Dass der SC DHfK ein Bundesligaspiel gegen die hochkarätig besetzte Mannschaft der Rhein-Neckar Löwen verliert, ist nicht sonderlich ungewöhnlich. Doch diesmal – unter den aktuellen Voraussetzungen in puncto Tabellenplatzierung und Kadersituation – hatten sich die Handballer in eigener Halle durchaus mehr ausgerechnet. Nach einer Heimniederlage im DHB-Pokal und einem Unentschieden beim Auswärtsspiel in Mannheim sollte diesmal ein Sieg herausspringen. Stattdessen fanden die Grün-Weißen in Löwen-Keeper Mikael Appelgren ihren Meister und mussten sich 28:31 (13:15) geschlagen geben.

Viele Fans in der QUARTERBACK Immobilien ARENA hatten durchaus mit einem spannenden Torhüter-Duell gerechnet, schließlich war Joel Birlehm in der Winterpause von Leipzig zu den Löwen gewechselt und kehrte sicherlich besonders motiviert an seine alte Wirkungsstätte zurück. Allerdings stand der 25-Jährige an diesem Abend keine einzige Minute auf der Platte, denn sein Kollege Mikael Appelgren gab Löwen-Trainer Ljubomir Vranjes nicht den geringsten Anlass, einen Wechsel auf der Torhüterposition vorzunehmen. Seine 16 Paraden waren letztlich ein entscheidender Faktor für den Auswärtserfolg der Löwen.

Die Leipziger waren zwar durch Maciej Gebala mit 1:0 in Führung gegangen, doch schon in der Anfangsphase der Begegnung liefen sie Sachsen einem 3-Tore-Rückstand hinterher. In der 10. Spielminute nahm Trainer André Haber folgerichtig seine erste Auszeit. Der SC DHfK fand anschließend immer wieder Lücken in der Löwen-Abwehr, doch Appelgren machte mehrfach beste Gelegenheiten zunichte. Nach einer Viertelstunde war der Rückstand bereits auf 6:11 angewachsen, wodurch Haber schon wieder ein Timeout beantragte. Neben den vielen ausgelassenen Chancen bemängelte der DHfK-Coach vor allem die Deckungsleistung – eigentlich das Prunkstück der Leipziger.

Dann musste der SC DHfK auch noch mehrere Zeitstrafen verkraften – und schaffte es dennoch, sich wieder ins Spiel zu kämpfen. Zunächst traf Marc Esche zum 11:14 und kurz vor der Pause verkürzte Sime Ivic durch zwei Treffer auf 13:15. Das machte unter den 3.108 Handballfans Hoffnung für den zweiten Durchgang.

In der zweiten Halbzeit wurde die Partie dann noch intensiver und richtig hitzig. Nach einer Rudelbildung in der 42. Spielminute mussten die Schiedsrichter auf beiden Seiten die Gemüter beruhigen. Abutovic wurde für zwei Minuten auf die Bank geschickt, kurz danach sah auch Knorr eine Zweiminutenstrafe. In doppelter Überzahl setzte Ivic einen Siebenmeter an die Torlatte, krallte sich aber entschlossen den Abpraller und traf zum 19:21. Keine zwei Minuten später folgte schon die nächste Rudelbildung – diesmal musste Leipzigs Rechtsaußen Patrick Wiesmach vom Feld.

Die Meinungsverschiedenheiten auf der Platte taten der Spannung dieser Begegnung aber keinen Abbruch. Auch eine Viertelstunde vor Schluss waren die Leipziger voll in Schlagdistanz und hatten noch beste Voraussetzungen, diese Partie gemeinsam mit ihren Fans zu drehen. Luca Witzke traf zum 20:22, Kapitän Alen Milosevic zum 21:23. Doch der immens wichtige Anschlusstreffer wollte einfach nicht gelingen. Wieder war Appelgren zur Stelle und entschärfte einen völlig freien Konterlauf der Leipziger. So waren es zehn Minuten vor dem Ende wieder vier Tore Abstand (23:27).

Die grün-weißen Handballer versuchten alles und gaben sich nicht auf. Leipzig verkürzte drei Minuten vor Abpfiff von 24:29 auf 27:29. Allerdings reichte das Aufbäumen nicht mehr, um die Löwen noch einmal zum Wackeln zu bringen. Schlussendlich musste sich der SC DHfK mit 28:31 zum ersten Mal in diesem Kalenderjahr zu Hause geschlagen geben. Mikael Appelgren & Co. unterbrachen damit die schöne Erfolgsserie – aus den letzten zehn Bundesligaspielen hatte der SC DHfK zuvor neunmal gepunktet. Schon in drei Tagen beim Auswärtsspiel in Stuttgart (Sonntag, 16:05 Uhr) können die DHfK-Männer einen neuen Anlauf nehmen.

Ljubomir Vranjes (Trainer Rhein-Neckar Löwen):

„Ich finde, dass wir heute ein extrem gutes Spiel mit viel Kampfgeist und Leidenschaft gespielt haben. Viele Sachen haben heute gut geklappt. Es ist auch nicht einfach, in Leipzig gegen eine so gute Mannschaft, welche einem so viel Selbstvertrauen entgegenstellt, zu spielen. Ich muss meine Mannschaft loben, jeder hat seine Rolle fast perfekt umgesetzt. Auch wenn es gute zwei Punkte für uns sind und wir den Abend natürlich genießen wollen, geht ab morgen früh unsere volle Konzentration in Richtung nächstes Spiel. Ich wünsche dem SC DHfK viel Erfolg.“

André Haber (Trainer SC DHfK Leipzig):

„Herzlichen Glückwunsch an Ljubomir und die Rhein-Neckar Löwen. Das war ein verdienter Sieg. Wir haben es nicht geschafft, das Spiel nach unserem unerfolgreichen Start zu drehen. Dabei haben wir viel zu viele Chancen, auf ein Tor Abstand heranzukommen und die Löwen richtig unter Druck zu setzen, liegengelassen. Nicht nur gegen Mikael Appelgren, sondern auch mit eigenen Fehlern, Situationen zum Ballgewinn und Abprallern hatten wir zu kämpfen. Es tut mir leid, dass wir trotz der tollen Zuschauerkulisse und Unterstützung verloren haben, weil es heute definitiv auch anders möglich gewesen wäre. Bei aller Qualität, die die Rhein-Neckar Löwen mitbringen, sind wir heute größtenteils an uns selbst gescheitert. Jetzt werden wir alles dafür tun, im nächsten Spiel in drei Tagen zu punkten.“

SC DHfK Leipzig gegen Rhein-Neckar Löwen 28:31 (13:15)

Leipzig: Saeveras, Simonsen, El-Tayar; Gebala (4), Ernst, Remke, Krzikalla, Binder (5), Milosevic (1), Mamic (1), Witzke (4), Jotic (1), Wiesmach (2), Sunnefeldt (2), Esche (1), Ivic (7/1)

Löwen: Appelgren, Birlehm; Schmid (7), Kirkeløkke (6), Patrail, Knorr (5), Helander (2), Móré, Abutovic, Groetzki (2), Lagergren (5/1), Horžen (4)

Schiedsrichter: André Kolb & Markus Kauth

Strafminuten: Leipzig 8 Min, Löwen 6 Min

Siebenmeter: Leipzig 1/2, Löwen 1/4

Zuschauer: 3.108 Handballfans in der QUARTERBACK Immobilien ARENA