PHILIPP WEBER IM PORTRÄT: EIN MANN MIT BEZIEHUNGEN
Foto: Klahn

Im Hause Weber leben sie gut von den Beziehungen anderer. Denn die Eltern von Philipp Weber betreiben seit vielen Jahren einen großen Hochzeitsausstatter in Magdeburg. Wer in und um Magdeburg den Mut zur Eheschließung aufbringt, der bekommt (bis auf den Partner bzw. Partnerin) so ziemlich alles bei den Webers.

Philipp Webers Beziehung zum Handball begann früh, als Siebenjähriger bei der SG Eintracht Glinde. Sein Talent wurde sehr schnell offensichtlich: flink auf den Beinen, flink mit den Augen, ballfertig, kreativ – und frech. Klein-Philipp traute sich schon früh das Ausführen von Anspielen, die andere sich noch nicht mal vorstellen konnten.

Noch heute ist es manchmal so. Auch in der Nationalmannschaft – und auch bei der aktuell laufenden EM. „Weber ist der spielstärkste deutsche Rückraumspieler“, urteilt Martin Schwalb, als Trainer einst Meister, Pokalsieger und Sieger in der Champions League mit dem HSV Hamburg. „Ich würde mir mehr Einsatzzeiten für Philipp Weber wünschen“, sagt Dominik Klein, Weltmeister von 2007 und einst nimmersatter Titelsammler mit dem THW Kiel.

Weber gehört zu den Positiv-Überraschungen im deutschen EM-Kader, machte mit überraschenden Anspielen und mutigen Abschlüssen auf sich aufmerksam. Aber – und schon sind wir wieder beim Thema Beziehungen – selbstverständlich als Leistungsträger gesetzt ist er im deutschen Kader nicht. Denn Bundestrainer Christian Prokop hat besonders hohe Ansprüche an Weber, der vor allem im mittleren und linken Rückraum seine Stärken entfalten kann.

Prokop war Trainer in Leipzig, als Weber 2013 vom SC Magdeburg zum SC DHfK wechselte. Und man kann schon sagen: Die Beziehung war nicht frei von Spannungen. Weber verstand sich immer als kreativer Kopf, als Freigeist des Handballs. Prokop ist von seinem Charakter eher analytischer, ernster und verbissener.

Oft traf sich Weber mit Stefan Kretzschmar, der zu der Zeit Aufsichtsrat bei den Leipzigern war. Mitunter saßen sie zum Beispiel in der angesagten „Vodkaria“ in Leipzig. Das ist ein Hotspot für die coole Szene der Stadt, trotz des Namens vor allem bekannt für die originelle Küche mit skandinavischen, polnischen und russischen Spezialitäten.

Weber wollte in seiner Karriere den nächsten Schritt machen, wechselte daher zur HSG Wetzlar. Dort schlug er auf Anhieb voll ein und beendete die Saison als Torschützenkönig der HBL. Diese Leistungsexplosion beeindruckte seine Ex-Bosse in Leipzig, deshalb holte der Klub Weber zurück. Sein Leipzig-Comeback erwies sich als Volltreffer. Weber wurde in den Spielzeiten 17/18 und 18/19 direkt wieder bester Torschütze der Leipziger. Auch gut: Mit Lukas Binder ist einer seiner besten Freunde sein Mannschaftskollege.

Generell fühlt sich Weber sehr wohl in Leipzig. Zu seinem Freundeskreis gehören auch Fußballer von RB Leipzig, dem aktuellen Spitzenreiter der Fußball-Bundesliga. Die träumen von ihrem ersten Meistertitel.

Webers Ziele sind nicht minder ehrgeizig. Er will mit dem DHB-Team zu den Olympischen Spielen, um dort in Tokio um eine Medaille zu spielen. Nach der EM geht es für Weber nun jedoch vor allem darum, seinen Platz in der Nationalmannschaft zu verteidigen. Denn trotz Lob von Kennern wie Klein und Schwalb ist klar: der Konkurrenzkampf wird dann noch härter, wenn mit Fabian Wiede, Steffen Weinhold und Martin Strobel arrivierte Kräfte nach ihren Verletzungen wieder zurückkehren.

Durch seine bisherigen Leistungen bei der Europameisterschaft sollten seine Chancen auf ein Olympia-Ticket jedoch mit Sicherheit nicht kleiner geworden sein.

 

PHILIPP WEBER IM STECKBRIEF

Aktueller Verein:
SC DHfK Leipzig
Alter: 27
Position: Rückraum Mitte, Rückraum links
Größe:1,94 Meter
Wurfhand: rechts

Bisherige Vereine:
SC Magdeburg (2010 – 2013)
SC DHfK Leipzig (2013 – 2016)
HSG Wetzlar (2016 – 2017)
SC DHfK Leipzig (seit 2017)

Erfolge:
Torschützenkönig 2016/17 (HSG Wetzlar)
Aufstieg in die HBL 2014 (mit Leipzig)

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