Die Vorstellung war doch eigentlich so schön. Nur zu gern wären die Handballer des SC DHfK Leipzig zum Final Four nach Hamburg gefahren, bevor das Turnier ab der nächsten Saison nach Köln umzieht. Die Teilnahme an der Pokal-Endrunde im Jahr 2017 zählt für Fans und Mannschaft bis heute zu den größten Highlights der bisherigen Leipziger Vereinsgeschichte. Doch schon die erste Hürde auf der „Road to Hamburg“ war zu hoch. Gegen die Rhein-Neckar Löwen setzte es in der heimischen ARENA eine klare 24:31 (12:15) Niederlage.

Dabei hatten sich die DHfK-Männer einiges ausgerechnet. Schließlich hatten die derzeit kriselnden Löwen jüngst in Hamburg und Stuttgart verloren. Dementsprechend selbstbewusst gingen die Leipziger ins Spiel und legten gleich ein enormes Tempo an den Tag. Die Grün-Weißen führten 3:0 nach drei Minuten bzw. 4:1 nach vier Minuten. Die 2.537 Besucherinnen und Besucher vom großen Inklusions-Spieltag waren guter Dinge, heute einen erfolgreichen Pokalabend zu erleben.

Das Blatt wendete sich allerdings schnell. In der 8. Spielminute stellte Andy Schmid den 4:4-Ausgleich her. Anschließend gingen die DHfK-Handballer durch Luca Witzke und Lukas Binder zwar noch zweimal in Führung (5:4 bzw. 6:5), das waren jedoch die letzten Leipziger Führungstreffer in der gesamten Partie. Uwe Gensheimer traf von der Siebenmeterlinie zum 7:9, Jannik Kohlbacher vom Kreis zum 7:10. DHfK-Coach André Haber musste nach 17 Minuten seine erste Auszeit nehmen.

Der SC DHfK stabilisierte sich danach wieder. Fünf Minuten vor dem Seitenwechsel war Leipzig wieder auf einen Treffer dran und hatte nach zwei überragenden Paraden von Joel Birlehm die Chance zum Ausgleichstor. Ein Fehlpass und ein technischer Fehler machten aber das Aufbäumen der Leipziger zunichte. Mit einem 12:15-Rückstand wurden die Seiten gewechselt, acht Minuten nach Wiederanpfiff war die Pokalpartie beim Zwischenstand von 13:19 quasi entschieden.

In den abschließenden 20 Spielminuten kamen die Messestädter zu keinem Zeitpunkt mehr unter die 5-Tore-Schallmauer. Somit konnten die Gäste das Spiel stressfrei herunterspielen. Mit einem 24:31-Auswärtssieg zogen die Löwen hochverdient ins Pokal-Achtelfinale ein. Für den SC DHfK wird das Final Four in Hamburg aus dem Jahr 2017 somit ein unvergessliches, aber leider auch einmaliges Erlebnis bleiben. Jetzt müssen sich die Grün-Weißen schnellstmöglich stabilisieren. Schon am Sonntag treten die DHfK-Männer erneut zu Hause an. Am Allianz Familienspieltag empfängt der SC DHfK Leipzig in einem immens wichtigen Heimspiel den TVB Stuttgart, der die Rhein-Neckar Löwen erst vor zwei Tagen mit 35:30 besiegt hatte.

André Haber (Trainer SC DHfK Leipzig):

„Meinen herzlichen Glückwunsch an die Rhein-Neckar Löwen zum verdienten Weiterkommen im Pokal. Es ist für mich schwer nachvollziehbar, was mit uns passiert ist, nachdem wir so furios ins Spiel gestartet sind. In den ersten vier Minuten zeigten wir genau das, was wir uns vorgenommen hatten – Tempo, Schnelligkeit, eine gute Abwehrarbeit – und dann lassen wir viel zu schnell nach und können nicht nochmal an das Anfangsniveau anknüpfen. Da stelle ich mir schon die Frage, warum das so ist und warum wir Dinge in der Deckung, die wir vorher klar angesprochen haben und verbessern wollten, falsch machen. Das ist eine Frage, die mich umtreibt, über die ich nachdenke, die heute im Raum steht und die geklärt werden muss. Wie kann es sein, dass wir die Rhein-Neckar Löwen nach so einem tollen Start und der richtigen Einstellung dann doch in ein viel zu ruhiges Handballspiel einladen, bei dem sie uns gar nicht richtig spüren? Ich bin schon davon ausgegangen, dass wir die Rhein-Neckar Löwen nach ihren letzten Spielen zumindest auf ein Unentschieden bringen und die Partie dann an uns reißen können. Wir konnten in der zweiten Halbzeit allerdings zu keinem Zeitpunkt nochmal Druck aufbauen und wieder rankommen. Warum das so ist, müssen wir erstmal aufarbeiten.“

Klaus Gärtner (Trainer Rhein-Neckar Löwen):

„Vielen Dank für die Glückwünsche. Wir hatten extrem viel Druck und sowohl die Mannschaft als auch das Trainerteam hat diesen Druck auch gespürt. Respekt an meine Mannschaft, dass wir uns nach einem 3:0 und etlichen Zeitstrafen so schnell ins Spiel zurückgearbeitet haben. Dieses Mal hatten wir das Glück, dass Leipzig die ein oder andere Großchance liegen gelassen hat, was uns sozusagen aufs Pferd verhalf. Dadurch haben wir unser Selbstbewusstsein wiedergefunden und in der zweiten Halbzeit hatten wir das Glück des Tüchtigen. Ein großes Lob an meine Mannschaft, die das überragend gemacht hat. Man hat es auch gesehen, dass die Mannschaft lebt – die Bank hat bei jedem Tor gestanden.“

Spielstatistik

SC DHfK Leipzig gegen Rhein-Neckar Löwen 24:31 (12:15)

Tore SC DHfK Leipzig: Gebala 4, Ivic 4, Mamic 3, Esche 3, Krzikalla 2, Milosevic 2, Witzke 2, Binder 2, Jotic 1, Wiesmach 1

Tore Rhein-Neckar Löwen: Gensheimer 8, Kohlbacher 5, Schmid 4, Groetzki 3, Kirkelokke 3, Horzen 2, Ahouansou 2, Nilsson 2, Diocou Soumare 1, Lagergren 1

Siebenmeter: Leipzig 2/3, Rhein-Neckar Löwen 3/4

Zeitstrafen: Leipzig 4 Min, Rhein-Neckar Löwen 6 Min

Schiedsrichter: Blümel, Nils / Loppaschewski, Jörg

Zuschauer*innen: 2.537 in der QUARTERBACK Immobilien ARENA