Es hätte alles wie in Lemgo werden können. Wie beim Auswärtssieg am vergangenen Sonntag ging es nach 60 hochspannenden und wechselhaften Minuten mit einem 26:26-Gleichstand in die letzten 30 Sekunden des Spiels. Und wie in Lemgo erzielten die Handballer des SC DHfK Leipzig kurz vor Schluss den Führungstreffer zum 27:26. Beim Heimspiel gegen den Handball Sport Verein Hamburg war diesmal Luca Witzke der Schütze des vermeintlich goldenen Treffers. Allerdings gab es am Donnerstagabend leider keine grün-weiße Jubeltraube, denn der starke Aufsteiger aus Hamburg hatte noch eine Antwort parat. Vor 2.586 Fans erzielten die Gäste zwei Sekunden vor dem Ende den 27:27-Ausgleichtreffer.

Dass der HSV Hamburg kein gewöhnlicher Aufsteiger ist und dem SC DHfK alles abverlangen wird, wurde bereits im Vorfeld der Begegnung hinreichend thematisiert. Das bekamen die Grün-Weißen auch von Beginn an zu spüren. Zwar gingen die Sachsen durch Luca Witzke mit 1:0 in Front und führten im Laufe der ersten Hälfte auch mehrfach mit zwei Treffern (4:2, 6:4, 9:7), aber die Hamburger waren stets in Lauerstellung. Mit einem 4:0-Lauf übernahmen die Elbstädter dann kurz vor dem Seitenwechsel das Kommando. Drei Minuten vor der Pause führten die Gäste mit 9:11. Mit dem gleichen Abstand ging es auch in die Halbzeit. Chefcoach André Haber musste die 15-minütige Pause dringend nutzen, um an einigen Stellschrauben nachzujustieren.

Die mehr als 2.500 Zuschauerinnen und Zuschauer in der ARENA bekamen den Effekt der Kabinenansprache sofort zu spüren, denn binnen 120 Sekunden stellten Luca Witzke und Lovro Jotic wieder den Ausgleich her. Doch genauso schnell verpuffte der Leipziger Tatendrang wieder. 20 Minuten vor Ende der Begegnung führte der Aufsteiger plötzlich mit 14:18 und war obendrein noch in Ballbesitz. Es drohte tatsächlich die zweite Heimniederlage in der noch jungen Saison.

Die Männer des SC DHfK Leipzig gaben sich jedoch noch längst nicht geschlagen. Es folgte die beste Phase der Hausherren in der gesamten Partie. Die zehn Spielminuten zwischen der 40. und 50. Minute dominierte der SC DHfK mit einem grandiosen 10:3-Zwischenspurt. Auf einmal ging alles so einfach. Lucas Krzikalla und Marc Esche trafen von außen, Alen Milosevic setzte sich am Kreis durch und im Rückraum kombinierten Lovro Jotic und Luca Witzke. HSVH-Trainer Thorsten Jansen hatte inzwischen Weltmeister Jogi Bitter aus dem Kasten genommen und brachte den ehemaligen DHfK-Kapitän Jens Vortmann. Zehn Minuten vor Abpfiff führten die körperkulturellen Handballer mit 24:21 und waren dem 1.Heimsieg zum Greifen nah.

Der Aufsteiger aus Hamburg zeigte aber in der Schlussphase der Auseinandersetzung seine Gier auf die erste Bundesliga und kam zurück. 24:24, 25:25, 26:26 – beide Teams schenkten sich keinen Millimeter und wollten jetzt unbedingt den Sieg.

Als Leipzigs Spielmacher Luca Witzke den Ball 18 Sekunden vor Ultimo in den Winkel des Tores von Jens Vortmann nagelte, hätte man mit verschlossenen Augen vermuten können, die ARENA sei mit mehr als 7.000 Leuten gefüllt. Das Hallendach wackelte bei dem Höllenlärm, aber der Heimsieg war noch nicht in trockenen Tüchern. HSV-Coach Toto Jansen nahm umgehend seine letzte Auszeit. Die DHfK-Deckung machte das Zentrum dicht und bot den Hamburgern keine Lücken für den finalen Wurf. Doch irgendwie brachte Leif Tissier den Ball auf Linksaußen zu Tobias Schimmelbauer. Der 34-Jährige bekam seine erste und einzige Wurfchance in der gesamten Partie und traf tatsächlich zum 27:27-Endstand. Über den zerronnenen Heimsieg dürfen die Handballer des SC DHfK jetzt nicht lange nachdenken, denn schon in drei Tagen steht das große Ostderby beim derzeit in beststechender Form aufspielenden SC Magdeburg an.

Torsten Jansen (Trainer HSV Hamburg):

„Glückwunsch an beide Teams für ein letzten Endes gerechtes Unentschieden. Wir wussten natürlich, dass es hier ganz schön schwer werden wird, und haben mit einem Halbzeitstand von 11:13 in der ersten Halbzeit sehr ordentlich gespielt. In der zweiten Halbzeit haben wir auch ordentlich weiter gemacht. Nach unseren vier Toren Vorsprung kam es für uns dann zu einem kleinen Bruch im Spiel, gerade im Angriff haben wir dann leichte Fehler gemacht. Das wird in der Bundesliga sofort bestraft. Außerdem haben wir noch ein paar freie Bälle liegen gelassen und auf einmal steht es dann zwei Tore gegen uns. In dieser Phase habe ich mir gedacht, hättest du mal besser vorher die Auszeit genommen. Denn eine Mannschaft wie Leipzig kann zu Hause noch einmal schnell zurückkommen. Auch hat Jotic eine super Einzelleistung gezeigt, der von der Halbposition ein Tor gemacht hat und wir danach nochmal kontern mussten. Aber wie gesagt, es ist meiner Meinung nach eine gerechte Punkteteilung und daher geht mein Glückwunsch an Leipzig für den einen Punkt.“

André Haber (Trainer SC DHfK Leipzig):

„Auch von meiner Seite geht der Glückwunsch an Torsten zum ersten Auswärtspunkt. Wir spielen gerne zu Hause und da wollen wir auch gewinnen. Das haben wir heute nicht geschafft, weil wir nicht besser waren als der Gegner. Daher sehe ich es auch als gerechtes Unentschieden. Wir haben es geschafft, zwischenzeitlich einen Vier-Tore-Rückstand in einen Drei-Tore-Vorsprung umzudrehen. Das zeigt das Potenzial, das wir haben. Wir haben uns in der zweiten Halbzeit enorm in der Achse Witzke-Jotic im Angriff gesteigert. Das war eine Hilfe. Wir haben danach sehr gut angegriffen, aber wir haben es nicht wirklich geschafft, die Hamburger Angriffsmaschinerie zu stoppen. Da hat uns etwas gefehlt. Da muss jeder nochmal individuell prüfen, was derjenige dort richtig oder falsch gemacht hat. Ich denke, dass uns dort zu viele individuelle Fehler in der Deckung davon abgehalten haben, das Spiel wirklich in den Griff zu kriegen. Das ist ärgerlich, das stört uns alle. Wir hätten das Spiel gewinnen können, es lag im Bereich des Möglichen. Das tut heute weh und ab morgen geht es weiter Richtung Magdeburg.“

SC DHfK Leipzig gegen HSV Hamburg 27:27 (11:13)

Tore SC DHfK Leipzig: Krzikalla 7, Witzke 6, Jotic 4, Esche 3, Gebala 2, Milosevic 2, Remke 1, Ivic 1, Ernst 1

Tore HSV Hamburg: Weller 6, Forstbauer 5, Ossenkopp 4, Tissier 4, Mortensen 3, Bergemann 2, Bauer 2, Schimmelbauer 1

Siebenmeter: Leipzig 4/4, HSV 2/5

Zeitstrafen: Leipzig 2 Min, HSV 10 Min

Schiedsrichter: Kern, Thomas / Kuschel, Thorsten

Zuschauer*innen: 2.586 in der QUARTERBACK Immobilien ARENA