Sime Ivic lässt die ARENA beben! Leipzig gewinnt fantastisches Heimspiel gegen Flensburg
Foto: Klaus Trotter

3.565 Handballfans mussten nach diesem Spiel erstmal ganz tief durchatmen. Sie hatten gerade eine Achterbahnfahrt auf dem Spielfeld erlebt, die an Dramatik kaum zu übertreffen war. Die Handballer des SC DHfK Leipzig hatten ein wahrlich fantastisches Spiel gezeigt und den Vizemeister SG Flensburg-Handewitt in die Schranken gewiesen – zumindest bis zur 48. Minute der Partie. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Grün-Weißen nämlich mit 24:19 in Führung und hatten den Heimsieg schon fast in der Tasche. Dann allerdings war bei den Gastgebern die Luft raus. Bis zum Ablauf der 60 Minuten gelang den Leipzigern kein einziger Treffer mehr. Flensburg kam zum 24:24-Ausgleich und hätte zehn Sekunden vor Schluss beinahe den Treffer zum 24:25-Auswärtssieg erzielt. Doch stattdessen wurde der SC DHfK doch noch für seine großartige Leistung belohnt. Nach Ablauf der Uhr zauberte Sime Ivic einen direkten Freiwurf in den Winkel und ließ die QUARTERBACK Immobilien ARENA zu einem Tollhaus werden.  

Große Emotionen hatte es bereits vor Anwurf gegeben. Die grün-weiße Handballfamilie gedachte den Betroffenen kriegerischer Handlungen nicht bloß durch Schweigen, sondern sendete durch lautstarken Applaus Mut und Zuversicht an alle Opfer von Krieg und Vertreibung. Die Anteilnahme der Leipziger zeigte sich auch unverkennbar auf der Spielkleidung. Anstelle der Sponsorenlogos zierte eine große Friedenstaube und der Appell #GemeinsamFürFrieden die Trikots des SC DHfK Leipzig. Schon zu Spielbeginn lag irgendwie ein ganz besonderer Handballnachmittag in der ARENA-Luft.

In der Anfangsphase bissen sich die Leipziger aber erst einmal an SG-Keeper Kevin Møller die Zähne aus. Møller entschärfte die ersten drei Leipziger Würfe und Hampus Wanne brachte Flensburg mit 0:1 in Führung. Dann zeigte der SC DHfK, wie es gehen kann, nämlich mit Tempo und Entschlossenheit. Binder, Gebala, Binder – keine 90 Sekunden später lagen die Gastgeber mit 3:1 vorn. Als Geburtstagskind Marko Mamic nach 11 Minuten auf 6:3 erhöhte, war bei Flensburg die erste Auszeit fällig. Dann hatte Leipzig etwas Pech. Maciej Gebala und Simon Ernst scheiterten zweimal in Folge an der Torlatte, was die Flensburger sofort nutzten, um wieder auszugleichen. Besonders der ehemalige Leipziger Franz Semper taute nach unglücklichem Spielstart bei seinem ersten Gastspiel in der Leipziger ARENA förmlich auf. 6:4, 7:7, 9:8. In dieser Phase des Spiels ging von dem Leipziger Eigengewächs immer wieder große Gefahr aus.

Trotzdem agierten die DHfK-Männer mindestens auf Augenhöhe mit dem Tabellendritten und legten beim Spielstand von 10:10 wieder einen kleinen Zwischenspurt hin. Lucas Krzikalla, bisher in dieser Partie noch gar nicht in Erscheinung getreten, traf binnen einer Minute zum 11:10 und 12:10. Oskar Sunnefeldt erhöhte auf 13:10 und nach einer weiteren Saeveras-Parade war der SC DHfK auf dem Weg zum 14:10. Lukas Binder konnte den Ball bei seinem Konterlauf aber nicht unter Kontrolle bringen, zudem handelte sich Luca Witzke noch eine unglückliche Zeitstrafe ein. So wurden die Seiten schließlich bei einem Zwischenresultat von „nur“ 13:12 gewechselt. Die Halbzeitführung hätte nach diesem Spielverlauf durchaus noch einige Treffer höher ausfallen können.

Und so ging die Partie in der zweiten Halbzeit quasi von vorn los, denn Johannes Golla stellte nach Wiederanpfiff umgehend den 13:13-Ausgleich her. Leipzig legte immer wieder eins, zwei Treffer vor, konnte sich aber in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit kein Polster mehr erarbeiten. Doch dann gelang es den körperkulturellen Handballern endlich, sich ein wenig Luft zu verschaffen. 2x Mamic, Ivic und Gebala sorgten zunächst für einen 4:0-Lauf zum 21:17. Witzke und erneut Ivic – mit einem Heber von der Siebenmeterlinie – brachten den SC DHfK eine Viertelstunde vor Schluss dann erstmals mit fünf Treffern in Führung (23:18). Das sollte es doch fast schon gewesen sein, dachten sich die dreieinhalbtausend Handballfans in der ARENA. Doch nach dem 24:19 in der 49. Spielminute durch Oskar Sunnefeldt zur erneuten 5-Tore-Führung war plötzlich der Stecker gezogen.

Der SC DHfK erzielte bis zum Ablauf der 60 Spielminuten keinen einzigen Treffer mehr und blieb tatsächlich elfeinhalb Minuten ohne eigenes Tor. Fünf Minuten vor Abpfiff war der Vorsprung auf 24:21 geschmolzen, in der 58. Minute stellte Flensburg den Anschluss her und 90 Sekunden vor Schluss netzte Hampus Wanne zum 24:24-Ausgleich. In der Leipziger ARENA herrschte regelrechte Schockstarre, sowohl auf den Tribünen als auch auf der Platte. Den verunsicherten Leipzigern unterlief der nächste technische Fehler, sodass Flensburg noch 40 Sekunden Zeit hatte, den nicht mehr für möglich gehaltenen Auswärtssieg einzutüten.

Doch abermals gab es eine dramatische Wendung in diesem packenden Handballspiel. Vielleicht hatte an diesem Nachmittag der Handballgott persönlich ein Friedens-Sondertrikot des SC DHfK Leipzig erworben. Die Leipziger, die in der gesamten Woche Spendengelder für Kriegsopfer gesammelt hatten und auch heute wieder bedingungslosen Einsatz zeigten, wurden nämlich am Ende doch noch für ihren aufopferungsvollen Kampf belohnt. Die Flensburger vergaben ihre Siegchance wenige Sekunden vor Abpfiff und dem SC DHfK wurde mit der Schlusssirene noch ein direkter Freiwurf zugesprochen. Aus schier unmöglicher Position drehte Sime Ivic den Ball irgendwie durch zwölf Flensburger Arme hindurch in den Winkel des Tores und versetzte 3.500 DHfK-Fans in pure Ekstase. Die Leipziger ließen ihren Emotionen freien Lauf und feierten mit ihren Fans diesen außergewöhnlichen Heimsieg. Seit Mitte Oktober hatte in der Bundesliga keine andere Mannschaft gegen die SG Flensburg-Handewitt gewonnen.

„Maik Machulla (Trainer SG Flensburg-Handewitt):

„Herzlichen Glückwunsch an Leipzig für die zwei Punkte. Wir hatten eigentlich einen guten Start mit wichtigen Torhüterparaden. Im Angriff haben wir dann aber zu viele einfache Fehler gemacht und konnten unsere Chancen nicht nutzen. Wir schaffen es anschließend im Verlauf der ersten Halbzeit nicht, uns entscheidend abzusetzen oder sicher in Führung zu gehen. In der zweiten Halbzeit hatten beiden Mannschaften sehr gute Phasen. Im Abwehrspiel haben wir es Leipzig dann zeitweise zu einfach gemacht und haben sie zu Toren eingeladen, sodass dann ein 24:19 auf der Anzeige stand. In der Schlussphase konnten wir zwar ausgleichen, dass wir dann noch verlieren, ist am Ende sehr ärgerlich und schade.“

André Haber (Trainer SC DHfK Leipzig):

„Vielen Dank für die Glückwünsche. Ich bin heute sehr, sehr stolz auf die Leistung der Jungs. Vor allem darauf, wie wir gespielt haben und auch die Zuschauer mitreisen konnten. Man hat klar gesehen, dass wir auf das Spielfeld gegangen sind, um zu gewinnen. Wir haben zusätzlich einen guten Start erwischt, sind in den wichtigen Phasen ruhig geblieben und hatten wieder eine tolle Abwehr- und Torhüterunterstützung. 50 Minuten lang war das Spiel eine rundum gelungene Sache. Dann haben wir ein paar Bälle zu viel liegenlassen, was gegen eine Mannschaft wie Flensburg besonders gefährlich ist. Dass es dann noch so ausgegangen ist, ist auch ein stückweit glücklich, aber ich denke, nicht ganz unverdient. Ich muss der Mannschaft ein großes Kompliment zum heutigen Spiel aussprechen und bin stolz auf jeden einzelnen.“

Spielstatistik

SC DHfK Leipzig gegen SG Flensburg-Handewitt 25:24 (13:12)

Tore SC DHfK Leipzig: Ivic 6, Binder 4, Witzke 4, Mamic 3, Gebala 3, Sunnefeldt 3, Krzikalla 2

Tore Flensburg: Wanne 5, Golla 5, Steinhauser 4, Gottfridsson 4, Semper 3, Mensing 1, Rod 1 Sogard 1

Siebenmeter: Leipzig 1/1, Flensburg 1/2

Zeitstrafen: Leipzig 4 Min, Flensburg 2 Min

Schiedsrichter: Schule, Robert / Tönnies, Tobias

Zuschauer*innen: 3.565 in der QUARTERBACK Immobilien ARENA

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