Punkteteilung in Minden: Carsten Lichtlein entreißt Leipzig den Auswärtssieg
Foto: Klaus Trotter

Die Handballer des SC DHfK Leipzig hatten mit GWD Minden noch eine Rechnung offen. Das Hinspiel in Leipzig hatte Minden überraschend mit 25:26 gewonnen und dem SC DHfK einen herben Dämpfer verpasst. Das wollten die Sachsen am Sonntagnachmittag unbedingt wieder geraderücken und sich die zwei Punkte zurückholen. Allerdings hatte Routinier Casten Lichtlein etwas dagegen. Der 41-Jährige kam in der Schlussphase in den Mindener Kasten und sorgte dafür, dass sich beide Mannschaften am Ende die Punkte teilten.

Der SC DHfK war auf der Spielmacherposition mit personellen Sorgen in die Partie gegangen. Neben dem am Knie verletzten Lovro Jotic war auch Luca Witzke nach einem Zusammenprall im letzten Spiel nicht vollständig belastbar. So stand sein Nationalmannschaftskollege Simon Ernst in der Startformation. In den ersten zehn Spielminuten machten jedoch besonders die Torhüter auf sich aufmerksam. Patrick Wiesmach und Lucas Krzikalla konnten zwei Siebenmeter gegen GWD-Keeper Malte Semisch nicht im Tor unterbringen. Schon fünf Tage zuvor in Balingen hatten die Leipziger Unsicherheiten von der Strafwurflinie offenbart.

Doch auch Leipzigs Schlussmann erwischte einen sensationellen Start in die Begegnung. Von den ersten acht Torwürfen der Ostwestfalen konnte Kristian Saeveras fünf Bälle parieren, darunter ebenfalls zwei Siebenmeter. Dieser sichere Rückhalt gab dem SC DHfK den nötigen Auftrieb. Als Leipzig den nächsten Siebenmeter zugesprochen bekam, trat diesmal Sime Ivic an die Linie. Es war sein erster Strafwurf überhaupt im Trikot des SC DHfK Leipzig. Mit einem abgezockten Heber über den 2,08 Meter großen Malte Semisch feierte Ivic gleich mal einen richtig souveränen Einstand. Nach einer Viertelstunde hatten sich die Leipziger eine 3:6-Führung erspielt.

Der Vorsprung war aber nur eine Momentaufnahme. Der ehemaliger Leipziger Niclas Pieczkowski traf aus dem Rückraum zum 5:7 und schließlich auch zum 8:8-Ausgleich. Der SC DHfK legte immer wieder vor, konnte sich aber nicht mehr absetzen. Mit einer knappen 10:11-Fühungen gingen die Leipziger in die Halbzeitpause. In der Anfangsphase der zweiten Hälfte hatte dann Neuzugang Mohamed El-Tayar einen wichtigen Erfolgsmoment. Bei seiner ersten Parade für seinen neuen Verein entschärfte er gleich mal einen Siebenmeter der Mindener. So konnte Leipzig durch Maciej Gebala wieder auf drei Tore wegziehen (12:15). Zwei unnötige Ballverluste und ein Lattenwurf von Lukas Binder führten jedoch dazu, dass GWD Minden nur fünf Minuten später wieder den Ausgleich herstellte.

Jetzt war es wieder ein Charaktertest. Schon beim Auswärtsspiel in Balingen war der SC DHfK mehrmals ins Wanken geraten, fand aber jedes Mal eine passende Antwort. So schien es auch diesmal, denn mit einem 4:0 Lauf zogen die Sachsen von 16:16 auf 16:20 davon. Es hätte eigentlich die Vorentscheidung sein können, aber GWD-Coach Frank Carstens hatte noch ein Ass im Ärmel und wechselte in der Schlussphase beim Zwischenstand von 19:22 Carsten Lichtlein ein.

In seinem 694. Bundesligaspiel leitete der routinierte Torwart die Wende ein. Knapp sechs Minuten gelang des dem SC DHfK einfach nicht, den 41-Jährigen zu überwinden (3 Paraden). Tatsächlich kam Minden eine Minute vor dem Ende durch Mats Korte zum 22:22-Ausgleich. Der SC DHfK legte nochmal vor und schaffte es 18 Sekunden vor Schluss endlich, Carsten Lichtlein zu bezwingen (Sime Ivic hatte von der Siebenmeterlinie getroffen). Im allerletzten Angriff der Begegnung gelang Kreisläufer Justus Richtzenhain aber der 23:23-Schlusstreffer.

So mussten sich die Leipziger mit nur einem Zähler im Gepäck auf den Rückweg nach Sachsen machen und werden sich jetzt auf die bevorstehenden Aufgaben fokussieren. Auch wenn die Statistik für heute ein schwacher Trost ist: Drei Punkte in den ersten beiden Spielen eines Kalenderjahres hatten die Leipziger in ihrer bisherigen Bundesligageschichte noch nie geholt.

Andre Haber (Trainer SC DHfK Leipzig): „Ich denke, dass der Punktgewinn für Minden verdient war. Sie haben gezeigt, dass sie über 60 Minuten kämpfen und den Punkt wollen. Wir waren bei einer Führung von vier Toren der Meinung, dass wir das Spiel schon gewonnen haben. Wer nicht über die volle Distanz Einsatz zeigt und um jeden Ball kämpft, der hat einen Sieg heute nicht verdient. Ich habe zwar gesehen, dass bei unseren Jungs noch nicht alle wieder bei 100% sind, aber das war auch beim Gegner so und ist kein Grund, weshalb wir nicht gewinnen konnten. Wir werden dieses Spiel aufarbeiten und uns auf die nächsten Aufgaben vorbereiten.“

Frank Carstens (Trainer GWD Minden): „Ich kann mich André nur anschließen und bin heute stolz auf meine Mannschaft, wie sie gekämpft und gearbeitet hat, um diesen wichtigen Punkt zu holen. Beim Stand von 16:20 hatten wir eine riesige Aufgabe vor uns und normalerweise gehen zu diesem Zeitpunkt die Köpfe der Spieler runter. Das war heute nicht der Fall. Wir haben weitergespielt und konnten wieder zu den Leipzigern aufschließen. So haben wir uns in diesem Spiel den Punkt wirklich verdient. Die Mannschaft hat große Moral gezeigt und wir werden das als Basis nehmen, um den Klassenerhalt anzugehen.“

GWD Minden gegen SC DHfK Leipzig 23:23 (10:11)

Tore SC DHfK Leipzig: Ivic 7, Binder 6, Wiesmach 3, Mamic 3, Gebala 2, Krzikalla 1, Sunnefeldt 1

Tore GWD Minden: Urban 6, Korte 5, Pieczkowski 5, Darmoul 3, Richtzenhain 2, Meister 1, Jukic 1

Siebenmeter: Leipzig 4/6, GWD Minden 3/6

Zeitstrafen: Leipzig 10 Min, GWD Minden 6 Min

Schiedsrichter: Krag, Mirko / Hurst, Marcus

Zuschauer*innen: 907 in der Kampa Halle

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