„Wir müssen uns neu erfinden“
Foto: Christian Modla

Die Sportvereine in und um Sachsen sind reglementiert und spielen in den Hallen und Stadien vor leeren Zuschauerrängen. Wie steuern die Clubs durch die Krise? Wie geht es nach der Corona-Pandemie weiter? Elke Simon-Kuch (Geschäftsführerin Syntainics MBC), Karsten Günther (Geschäftsführer SC DHfK Leipzig) und Perry Bräutigam (Repräsentant RB Leipzig) haben Bilanz gezogen.

„Prinzipiell geht es uns gut, aber wir sind einsam“, sagt Manager Karsten Günther bei der Online-Veranstaltung ‚Zuschauermagnet Sportevents – Wie geht es nach Covid19 weiter?‘ des Clubs International Leipzig. Seine DHfK-Handballer haben seit Beginn der Pandemie eine Überlebensstrategie. Kurzarbeit, Gehaltsverzicht und Corona-Infektionen der Profis, leere Hallen und absolute Stille auf den Tribünen – der Vereine hat in fast zwölf Monaten viel durchgemacht. Und nebenbei einen Zuschauerrekord aufgestellt. Mit dem Verkauf 75.000 virtueller Helden-Tickets „haben wir unser Überleben abgesichert“. Der Etat der Grün-Weißen liegt aktuell bei rund fünf Millionen Euro.

Die Sponsoren schultern mit 80 Prozent den Hauptteil des Budgets – sie sollen natürlich trotz der Geisterspiele bei Stange gehalten werden. Denn immerhin wird gespielt. Günther und Co. denken und handeln digital, tauschen sich über Online-Plattformen mit ihren 250 Partnern aus. „Es ist gerade viel zu ruhig“, meint Günther. Gemeinsame Erlebnisse seien durch nichts zu ersetzen. Es fehle der kurze Handschlag samt Smalltalk am VIP-Eingang. Daher will er sich in den nächsten Wochen mit den Sponsoren unter vier Augen austauschen.

Auch Fußball-Erstligist RB Leipzig, etatmäßig im dreistelligen Millionenbereich angesiedelt, sucht in der Pandemie Nähe zu den Partnern. „Das reicht vom gemeinsamen Fußballschauen, über Trikotpräsente für die Offiziellen Fanclubs bis zu Überraschungsbesuchen bei den Fans“, sagt Club-Repräsentant Perry Bräutigam.

Kleinere Brötchen backen die Weißenfelser Basketballer. Der Syntainics MBC arbeitet mit einem Drei-Millionen-Etat. Die 2.500 Zuschauer, die gewöhnlich den Wolfsbau einheizen, sind essenziell. „Wir hatten in der Pandemie eine heftige Anfangsphase und wussten nicht, wo die Reise hingeht“, so Geschäftsführerin Elke Simon-Kuch. Nach Abbruch der Hauptrunde organisierte die Liga immerhin ein Finalturnier in München.

Die DHfK-Handballer waren in Sachen Hygienekonzept bundesweit Impulsgeber. Eine Steilvorlage lieferten sie gemeinsam mit der Uni Halle zudem mit der Re-Start-Studie in der Arena Leipzig. Das Projekt liegt seit der zweiten Welle auf Eis. Der DHfK-Manager sieht jetzt erst recht Handlungsbedarf und fordert Lösungen für den Weg aus der Krise: „Der Spielplan ist eigentlich Körperverletzung für die Sportler.“ Der Druck müsse rausgenommen werden, „damit uns der Sport nicht um die Ohren fliegt“. Man habe ein viertel Jahr verpennt. „Man hätte alle Hallen screenen und die Belüftung nachbessern können. Das frustriert.“

Doch der Chef der Grün-Weißen ist Optimist und geht davon aus, in der kommenden Saison nicht mehr vor leeren Rängen spielen zu müssen. „Wir müssen uns neu erfinden.“ Stichwort: Events im digitalen Raum. „Und wir müssen das Nötige dafür tun, um zum emotionalen Ereignis in der Halle zurückkehren zu dürfen.“

Quelle: Sportbuzzer

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