Wer auswärts bei den Rhein-Neckar Löwen punktet, kann auch den THW Kiel in eigener Halle ärgern! Mit dieser Einstellung waren die Handballer des SC DHfK Leipzig am ersten Advent selbstbewusst zum Gastspiel beim Rekordmeister gefahren. In der Praxis war die Weltklassemannschaft aus dem hohen Norden allerdings doch eine Nummer zu groß für den SC DHfK. Mit der Unterstützung von 9.000 Fans gewannen die Kieler ihr Heimspiel souverän 32:28 (13:11).

In der Anfangsformation setzte Leipzigs Trainerteam André Haber und Milos Putera erneut auf Torhüter Kristian Saeveras, der sich in den vergangenen Spielen mehrfach durch starke Quoten ausgezeichnet hatte. Dieser machte in der ersten Spielminute auch gleich mit einer Parade auf sich aufmerksam, sodass Lukas Binder den SC DHfK Leipzig mit 0:1 bzw. 1:2 in Führung bringen konnte. Dann kamen die Kieler aber mit all ihrer Wucht ins Spiel. Steffen Weinhold traf zum 4:2, Miha Zarabec zum 5:3 für die Hausherren. Die Leipziger setzten sich dennoch mutig zur Wehr. Alen Milosevic verkürzte in der 13. Spielminute auf 7:6. Kiels Trainer Filip Jícha war mit der Anfangsphase seiner Mannschaft nicht ganz zufrieden. Der THW-Coach stellte seine Abwehrformation auf die offensive 3:2:1-Variante um. Prompt reagierte auch Leipzigs Trainer André Haber und stellte sein Team in einer Auszeit auf diesen Schachzug ein.

Lukas Binder verkürzte abermals auf 8:7, doch dann zog der THW davon. Zunächst erhöhten Dahmke und zweimal Ekberg auf 11:8. Fünf Minuten vor dem Halbzeitpfiff sorgte wieder Ekberg per Siebenmeter für die Vier-Tore-Führung (13:9). Die Kieler hatten sogar die Möglichkeit, den Vorsprung noch weiter in die Höhe zu schrauben, aber Leipzigs Torwart Kristian Saeveras hielt seine Mannschaft mit mehreren guten Paraden im Spiel. Jetzt zeigte sich auch der ehemalige Kieler Oskar Sunnefeldt, der beim Gastspiel an seiner alten Wirkungsstätte natürlich ganz besonders motiviert war. Mit seinem zweiten und dritten Treffer verkürzte er auf 13:11 und zog zudem eine Zeitstrafe gegen Domagoj Duvnjak. Fast wären die Leipziger sogar mit nur einem Tor Rückstand in die Pause gegangen. Nach einem Block der Leipziger Abwehr konnte Lukas Binder den Ball jedoch nicht im leeren Kieler Kasten unterbringen.

In der zweiten Halbzeit verloren die DHfK-Männer dann allerdings schnell den Anschluss. Aus einem 15:13-Zwischenstand machten die Kieler innerhalb von vier Minuten ein 20:13. Der dänische Nationaltorwart Niklas Landin brachte die DHfK-Offensive das eine oder andere Mal zur Verzweiflung. Nun wussten auch die kühnsten Optimisten unter den gut 25 DHfK-Fans in der Wunderino Arena, dass eine Überraschung heute wohl ausbleiben würde. Eine gute Viertelstunde vor Schluss war die Partie beim 23:16 eigentlich entschieden.

Trotzdem gaben sich die Männer in grün-weiß nicht auf und bleiben weiter gallig. Alen Milosevic traf zum 23:19, Lucas Krzikalla verkürzte auf 24:21. THW-Trainer Filip Jícha musste in seiner anschließenden Auszeit richtig laut werden, denn plötzlich war das Spiel doch noch nicht abgehakt.

Seine Mannschaft bekam aber schnell wieder die Kurve und ließ den SC DHfK nicht mehr näher herankommen. In den letzten fünf Minuten der Begegnung musste der SC DHfK zudem ohne Simon Ernst auskommen. Der Nationalspieler, der im Abwehrzentrum schon in der ersten Halbzeit durch zwei Zeitstrafen vorbelastet war, handelte sich seine dritte Zweiminutenstrafe ein. Oskar Sunnefeldt und Lucas Krzikalla markierten in der Schlussphase noch jeweils ihren fünften Treffer des Tages. Über die gesamten 60 Minuten betrachtet präsentierte sich das Leipziger Team durchaus ordentlich, doch letztlich gewann der amtierende Meister aus Kiel das Match klar und verdient mit 32:28.

Andre Haber (Trainer SC DHfK Leipzig):

„Herzlichen Glückwunsch an den THW Kiel zum Sieg. Ich bin über den Verlauf des Spiels enttäuscht. Ich weiß natürlich, dass wir gegen eine der stärksten Mannschaften der Welt gespielt haben, bin aber der Meinung, dass wir zu Halbzeit nicht zurückliegen mussten. Wir hatten in der ersten Halbzeit eine gute Torhüter-Leistung und konnten unseren Rückzug über die ersten 30 Minuten stetig verbessern. Dennoch haben wir wieder zu viele eigene Fehler und Unzulänglichkeiten gezeigt, um hier vielleicht mit einer Führung in die Pause zu gehen. In der zweiten Halbzeit haben wir den THW Kiel dann zu einfach enteilen lassen. Ein Kompliment muss ich meiner Mannschaft aussprechen, dass sie bei 20:13 nicht aufgegeben hat, sondern drangeblieben ist. Wenn ein Gegner wie Kiel uns eine Chance gibt, Punkte zu holen, müssen wir sie in Zukunft einfach besser nutzen. Alles in allem haben wir heute vieles gut gemacht und schauen jetzt auf die nächsten Spiele, um dort wieder Punkte zu holen.“

Filip Jicha (Trainer THW Kiel):

„Vielen Dank für die Glückwünsche. Ich bin mit den zwei Punkten zufrieden. Es ist für uns nie eine Selbstverständlichkeit, ein Bundesligaspiel zu gewinnen. Gerade bei dem hohen Pensum an Spielen ist es wichtig für uns, dass wir uns keine Fehler erlauben. Heute haben wir in der ersten Halbzeit einige Chancen leichtfertig verspielt und die Leipziger immer wieder mit technischen Fehlern eingeladen. Der SC DHfK ist eine Mannschaft, die solche Chancen häufig zu nutzen weiß. In die zweite Halbzeit sind wir deutlich besser gestartet. Wir konnten mehr Spielfreude zeigen und dann auch mit 20:13 wegziehen. Trotzdem waren auch hier zu viele individuelle Fehler in unserem Spiel und zu viele vergebene Chancen. Kurz nach der Pause hatten wir mit dem 5:0-Lauf die Chance, das Spiel vorzeitig zu entscheiden. In dieser Phase sind die Leipziger dann aber wieder zurückgekommen und konnten aufholen. Damit bin ich zwar nicht ganz zufrieden, aber wir konnten zwei Punkte gegen starke Leipziger holen und schauen nun nach vorne.“

THW Kiel gegen SC DHfK Leipzig 32:28 (13:11)

Tore SC DHfK Leipzig: Krzikalla 5, Binder 5, Sunnefeldt 5, Ivic 4, Milosevic 3, Remke 2, Mamic 2, Ernst 1, Jotic 1

Tore THW Kiel: Ekberg 8, Reinkind 5, Sagosen 5, Wiencek 4, Weinhold 3, Pekeler 2, Jacobsen 2, Zarabec 2, Dahmke 1

Siebenmeter: Leipzig 1/1, THW Kiel 4/5

Zeitstrafen: Leipzig 10 Min, THW Kiel 10 Min

Rote Karte: Ernst (Leipzig / 56. Min)

Schiedsrichter: Thiyagarajah, Suresh / Thiyagarajah, Ramesh

Zuschauer*innen: 9.000 in der Wunderino Arena Kiel