Die Handballer des SC DHfK Leipzig haben eine 10-Tore-Niederlage beim amtierenden Meister THW Kiel kassiert. Trotz des deutlichen Ergebnisses und der inzwischen vierten Niederlage in Serie treten die Leipziger ihre Rückreise aus dem hohen Norden nicht gänzlich unzufrieden an. Mit einem völlig ersatzgeschwächten Rückraum hielten die DHfK-Männer bis Mitte der zweiten Halbzeit gut mit. In der Schlussphase verwandelte der neue Tabellenführer der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga das Zwischenergebnis von 20:17 aber noch einen richtig deutlichen 31:21-Heimsieg.

Die Gäste aus Leipzig mussten ohne die drei verletzten Rückraumspieler Marko Mamic, Martin Larsen und Gregor Remke beim Rekordmeister antreten. So sollte die größte Last im Rückraum eigentlich auf den Schultern von Nationalspieler Philipp Weber liegen. Doch keine zwei Minuten waren gespielt, als Weber bereits mit einer Knieverletzung von der Platte humpelte. Dementsprechend war in der Anfangsphase ein regelrechter Klassenunterschied zu erkennen. Nach sieben Minuten führten die Zebras schon mit 7:2, drei Tore gingen dabei auf das Konto von Domagoj Duvnjak. Als der Welthandballer von 2013 sein viertes Tor erzielte, war der THW Kiel bereits auf 11:5 enteilt. Da sich dann in der 19. Spielminute auch noch Leipzigs Niclas Pieczkowski an den Rücken fasste und das Spielfeld verließ, drohte für den SC DHfK ein ganz dunkler Handballabend.

In den letzten zehn Minuten der ersten Hälfte stand dem Champions-League-Sieger aus Kiel eine Leipziger Mannschaft mit dem wohl jüngsten Rückraum der Bundesliga gegenüber. Luca Witzke (21), Julius Meyer-Siebert (20) und Jakob-Jannis Leun (18) mussten es nun irgendwie richten. Wer allerdings glaubte, dass die übermächtigen Kieler mit der jungen DHfK-Mannschaft kurzen Prozess machen würden, der sah sich weit gefehlt. Denn das Leipziger Team zeigte Courage. 13:10, 15:12, 17:14 lauteten die weiteren zwischenstände bis zum Pausenpfiff. Längst hatten sich alle drei mutigen „Rückraum-Jungspunde“ in die Torschützenliste eingetragen. Und auch Joel Birlehm hatte großen Anteil, dass die Grün-Weißen mit nur drei Treffern Rückstand in die Halbzeit gingen. Nachdem sein Kollege Kristian Saeveras in den ersten zehn Spielminuten keine Hand an den Ball bekommen hatte, kam Birlehm in die Partie und parierte bis zur Pause 43 Prozent der Kieler Würfe (6 Paraden). So hatten die meisten Leipziger beim Seitenwechsel sogar ein leichtes Grinsen auf den Lippen.

Das Unterfangen „Jugend forscht“ im Leipziger Rückraum sollte in der zweiten Halbzeit eigentlich fortgeführt werden. Doch als wären die Messestädter nicht schon genug vom Pech verfolgt, knickte nach 35 Minuten auch noch der junge Jakob Leun um. Auch für ihn war das Spiel daraufhin vorbei. So musste der zuvor angeschlagene Niclas Pieczkowski seine Schmerzen vergessen und auf die Platte zurückkehren, denn einen weiteren Rückraumspieler hatte Trainer André Haber nicht im Kader. Die Leipziger verkauften sich zunächst weiterhin teuer – unter anderem parierte Joel Birlehm schon den zweiten Siebenmeter gegen Niclas Ekberg – und so blieb es bis Mitte der zweiten Halbzeit bei einem Drei-Tore-Vorsprung für den THW Kiel (20:17).

Die DHfK-Handballer hatten es trotz ihrer Personalsituation tatsächlich geschafft, dass der THW Kiel bis zur 45. Spielminute fast durchgängig seine stärkste Formation auf der Platte lassen musste – obwohl die Kieler nur zu gern vor dem großen Derby gegen Flensburg etwas Kraft gespart hätten. Da es im Rückraum aber keinerlei Wechseloptionen mehr gab, war bei den couragieren Leipzigern irgendwann doch die Luft raus und die Kraft alle. In der Schlussphase der Partie wurde es somit dann noch richtig deutlich, vielleicht sogar zu deutlich. Auch wenn das Endergebnis von 31:21 die beherzte Gegenwehr der Leipziger nicht wirklich widerspiegelt, machte der Auftritt der Grün-Weißen dennoch Mut für die bevorstehenden Aufgaben. Schon in drei Tagen geht es mit dem nächsten Hammer bei den Füchsen Berlin weiter.

André Haber (Trainer SC DHfK Leipzig): „Wir hatten heute eine schwere Situation, mit der wir angereist sind. Durch die aktuellen Ausfälle waren wir ein bisschen angeschlagen, fahren jetzt zurück und haben wieder zwei Spieler verletzungsbedingt verloren. Philipp Weber bereits nach zwei Minuten und Jakob Leun ungefähr nach 40. Dazu kam, dass wir zu Spielbeginn große Schwierigkeiten mit dem Rückzug von Kiel hatten, sehr viele schnelle Gegentore zugelassen haben und somit frühzeitig mit fünf Toren zurücklagen. Danach haben wir uns allerdings fangen können und bis zur 40. Spielminute bin ich auch sehr zufrieden mit dem Auftritt meiner Mannschaft. Wenn der THW Kiel so lange mit seiner ersten 7 spielt, dann ist das auch ein Lob, wie wir uns dagegen gestemmt haben. Jedoch bin ich unzufrieden damit, dass wir in den letzten 15 Minuten derartig auseinandergefallen sind. Natürlich spielen hierbei Ermüdung und eigeschränkte Wechselmöglichkeiten eine Rolle, dennoch haben wir es dem THW heute zu einfach gemacht, auf die zehn Tore Abstand zu kommen. Unsere Aufgaben werden auf keinen Fall leichter, wir spielen am Samstag wieder auswärts in Berlin. Mit welcher Formation wir da auftreten können, kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich hoffe, dass die Verletzungen bei Philipp und Jakob nicht so schlimm ausfallen und Marko und Gregor zurück zum Team stoßen können.“

Filip Jícha (Trainer THW Kiel): „Wir sind sehr froh, das Spiel heute gewonnen zu haben. Ich bin mit dem Auftritt sehr zufrieden. Wir wollten heute mehr auf uns schauen und nach unseren Normen spielen. Das ist uns gerade in den ersten 20 Minuten sehr gut gelungen. Der einzige Haken war jedoch, dass wir zu wenig Bälle im Tor unterbringen konnten, was auch an der guten Torhüterleistung von Birlehm lag. Die Leipziger waren geschwächt und konnten kaum durchwechseln. Wir haben unser Ding durchgezogen mit einer offensiven 3-2-1 Variante. Mit diesem Spiel konnten sich die Jungs die Tabellenführung wieder zurückerobern. Darüber freue ich mich. Wir werden uns nun hochmotiviert und konzentriert auf das Derby am Samstag vorbereiten.“

THW Kiel gegen SC DHfK Leipzig 31:21 (17:14)

Torschützen THW Kiel: Wiencek 5, Duvnjak 5, Dahmke 4, Pekeler 4, Jacobsen 3, Weinhold 2, Reinkind 2, Sagosen 2, Ekberg 2, Horak 1, Zarabec 1

Torschützen SC DHfK Leipzig: Witzke 6, Binder 4, Meyer-Siebert 4, Gebala 3, Pieczkowski 2, Leun 1, Krzikalla 1

Zeitstrafen: Kiel: keine, Leipzig 6 Min

Siebenmeter: Kiel 1/3, Leipzig 1/1