SC DHfK unglücklicher Verlierer in einem atemberaubenden Ostderby
Foto: Klaus Trotter

Handballfan, was willst du mehr!? Das Ostderby am Sonntagmittag zwischen dem SC Magdeburg und dem SC DHfK Leipzig hatte wirklich alles zu bieten, was den Handballsport ausmacht. In der ersten Hälfte war zwischen beiden Teams beinahe ein Klassenunterschied zu sehen und der SCM dominierte fast nach Belieben. Kaum ein Experte hätte hier noch eine Wende inkl. hochdramatischer Schlussphase erwartet. Doch genauso kam es. Der SC DHfK Leipzig zeigte nach der Pause unbändige Moral, Leidenschaft und Kampfgeist – und schnupperte nach einer grandiosen Aufholjagd an einem historischen dritten Derbysieg in Folge. Das Glück in der Endphase war jedoch auf der Seite der Gastgeber. Mit einer knappen 30:28 (16:11) Niederlage machten sich die DHfK-Handballer schlussendlich traurig und gleichzeitig stolz auf den Rückweg nach Leipzig.

Der Stachel saß tief beim Tabellendritten der Vorsaison, denn der SC Magdeburg hatte in der vergangenen Saison gleich beide Derbys gegen den SC DHfK Leipzig verloren. Folgerichtig wollten die Hausherren eine erneute Derbypleite vor mehr als 4.500 Fans um jeden Preis verhindern und ihre weiße Weste in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga (8:0 Punkte) wahren. Die Magdeburger gingen dementsprechend mit Vollgas in dieses Ostderby. Jannick Green parierte gleich den ersten Leipziger Wurf von Luca Witzke und dann ging vorn die Post ab. O’Sullivan, Mertens und nochmal Mertens brachten den SCM nach vier Minuten mit 3:0 in Führung.

Im Positionsangriff taten sich die Leipziger gegen die Magdeburger Deckung von Beginn an schwer. Dafür erarbeiteten sich die Grün-Weißen immer wieder Gelegenheiten von der Siebenmeterlinie. Lucas Krzikalla erzielte in der 5. Minute per Strafwurf den ersten Leipziger Treffer und auch das zweite DHfK-Tor zum 4:2 ging per Siebenmeter auf das Konto von Krzikalla. Magdeburg blieb aber die spielbestimmende Mannschaft. Nach zwölf Minuten nahm Chefcoach André Haber bei einem 8:5-Rückstand die erste Auszeit. Die Durchschlagskraft der Leipziger verbesserte sich allerdings überhaupt nicht. Nach 20 Minuten war der Rückstand schon auf beunruhigende sechs Tore angewachsen (12:6). André Haber musste schon sein zweites Timeout nehmen. Mit dem Halbzeitergebnis von 16:11 war der SC DHfK Leipzig noch gut bedient. Viele Experten rechneten zu diesem Zeitpunkt der Begegnung mit einem richtig hohen Kantersieg des neuen Bundesliga-Tabellenführers aus Magdeburg.

Halbzeit zwei begann wie die erste Hälfte. Magdeburg traf sofort in den DHfK-Kasten zur 17:11-Führung und der SC DHfK leistete sich den nächsten Fehlwurf. Leipzig zeigte nun zwar einige bessere Ansätze, doch nach 37 Spielminuten lag der SCM nach wie vor deutlich vorn (20:15). Was dann aber im weiteren Verlauf der zweiten Halbzeit abging, ließ selbst bei neutralen Handballfans den Puls bedenklich in die Höhe schießen.

Krzikalla und Wiesmach brachten die Gäste zumindest mal wieder auf drei Tore heran. Das Spiel entwickelte sich jetzt mehr und mehr zu einem Siebenmeterfestival. Die Deckungsreihen boten kaum noch Lücken und packten energisch zu, sodass die meisten Angriffe auf beiden Seiten mit einem Siebenmeterpfiff endeten. Siebenmal durfte der SC DHfK Leipzig insgesamt an die Siebenmeterlinie, der SCM sogar neunmal. Doch es gab einen entscheidenden Unterschied: Während Lucas Krzikalla immer und immer und immer wieder eiskalt blieb und all seine sieben Versuche souverän versenkte, wackelte der SCM vom Strich.

Nach einer 7-Meter-Parade von Joel Birlehm stellte der SC DHfK eine Viertelstunde vor Ende per Kempa-Trick den 23:22-Anschlusstreffer her. Auch der andere DHfK-Schlussmann Kristian Saeveras entschärfte kurz danach zwei Würfe. Plötzlich war das Spiel wieder vollkommen offen. In der 50. Minute erzielte Luca Witzke den 24:24-Ausgleich. Es war der erste Gleichstand in diesem Derby seit dem 0:0. Und es kam noch besser. Kristian Saeveras schickte Lukas Binder auf die Reise und der Linksaußen veredelte den Tempogegenstoß zur ersten Leipziger Führung. Jetzt war das Momentum komplett auf der grün-weißen Seite. Joel Birlehm hielt bereits seinen vierten Siebenmeter und das Duo Binder/Remke packte schon wieder den Kempa aus. Sechs Minuten vor Abpfiff führte der SC DHfK mit 25:27. Von den 4.555 Zuschauerinnen und Zuschauern waren nur noch die 100 mitgereisten DHfK-Fans zu hören.

Leider freuten sich die Leipziger Fans etwas zu früh. In einer dramatischen Endphase war der so tapfer kämpfenden Leipziger Mannschaft das Glück einfach nicht mehr hold. Lukas Binder lief sich am Kreis wunderbar frei, berührte dabei aber die Linie und der Ball war verloren. Nach einem Stürmerfoul von Lovro Jotic war gleich im nächsten Angriff erneut der Ball weg – und dann scheiterte der eigentlich so stark spielende Lukas Binder auch noch an SCM-Keeper Green. Die Handballer des SC DHfK Leipzig hatten nach diesem Kraftakt einen Punkt sicherlich mehr als verdient. Doch auch ohne Punkte können die Leipziger nach diesem geilen und atemberaubenden Derby mit voller Zuversicht auf die kommenden Aufgaben blicken.

André Haber (Trainer SC DHfK Leipzig):

„Meinen Glückwunsch an den SCM zum Sieg. Ich denke, dass ein Sieg bis zum Schluss möglich war. Wir haben uns in der zweiten Halbzeit viel besser präsentiert als in der ersten, in der wir nicht das gemacht und geschafft haben, was wir gerne wollten und was man auch gegen den SC Magdeburg hätte bringen müssen. Wir haben uns in der ersten Halbzeit überraschen lassen und lagen zu hoch zurück, was wirklich ärgerlich war. Erst in der zweiten Halbzeit haben wir unser Potenzial gezeigt. Es war aller Ehren wert, dass es meine Mannschaft geschafft hat, sich nochmal in Front zu spielen. Vor dieser Kulisse war es wirklich ein tolles Handballspiel, was unglaublich viel Spaß gemacht hat zu coachen, weil es emotional auf einem sehr hohen Level war und weil es den Begriff ‚Derby‘ wirklich verdient hat. Leider haben wir es in den letzten fünf Minuten nicht geschafft, die bessere Mannschaft zu sein. Deswegen haben wir verloren, obwohl wir die Trümpfe in der Hand hatten. Das tut weh und ich bin ebenso traurig wie die Jungs, aber wir machen weiter – jeden Tag und jede Woche, um gestärkt zu werden und solche Prüfungen zukünftig erfolgreich zu bestehen.“

Bennet Wiegert (Trainer SC Magdeburg):

„Wir sind glücklich, dieses Spiel gewonnen zu haben. Ich finde, wir sind gut in dieses Spiel hineingekommen und haben eine tolle erste Halbzeit geliefert. Was uns in der zweiten Halbzeit passiert ist, darf uns so nicht wieder passieren – wenn also in der 50. Minute unsere Führung mit einem Tor kippt und plötzlich das Momentum bei Leipzig liegt. Wir bekommen es nicht mehr hin, konsequent zu verteidigen. Wir kamen auch nicht mehr konsequent ins Tempospiel und tun uns im Angriff schwer. Wir hatten eigentlich gute Chancen, aber unglücklicherweise gehen dann einige Bälle an den Pfosten und wir werden dadurch unruhig. Umso mehr bin ich aber mit der Schlussphase einverstanden, weil das Momentum bei Leipzig lag und wir es geschafft haben, eine Crunchtime-Mannschaft zu sein und dann doch die Punkte mitzunehmen. Das wäre für Leipzig gar nicht mal unverdient gewesen, wenn sie hier etwas mitgenommen hätten. Alles in allem freuen wir uns über den Sieg gegen Leipzig, den wir in der letzten Saison nicht feiern konnten.“

Spielstatistik:

SC Magdeburg gegen SC DHfK Leipzig 30:28 (16:11)

Tore SC DHfK Leipzig: Krzikalla 8, Wiesmach 5, Binder 4, Witzke 4, Remke 2, Sunnefeldt 1, Gebala 1, Ernst 1, Mamic 1, Ivic 1

Tore SC Magdeburg: Magnusson 6, Mertens 5, Weber 5, Jensen 4, Bezjak 3, Gullerud 2, Preuss 1, O´Sullivan 1, Chrapkowski 1, Kristjansson 1, Hornke 1

Siebenmeter: Leipzig 7/7, Magdeburg 5/9

Zeitstrafen: Leipzig 6 Min, Magdeburg 4 Min

Schiedsrichter: Kinzel, Adrian / Grobe, Sebastian

Zuschauer: 4.555 Zuschauer*innen in der GETEC Arena

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