Schallende Ohrfeige nach der Halbzeit – DHfK-Handballer ohne Chance gegen den THW Kiel
Foto: Karsten Mann

Die Handballer des SC DHfK Leipzig mussten sich dem deutschen Rekordmeister THW Kiel am Donnerstagabend klar geschlagen geben. Dabei hatten die Grün-Weißen, unterstützt von mehr als 4.000 Handballfans, in der ersten Halbzeit eine richtig gute Partie geboten und führten zum Seitenwechsel mit 14:13. Doch wie schon am vergangenen Sonntag in Stuttgart lief in der ersten Viertelstunde der zweiten Hälfte gar nichts mehr zusammen. Mit 6:18 ging die zweite Halbzeit verloren – und so mussten sich die Leipziger am Ende ganz klar mit 20:31 geschlagen geben.

Am Anfang sah die grün-weiße Welt noch so schön aus. 4.047 Zuschauerinnen und Zuschauer – so viele Fans waren zuletzt vor Beginn der Pandemie im März 2020 gekommen – sorgten von der ersten Minute an für eine sensationelle Stimmung. Die Energie übertrug sich prompt auf das Spielfeld. Binder und Krzikalla brachten den SC DHfK mit 2:0 in Führung, Luca Witzke erhöhte sogar auf 4:1. Dann wachten die Kieler allerdings auf und kamen nach zehn Minuten zum Ausgleich.

Leipzig blieb trotzdem weiter gallig und legte immer wieder vor. Nach 20 Minuten hatte der große Favorit aus Kiel noch nicht eine einzige Führung erspielt. Beide Teams waren jetzt mit einem Mann weniger auf der Platte, als Sime Ivic zum 10:9 für Leipzig traf. Nach 24 Minuten war es dann aber so weit. Hendrik Pekeler besorgte die erste THW-Führung zum 11:12. Nun war es an der Zeit für einen Torhüterwechsel. Mohamed El-Tayar kam anstelle von Kristian Saeveras in den Kasten und parierte gleich mehrere Bälle. Auch die Fans in der ARENA machten weiter Alarm. Beflügelt von dem Support hatte der SC DHfK erneut eine Antwort parat und ging mit einer 14:13-Führung in die Pause.

Die euphorische Stimmung im weiten Rund bekam aber schnell einen gehörigen Dämpfer. Vier Minuten nach Wiederanpfiff führte der THW plötzlich mit 15:17. Sollte der SC DHfK etwa erneut so schlecht aus der Kabine kommen, wie zuletzt in Stuttgart? Die Antwort lautete leider JA. Nach 38 Minuten lagen die Sachsen bereits mit 15:19 zurück, sodass Trainer André mit einer Auszeit versuchte, seine Männer wieder in die Spur zu bringen. Es änderte sich aber leider nichts. Der Run der Kieler ging weiter und weiter und weiter. Erst nach einem 0:9-Lauf für die Gäste bis hin zum 15:23 gelang Sime Ivic in der 47. Spielminute endlich mal wieder ein Tor für die Leipziger.

„Die zweite Halbzeit war eine schallende Ohrfeige“, brachte es Trainer André Haber nach dem Spiel auf den Punkt. Denn die Partie war natürlich längst nicht mehr zu drehen. Mit 6:18 verloren die DHfK-Männer schlussendlich die zweite Halbzeit. Auch die Statistikfreunde konnten sich nicht daran erinnern, dass jemals eine Mannschaft in einer Halbzeit dreimal so viele Treffer wie der SC DHfK erzielt hatte. Mit 20:31 wurden die Leipziger nach 60 Minuten schließlich erlöst. Statt der großen Handballparty sah man nach der Partie viele enttäuschte DHfK-Fans aus der ARENA strömen. Nun ist die Mannschaft gefragt, beim nächsten ganz schweren Spiel in Berlin eine Reaktion zu zeigen.

Filip Jícha (Trainer THW Kiel):

„Ich bin sehr froh, dass wir das Spiel heute gewonnen haben. Ich bin zufrieden mit dem Spielverlauf. Beide Mannschaften haben in der ersten Halbzeit qualitativ sehr guten Handball gespielt. Jedoch haben wir zum Ende der ersten Halbzeit zwei Chancen verhauen, wodurch wir dann mit Rückstand und einem unguten Gefühl in die Kabine gehen mussten. Deswegen bin ich froh, dass unsere Sieben-gegen-Sechs-Taktik in der zweiten Halbzeit mit solch einer Effizienz aufgegangen ist. Wir brauchten jedes Tor. Ich bin über die Leistung meiner Jungs froh. An dieser Stelle möchte ich noch André und seinem Team alles Gute wünschen. Wir sehen uns in der nächsten Saison.“

André Haber (Trainer SC DHfK Leipzig):

„Glückwunsch an Filip und dem THW Kiel zu dem verdienten Sieg! Wir haben in der zweiten Halbzeit eine schallende Ohrfeige von dem amtierenden Meister und Pokalsieger bekommen. Wir sind absolut verantwortlich dafür, wie leicht wir Bälle hergegeben haben und wie leicht wir es dem THW Kiel gemacht haben. All das, was wir in der ersten Halbzeit so gut gemacht haben – von Minute eins Kiel eben nicht locker ins Spiel kommen zu lassen, selbst präsent sein, selbst in Führung zu gehen – all das habe ich in der zweiten Halbzeit vermisst. Wir sind heute umgefallen und liegen geblieben. Das darf nicht unsere Art sein und ist es normalerweise auch nicht. Ich glaube, dass ich noch nie zwei so unterschiedliche Halbzeiten unserer Mannschaft erlebt habe.“

SC DHfK Leipzig gegen THW Kiel 20:31 (14:13)

Leipzig: Ivic (5/2), Krzikalla (4), Jotic (4), Milosevic (2), Witzke (2), Esche (1), Sunnefeldt (1), Binder (1)

Kiel: Ekberg (9/5), Reinkind (6), Zarabec (3), Jacobsen (3), Bilyk (2), Pekeler (2), Duvnjak (2), Ehrig (1), Weinhold (1), Wiencek (1), Ciudad (1)

Schiedsrichter: Mirko Krag & Marcus Hurst

Strafminuten: Leipzig 2 Min, Kiel 4 Min

Siebenmeter: Leipzig 2/2, Kiel 5/5

Zuschauer: 4047 Handballfans in der QUARTERBACK Immobilien ARENA

 

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