefeldt (3), Kristjánsson (3), Maric (3), Wiesmach (2), Hanemann (1)

Tore FRISCH AUF! Göppingen: Schiller (5), Goller (4), Kozina (3), Schmidt (3), Sarac (3), Kneule (3), Blagotinsek (2), Hermann (2)

Zeitstrafe: Leipzig 6 Min, Göppingen 10 Min

Siebenmeter: Leipzig 2/6, Göppingen 4/4

Schiedsrichter: David Hannes, Christian Hannes

Zuschauer: 3.520 Handballfans in der QUARTERBACK Immobilien ARENA

 

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