Marko Mamić und Joško Gvardiol über den Sport in ihrem Heimatland Kroatien, ihre Rolle in der Abwehr und die Trefferqualitäten des DHfK-Kapitäns Alen Milošević

Aus der Abwehr ihrer Mannschaften sind sie nicht wegzudenken – der 27-jährige Marko Mamić bei den DHfK-Handballern und der sieben Jahre jüngere Joško Gvardiol bei den RB-Fußballern. Beide stammen aus Kroatien, wo ihre Sportarten traditionell hoch im Kurs stehen. Die Fußballer wurden 2018 in Russland nach der 2:4-Niederlage im Finale gegen Frankreich Vizeweltmeister. Die Handballer erlebten (auch auf Grund vieler Ausfälle) zuletzt zwar einige Enttäuschungen, verfügen aber weiterhin über ein starkes Team. Und immer wieder wachsen in Kroatien viele Talente nach. Dabei ist es ein relativ kleines Land mit knapp über vier Millionen Einwohnern. Grund genug, um mit den Nationalspielern Mamić (65 Einsätze, 104 Tore) und Gvardiol (9 Einsätze, ein Tor) darüber zu reden. Und natürlich auch darüber, wie sie ihre Sportarten und Teams gegenseitig beurteilen.

Wie sind die vielen Erfolge von kroatischen Sportlern zu erklären?

Marko Mamić: Sport hat bei uns einfach eine sehr große Bedeutung, er ist ein wichtiger Teil unseres Lebens. Die Kroaten sind auch sehr emotional dabei und fördern dadurch das Interesse. Fast jedes Kind treibt Sport, das ist einfach normal. Meistens wird zunächst Fußball gespielt, dann Basketball oder Handball.

Joško Gvardiol: Das sehe ich auch so. Sport gehört bei uns dazu. Es ist selbstverständlich, dass wir uns füreinander interessieren und unsere Wettkämpfe gegenseitig verfolgen. Das habe ich zum Beispiel während der Handball-Europameisterschaft auch gemacht.

Wer ist populärer in Kroatien? Domagoj Duvnjak vom THW Kiel oder Luca Modrić von Real Madrid?

Marko Mamić: Beide sind gleich, denke ich. Aber ich bin ja auch Handballer. Ansonsten ist es bei uns wie in vielen anderen Ländern, dass Fußball in der Popularität an erster Stelle steht. Dahinter sehe ich Basketball und Handball.

Joško Gvardiol: Die populärste Sportart in Kroatien ist Fußball. Aber wir haben auch andere starke Teams mit sehr guten und sehr bekannten Sportlern. Ich denke, wir respektieren uns alle gegenseitig sehr.

Haben Sie gleich Fußball gespielt?

Joško Gvardiol: Als ich zwölf oder 13 Jahre alt war, habe ich Fußball und Handball gespielt. Danach eine gewisse Zeit nur Fußball. Mit 16 Jahren habe ich aber neben dem Fußball gleichzeitig mit Basketball begonnen. Aber schließlich fiel meine Entscheidung für Fußball aus. Und jetzt bin ich hier in Leipzig.

Wo Sie als starker Abwehrspieler auffallen, wie auch Marko beim SC DHfK. Macht es mehr Spaß, Tore zu verhindern als Tore zu erzielen?

Joško Gvardiol:  Nein, eigentlich nicht. Es macht ja auch eine Menge Spaß, zu Null zu spielen, einen Zweikampf zu gewinnen, zu grätschen oder ein Kopfballduell für sich zu entscheiden. Zudem schalte ich mich manchmal ja auch in den Angriff mit ein und konnte so schon das eine oder andere Tor erzielen. Ich fühle mich auf meiner Position absolut wohl!

Ein zu Null ist bei euch schlecht möglich.

Marko Mamić: Stimmt. Das Schöne am Handball ist doch, dass man so gut wie nie ausschließlich in der Abwehr steht und überhaupt nichts mit dem Angriff zu tun hat. Das Spiel ist viel zu schnell geworden, bei Ballgewinn muss jeder versuchen, möglichst sofort Druck auf den Gegner zu entwickeln, was bei uns als zweite Welle bezeichnet wird. Aber im Innenblock zu stehen, erfordert schon eine große Konzentration, weil man immer das gesamte Spiel im Blick haben muss, weil der Ball jederzeit von jeder Position aus an den Kreis gespielt werden kann.

Beim 2:0-Sieg gegen Wolfsburg haben Sie mit dem linken Fuß getroffen das Tor erzielt. Sind Sie auch Linkshänder?

Joško Gvardiol: Nein, ich bin Rechtshänder.

Marko Mamić: Auf welcher Position hast du Handball gespielt?

Joško Gvardiol: Im linken Rückraum.

Marko Mamić: Das ist ja meine Angriffsposition. Und, warst du mehr Shooter oder Spielmacher?

Joško Gvardiol: Eher Spielmacher.

Mit einer Körpergröße von 1,85 Meter und einem Gewicht von 80 Kilogramm wären Sie im internationalen Handball heutzutage fast zu klein. Ein paar Kilo mehr würden jedenfalls nicht schaden.

Joško Gvardiol: Da muss ich auf jeden Fall korrigieren. Ich bin 1,87 Meter und wiege 85 Kilogramm. Also bitte.

Marko Mamić: Das reicht für den Handball. Wir würden schon Verwendung für Joško finden. Solches Spielverständnis, wie er es hat, ist auf jeder Position von Vorteil. Sein Überblick auf dem Feld ist beachtlich.

Wird bei RB zum Beispiel zur Erwärmung vor dem eigentlichen Training auch Handball gespielt? Bei vielen Handball-Mannschaften gehört zum Vergleich das Kicken als Erwärmung nahezu zum Standardprogramm.

Joško Gvardiol: Nein, bei uns passiert das eher mit Basketball.

Marko Mamić:  Bei uns wird oft Fußball gespielt. Ich finde, dass wir das auch ziemlich gut machen. Da treten immer alt gegen jung an.

Und wer gewinnt?

Marko Mamić: Natürlich wir. Also alt. Wir haben auch richtig gute Spieler, wenn ich an Alen Milošević oder Patrick Wiesmach denke. Alen trifft immer, er ist unglaublich.

Und wie machen Sie sich so mit Ihren 2,02 Meter so auf diesem fremden Gebiet?

Marko Mamić: Was heißt hier fremd!? Als Kind habe ich zu Hause auch mit Fußball begonnen. Und hauptsächlich im Mittelfeld agiert. So ähnlich wie Patrick Vieira.

Alle Achtung, Vieira wurde 1998 mit Frankreich Weltmeister – nach dem Halbfinale-Sieg gegen Kroatien – und zwei Jahre später Europameister. Auch er war als Jugendlicher schon sehr groß. Welche Handball-Fähigkeiten erkennen Sie bei Ihren RB-Kollegen, Joško?

Joško Gvardiol: Das ist schwer zu sagen, weil wir eben nicht spielen. Das Verletzungsrisiko wäre zu groß. Aber ich könnte mir vorstellen, dass Yussuf Poulsen bestimmt auch ein guter Handballer wäre.

Haben Sie Ihre Spiele gegenseitig besucht?

Joško Gvardiol: Ja, beim Spiel gegen Melsungen war ich da. Leider habe ich kein Glück gebracht, denn sie haben verloren. Ich bin ja erst seit Sommer in Leipzig, so viel Gelegenheit bestand da nicht, auch wegen Corona. Aber ich will auf jeden Fall noch öfter kommen.

Marko Mamić: Ich war schon oft im Stadion, bin ja schon seit 2019 hier. Auch wegen Joško will ich mir weitere Spiele anschauen. Hoffentlich werden bald möglichst viele Zuschauer zugelassen. Und dann muss ich sehen, wie ich an eine Karte komme.

Joško Gvardiol: Ich werde versuchen zu helfen.

Mit der Bitte um gegenseitige Beurteilung: Auf welchem Platz landet der SC DHfK beziehungsweise RB am Ende der Saison?

Joško Gvardiol: Ich denke, der SC DHfK landet auf dem fünften Platz. Das ist nicht einfach, aber sie können es schaffen.

Marko Mamić: In der Champions League, da habe ich keine Zweifel. Vielleicht werden die RB-Fußballer Dritter oder sogar noch Zweiter.

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