Leipzig geht mit einer Niederlage in die Winterpause
Mika Sajenev war in Berlin der beste Leipziger Torschütze. Foto: Klaus Trotter

Keine Überraschung nach den Feiertagen. Im Kräftemessen zwischen den Füchsen Berlin und dem SC DHfK Leipzig konnte sich der Tabellenführer aus der Hauptstadt am Dienstagabend erwartungsgemäß durchsetzen. Beim Auswärtsspiel im Fuchsbau hatten die Leipziger mit vielen Zeitstrafen zu kämpfen und mussten schon in der ersten Hälfte zwei Platzverweise hinnehmen. Trotz eines 5-Tore-Rückstandes zur Pause blieb der SC DHfK im zweiten Durchgang lange hartnäckig, lies aber zu viele Möglichkeiten liegen, um die Partie nochmal richtig spannend zu machen. Das Endresultat lautete schließlich 28:22 für den Meisterschaftsanwärter aus Berlin.

Die erste Zeitstrafe der Partie gegen Simon Ernst hagelte es bereits nach weniger als einer Minute. Leipzig überstand diese Unterzahlsituation unbeschadet – und kaum war der SC DHfK wieder vollzählig, traf Oskar Sunnefeldt zum 0:1 für die Gäste. Das war allerdings auch die letzte gelungene Aktion des Schweden, denn nach nur sechs Minuten zückten die Schiedsrichter die rote Karte gegen Sunnefeldt, der seinen Gegenspieler im Gesicht erwischt hatte. Leipzig musste schon zum dritten Mal in Unterzahl agieren, hielt aber wacker dagegen. Nach zwischenzeitlichem 4:2 Rückstand glich Lukas Binder nach elf Spielminuten wieder zum 4:4 aus.

Dann wurde es wieder brenzlich. Simon Ernst kassierte seine zweite Zeitstrafe und war nun ebenfalls rotgefährdet. Berlin nutzte die abermalige Überzahl, um sich 9:5 abzusetzen. Simon Ernst und Luca Witzke verkürzten nach 20 Minuten auf 10:7 bzw. 10:8, doch dann wurde das Leipziger Schreckensszenario wahr. Simon Ernst packte bei Nils Lichtlein zu hart zu, wodurch das Schiri-Gespann keine andere Wahl hatte, als die dritte Zeitstrafe und somit einen Platzverweis gegen den DHfK-Kapitän auszusprechen. Somit musste nach 22 Minuten ein weiterer Rückraumspieler vorzeitig duschen. Die Füchse hatten nichts dagegen und vergrößerten ihren Vorsprung bis zur Pause auf 14:9.

Nach dieser schwierigen und suboptimalen ersten Halbzeit hatte sich der SC DHfK aber noch lange nicht aufgegeben. „Wenn Patrick und ich nicht sechs Dinger vergeben, hätten wir zur Pause führen können“, mahnte Lukas Binder die schwache Quote von den Außenpositionen an. Nun standen Lucas Krzikalla und Tim Matthes auf der Platte – und letzterer konnte an seiner alten Wirkungsstätte in den ersten fünf Minuten der zweiten Hälfte direkt zwei Tore erzielen (16:12). Trotzdem hatten die Füchse weiterhin aller im Griff und lagen nach 40 Minuten mit sechs Treffern vorn.

Der SC DHfK zeigte aber trotz schwindender Wechselmöglichkeiten Moral. Der 19-jährige Mika Sajenev agierte inzwischen im Abwehrzentrum und hatte auch am Kreis seine Momente. Eine Viertelstunde vor Schluss traf das Leipziger Eigengewächs zur 21:17, in der 49. Spielminute verkürzte er sogar auf 22:19. Die Partie in der mit 9.000 Zuschauern ausverkauften Max-Schmeling-Halle war noch nicht entschieden.

Allerdings fehlte dem SC DHfK an diesem Abend die letzte Konsequenz, um die Fehler der Berliner gnadenlos zu bestrafen und den Tabellenführer nochmal ernsthaft ins Wanken zu bringen. Immer, wenn der SC DHfK die Gelegenheit hatte, die Partie noch einmal richtig spannend zu machen, vergaben die Sachsen gute Torchancen oder fabrizierten unnötige technische Fehler.

Zudem mussten die Leipziger in der 51. Minute noch einmal die Luft anhalten. Luca Witzke war auf einem Bodenaufkleber ausgerutscht und mit Mathias Gidsel zusammengeprallt. Der Leipziger Nationalspieler blieb am Boden liegen und konnte nicht mehr weiterspielen. Da auch Sime Ivic vorübergehend außer Gefecht gesetzt war, wurde es kurios, denn der 1,78 Meter kleine Patrick Wiesmach musste kurzzeitig die Halbposition im Rückraum besetzen. Das Wichtigste war aber, dass Luca Witzke nach dem Spiel Entwarnung geben konnte und bei seinem Sturz mit dem Schrecken davonkam.

Mit 28:22 musste sich der SC DHfK Leipzig letztlich in Berlin geschlagen geben und beendet das Handballjahr 2022 dadurch mit zwei Niederlagen. Nichtsdestotrotz kann sich die Bilanz von Trainer Rúnar Sigtryggsson mit 12:4 Punkten seit seinem Amtsantritt im November mehr als sehen lassen. Die grün-weißen Handballer verabschieden sich nun in die WM-Pause – wo sechs DHfK-Spieler im Aufgebot ihrer Nationalmannschaften stehen – und wünschen allen Fans, Partnern und Sponsoren einen guten Rutsch ins Jahr 2023.

Rúnar Sigtryggsson (Trainer SC DHfK Leipzig): „Herzlichen Glückwunsch an Berlin. Die Anfangsphase war etwas schwierig für uns, wir haben viele unnötige Treffer kassiert. In der zweiten Halbzeit waren wir dann etwas mehr auf Augenhöhe mit Berlin. Dennoch hätten wir durchweg besser spielen müssen, um hier etwas zu holen. Das haben wir leider nicht geschafft. Es gab heute zu viele kleine Ausfälle während des Spiels bei uns.“

Jaron Siewert (Trainer Füchse Berlin): „Danke für die Glückwünsche, ich teile absolut die Meinung von Rúnar. In der Anfangsphase sind wir richtig gut reingekommen, haben extremes Tempo gespielt. Die Zeitstrafen waren aus meiner Sicht berechtigt und haben das Spiel, das muss man zugeben, in unsere Richtung gelenkt. Hinzu kam das Glück, dass unser Torwart ein paar freie Bälle gehalten hat, wodurch es nicht nochmal ganz eng wurde. Ich bin sehr glücklich, dass wir heute gewonnen haben. Das war extrem wichtig für das Selbstvertrauen über die Winterpause.“

SC DHfK Leipzig gegen Berlin 28:22 (14:9)

Tore SC DHfK Leipzig: Sajenev 4, Kristjansson 3/1, Witzke 3, Krzikalla 2, Binder 2, Wiesmach 2, Matthes 2, Ernst 1, Klima 1, Ivic 1, Sunnefeldt 1

Tore Berlin: Lindberg 10/6, Gidsel 6, Darj 3, Wiede 2, Lichtlein 2, Drux 2, Holm 1, Jacobs 1, Vujovic 1

Strafminuten: Leipzig 10 Min, Berlin 2 Min

7-Meter: Leipzig 1/1, Berlin 6/8

Zuschauer: 9.000 Handballfans in der Max-Schmeling-Halle

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